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Antriebstechnologien im Straßenverkehr

Erstellt am: 23.03.2010 | Stand des Wissens: 21.01.2019
Ansprechpartner
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel

Der Verkehrssektor ist für circa 20 Prozent der Emissionen in Deutschland verantwortlich, von denen circa 60 Prozent auf den motorisierten Individualverkehr entfallen. Die Einführung alternativer Antriebe ist mit dem Ziel verbunden, verkehrsbedingte Emissionen zu reduzieren, sowohl global als auch lokal, besonders im innerstädtischen Bereich (lokal spielen neben Schadstoffemissionen auch Lärmemissionen eine Rolle) [FuGn15]. Darüber hinaus kann durch alternative Antriebe die Abhängigkeit von Energieimporten gesenkt werden.

Zu den derzeit verfügbaren Antriebstechnologien zählen die konventionellen Antriebe mit einem Verbrennungsmotor (Otto- und Dieselmotoren), batterieelektrische Antriebe sowie diverse Hybridvarianten, die zwei verschiedene Antriebsarten miteinander koppeln, vorwiegend einen elektrischen Antriebstrang mit einem konventionellen Antriebstrang [Dall13]. Eine wichtige Unterscheidung von Hybridfahrzeugen ist die in Hybridfahrzeuge ohne externen Stromanschluss sowie sogenannte Plug-In Hybridfahrzeuge, die über einen externen Stromanschluss verfügen und daher zu den Elektrofahrzeugen gezählt werden. Brennstoffzellenfahrzeugen werden auch zu elektrischen Antrieben gezählt. Diese haben bislang jedoch nur bedingt Marktreife erreicht [Hydr16] [Emob13]. Die elektrischen Antriebe und Hybridvarianten mit Netzanschluss lassen sich unter dem Begriff E-Mobility oder Elektromobilität zusammenfassen. Dabei ist die Brennstoffzelle als ergänzender und komplementärer Pfad zur Batterietechnologie zu sehen.

Aktuell wird der Pkw-Bestand in Deutschland durch konventionelle Antriebe dominiert [KBA18]. Alternative Antriebe machen immer noch nur ca. 1.8 Prozent des Fahrzeugbestandes in Deutschland aus, Elektrofahrzeuge (batterieelektrische und Plug-In Hybrid-Fahrzeuge) liegen bei 0.1 Prozent.

Bestand_Antriebsart.pngAbb. 1: Anzahl und relative Anteile verschiedener Antriebe im deutschen Pkw-Bestand zum 1.1.2018. Eigene Darstellung nach [KBA18] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Das Ziel, verkehrsbedingte Emissionen zu senken, kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden. Diese reichen von modifizierten Verbrennungsmotoren mit neuen Kraftstoffen bis hin zu neuen Antriebstechnologien wie dem Elektromotor. Die Bewertung der unterschiedlichen Antriebstechnologien hinsichtlich ihrer Emissionen sollte die gesamte Kette der Energiebereitstellung berücksichtigen. Diese umfasst die Bereitstellung des Kraftstoffs von der Quelle (englisch: well) bis zur Umwandlung in Bewegungsenergie am Rad (englisch: wheel). Man spricht daher bei einer ganzheitlichen Emissionsbetrachtung von einer Well-to-Wheel-Analyse.

Besonders bei der Betrachtung der Emissionen von Elektrofahrzeugen ist aufgrund der lokalen Emissionsfreiheit sowie aufgrund unterschiedlicher Strom-Erzeugungsmöglichkeiten eine Well-to-Wheel-Analyse notwendig, um Elektrofahrzeuge umfassend bewerten zu können. Emissionen von Elektrofahrzeugen skalieren direkt mit den Emissionen der Stromerzeugung. Diese Abhängigkeit bedingt auch die Verringerung der Emission von Elektrofahrzeugen über die Zeit, unter der Annahme, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix zunimmt.

Im Rahmen dieser Wissenslandkarte werden die verschiedenen alternativen Antriebstechnologien vorgestellt und im Rahmen einer Well-to-Wheel Analyse miteinander verglichen. Schließlich wird der aktuelle Einsatz alternativer Antriebstechnologien im öffentlichen Personennahverkehr vorgestellt.
Ansprechpartner
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Antriebstechnologien im Straßenverkehr (Stand des Wissens: 21.01.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?298940
Literatur
[Dall13] David Dallinger Plug-in electric vehicles integrating fluctuating renewable electricity, Kassel university press GmbH, Kassel, 2013, ISBN/ISSN 978-86219-460-5
[Emob13] e-mobil BW Wasserstoff-Infrastruktur für eine nachhaltige Mobilität - Entwicklungsbedarf und Forschungsstand, 2013
[FuGn15] Simon Árpád Funke, Till Gnann, Patrick Plötz Addressing the different needs for charging Infrastructure: An analysis of some criteria for charging infrastructure set-up, veröffentlicht in E-Monility in Europe, Springer Verlag London, 2015, ISBN/ISSN 978-3-319-13194-8
[Hydr16] Hydrogeit Ernüchternde Bilanz eines F-Cell Early-Adopters, 2016
[KBA18] Kraftfahrt-Bundesamt (Hrsg.) Bestand an Pkw in den Jahren 2008 bis 2018 nach ausgewählten Kraftstoffarten, 2018/1/1
Glossar
Strommix Der Strommix gibt an, zu welchen Anteilen der Strom aus welchen Energieträgern stammt. Als Energieträger gelten dabei fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, daneben Kernenergie und auch erneuerbare Energien. Dazu kann eine regionale Abgrenzung vorgenommen werden, z.B. nach deutschem oder europäischem Strommix.
Hybrid
Der Ausdruck Hybrid bedeutet "etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes". Es stammt ab von dem lateinischen Fremdwort griechischen Ursprunges Hybrida. In der Technik wird ein hybrides System, aus zwei unterschiedlichen Technologien miteinander kombiniert.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Elektromobilität
Die Elektrifizierung der Antriebe durch Batterie- und Brennstoffzellentechnologien. Im Kontext des "Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität" wird der Begriff auf den Straßenverkehr begrenzt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Personenkraftwagen (Pkw) und leichte Nutzfahrzeuge, ebenso werden aber auch Zweiräder (Elektroroller, Elektrofahrräder) und Leichtfahrzeuge einbezogen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?298652

Gedruckt am Samstag, 26. September 2020 20:18:14