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Advanced Planning Systems als Teil von IT-Lösungen in der Logistik

Erstellt am: 24.03.2010 | Stand des Wissens: 01.12.2018
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Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Im Zuge der Weiterentwicklung der "Supply Chain Management Systeme" (SCM-Systeme) entstanden als Reaktion auf die Ineffizienzen von "Produktionsplanungs- und Steuerungssystem" (PPS) und "Enterprise Resource Planning Systemen" (ERP-Systeme) sogenannte Advanced Planning Systems (APS). Diese setzen zwar auf die vorhandenen ERP-Systeme auf, sollen aber eine integrierte Planung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ermöglichen [Bick02, S. 237 ff.]. Ein wesentlicher Nachteil gängiger ERP-Systeme gegenüber APS ist die sequentielle Planung. APS hingegen berücksichtigt mittels integrierter simultaner Planung alle Restriktionen gleichzeitig. Auf diese Weise kann die Planung der Materialbedarfe, Produktionsprogramme und Termin- und Kapazitätspläne in einem Zug durchgeführt beziehungsweise optimiert werden. APS dient somit primär der Entscheidungsunterstützung. Sie bieten anspruchsvolle mathematische Lösungsalgorithmen des Operations Research, eine restriktions- und engpassorientierte Planung sowie eine simultane Prüfung von einzuhaltenden Restriktionen und vorhandenen Kapazitäten [HeHi02, S. 190-191].

APS sind computergestützte, modular aufgebaute Informationssysteme, die die unternehmensübergreifende Planung und Steuerung von Geschäftsprozessen integrativ unterstützen. Die untereinander vernetzten Module stimmen die Aktivitäten der gesamten Supply Chain synchron aufeinander ab. Die gesamte Wertschöpfungskette wird erfasst, inklusive der Lieferanten- und Kundenströme. Die verschiedenen Planungsmodule (beispielsweise Forecasting, Beschaffung, Bestandsplanung, Distributionsplanung etc.) unterstützen die zeitlichen Aspekte der Planung durch Berücksichtigung mehrerer Planungshorizonte (Tage, Wochen, Monate) und durch die unterschiedlichen Planungsaufgaben entlang der Logistikkette (Vormontage, Lager, Endmontage, Verpackung) [Wann10, S. 578]. Da APS auf die Datenversorgung von außen angewiesen sind, sind für den Einsatz von APS Basissysteme notwendig, die die Verwaltung von Daten und die Ausführungsunterstützung auf Betriebsebene gewährleisten [StKr02, S. 172-176].

Das Unternehmen "i2 Technologies" brachte neben Manugistics und Numetrix die ersten Tools für die integrierte Produktions- Beschaffungs- und Distributionsplanung auf den Markt. Die Firma SAP bot dagegen erst später die SCM Software "Advanced Planner and Optimizer" (APO) mit dem Ziel, die Wertschöpfungskette zu optimieren, an [Wann10, S. 580]. Alle genannten SCM-Systeme bieten leistungsfähige Planungsprozeduren und Optimierungsverfahren, beispielsweise um den Kundenbedarf zu planen oder einen optimierten Produktionsplan aufzustellen [KiMü02, S. 215-216].

Der "Advanced Planner and Optimizer" (APO) der Firma SAP ist eine Planungs- und Optimierungssoftware zur Integration und Synchronisation von globalen Prozessen der Logistikkette. APO setzt sich aus vier wesentlichen Modulen zusammen:

Unter Demand Planning versteht man die Bedarfsplanung, das heißt die Erfassung und Aufbereitung der vertrieblichen Daten mit dem Ziel der Erstellung eines Absatzplans.

Unter Network Planning versteht man die Grobplanung für Einkauf, Fertigung, Bestand und Transport über einen definierten Zeitraum. Anhand von vereinfachten Arbeitsplänen und Stücklisten werden die kritischen Ressourcen und Produkte über die Supply Chain geplant. Mit Hilfe von Heuristiken, der Auswahl alternativer Ressourcen und Schichtplänen sowie einem automatischen Kapazitätsleveling soll ein machbarer Plan entstehen, der nach verschiedenen Kriterien optimiert wird.

Production Planning/Detailed Scheduling bezeichnet die Produktionsplanung, das heißt Erstellung eines detaillierten, sekundengenauen Produktionsplans für die jeweilige Lokation mit dem Ziel eines funktionalen und optimalen Produktionsplans, wobei entsprechend geplante Prozessaufträge und Bestellungen anschließend an das R/3 (ERP-System) übergeben werden.

Available to Promise bezeichnet die Globale Verfügbarkeitsprüfung, das heißt regelbasierte, mehrstufige Verfügbarkeitsabfrage, durch mehrstufige Komponenten- und Kapazitätsprüfungen in Echtzeit und auch simulativ werden Abgleiche von Beständen und Bedarfen durchgeführt. Somit sind Aussagen über mögliche Lieferungen und Einhaltung der Lieferverpflichtungen möglich [Bick02, S. 239-241] [Wann10, S. 582].

i2 Technologies bietet ein SCM-System an, welches sowohl die Integration der i2-Lösungen in die Systemlandschaft als auch die Integration von Unternehmen untereinander ermöglicht. Mit Unterstützung der i2-Anwendungen können Prozessabläufe und die Produktionsplanung über Unternehmensgrenzen hinweg optimiert werden. Die Lösungen berechnen genau, wann welche Abläufe ineinander übergehen und welche Ressourcen wann an welchem Ort bereitstehen müssen. Ebenso ist eine Ermittlung des Absatzplanes möglich, in den alle relevanten Einflussfaktoren mit einfließen. Die i2-Lösungen beziehen die benötigten Daten aus den ERP-Systemen. Diese werden im Arbeitsspeicher des SCM-Systems gehalten. Dadurch reduziert sich die Berechnungsdauer erheblich. Die Datenmodelle der verschiedenen Unternehmen werden in einheitliche Strukturen überführt. Die i2-Lösungen ermöglichen so eine transparente Übersicht über die relevanten Prozesse und schaffen so die Möglichkeit, Chancen und Risiken abzuwägen und marktrelevante Einflussfaktoren zu erkennen [Bick02].
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Informations- und Kommunikationstechnologien in der Logistik (Stand des Wissens: 24.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?286415
IT Systeme (Stand des Wissens: 19.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?286028
Literatur
[Bick02] Bick, Michael Einführungskonzepte für Supply Chain Managment Software am Beispiel von SAP APO, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1.Auflage, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[HeHi02] Hellingrath, Bernd , Hieber, Ralf , Laakmann, Frank , Nayabi, Kasra Die Einführung von SCM-Softwaresystemen, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[KiMü02] Kilger, Christoph, Müller, Andreas Integration von Advanced Planning Systemen in die innerbetriebliche DV-Landschaft, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1.Auflage, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[StKr02] Steven, Marion , Krüger, Rolf Advanced Planning Systems - Grundlagen, Funktionalitäten, Anwendungen, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1.Auflage, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[Wann10] Wannenwetsch, Helmut Integrierte Materialwirtschaft und Logistik - Beschaffung, Logistik, Materialwirtschaft und Produktion, Ausgabe/Auflage 4, Springer / Berlin, 2010, ISBN/ISSN 3-540-00481-5
Glossar
Enterprise Resource Planning Ein Enterprise Resource Planning (ERP) System disponiert und plant systematisch die Aufträge und versucht so eine optimale Auslastung der Unternehmensressourcen zu erreichen. Der Begriff hat sich insbesondere durch die in diesem Zusammenhang entwickelten Softwaresysteme, wie zum Beispiel SAP und Baan, verbreitet (Supply Chain Software).
Supply Chain Management Supply Chain Management lässt sich vereinfacht als Abfolge oder Kette von Aktivitäten beschreiben, um Kunden und/oder Märkte erfolgreich zu bedienen - also effizienter und effektiver zu arbeiten. Zu diesem Zweck werden die Ketten in einem - und zwischen Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Durch diesen Überblick sollen sich die "Supply Chains" aktiv, durchschaubar und über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg, gestalten lassen. Als Supply Chains zählen einerseits die Verflechtung des Materialflusses innerhalb eines Unternehmens (z.B.: Produktion, Lagerung, Transport) sowie zwischen Unternehmen (z.B.: Milchbauer, Großhändler, Joghurthersteller, Einzelhandel, Kunde). Weitere Supply Chains im Sinne des SCM sind Informationsflüsse und Geldströme.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?300194

Gedruckt am Sonntag, 19. Mai 2019 15:14:38