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Ausgewählte Verkehrsprognosen und Szenarien

Erstellt am: 18.03.2010 | Stand des Wissens: 05.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die für Deutschland bedeutendste Prognose der Verkehrsnachfrage ist die der Bundesverkehrswegeplanung zu Grunde liegende Gesamtverkehrsprognose für alle Verkehrsträger. Der aktuell geltende Bundesverkehrswegeplan aus dem Jahr 2016 [BMVI16d] basiert auf der Verkehrsprognose 2030 [BMVI13a].
In den vergangenen Jahrzehnten war die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung in Deutschland von Zersiedelung und fast stetigem Verkehrswachstum geprägt. In den kommenden Jahrzehnten kommt es in Deutschland jedoch zu deutlichen demografischen Veränderungen [BMVBS06o, S. 1], die gerade im Bereich des Verkehrs einige Fragen aufwerfen, beispielsweise:
  • Wie verändern sich Siedlungs- und Verkehrsstruktur mittel- und langfristig? oder
  • Welche Folgen des demografischen Wandels ergeben sich für die künftige Auto-Mobilität in Deutschland?
"Die Diskussion um die künftige Entwicklung von Siedlungsstrukturen und Mobilität erfolgt vor dem Hintergrund globaler Veränderungen, aber auch eines gesellschaftlichen Wertewandels" [BMVBS06o, S. 60]. Viele Entscheidungen in Bezug auf Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sind langfristig und erfordern für die Planung entsprechende Zukunftsinformationen. In einem mehrere Generationen umfassenden Zeitraum erscheint hierfür die Erstellung von Prognosen nicht mehr sinnvoll [BMVBS06o, S. 60]. Als Alternative wird auf die Szenariotechnik zurückgegriffen.
Zahlreiche Unternehmen haben derartige Langfristszenarien mit einem Prognosehorizont von mehr als 10 Jahren erstellt beziehungsweise in Auftrag gegeben, beispielsweise:
  • Institut für Mobilitätsforschung (ifmo), [Ifmo15]
  • Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur [BMVI13a] und
  • Shell Deutschland Oil GmbH [Shell14].
Auf kommunaler Ebene werden Verkehrsentwicklungspläne für verschiedene Szenarien erstellt. Der Planungszeitraum beträgt in der Regel 10 bis 20 Jahre (siehe hierzu auch die Wissenslandkarte "Verkehrsentwicklungsplan" im Forschungsinformationssystem).
Darüber hinaus existieren auf europäischer Ebene noch eine Reihe weiterer Langfristprognosen, die jedoch nicht Gegenstand der Wissenslandkarte sind. Ein nennenswertes Beispiel sind die World Transport Reports (WTR) der Prognos AG. Der World Transport Report Edition 2015 / 2016 [Prog15] enthält Daten und Prognosen zur Verkehrsentwicklung von 12 EU-Ländern, 5 BRICS-Staaten und drei weiteren Ländern bis zum Jahr 2040.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrsprognosen (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?226908
Literatur
[BMVBS06o] Deutsches Institut für Urbanistik, Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Technische Universität Dresden, verschiedene Szenarien der Mobilitätsentwicklung unter Berücksichtigung von Siedlungsstrukturen bis 2050 - Abschlussbericht, Magdeburg, 2006/06/28
[BMVI13a] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Verkehrsprognose 2030, 2013
[BMVI16d] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Bundesverkehrswegeplan 2030, Ausgabe/Auflage März 2016, Berlin, 2016/03
[Ifmo15] Peter Phleps, Irene Feige, Die Zukunft der Mobilität - Szenarien für Deutschland in 2035, 2015/03
[Prog15] World Transport Report 2015/2016, 2015
[Shell14] Shell Deutschland Oil GmbH (Hrsg.) Shell PKW-Szenarien bis 2040, 2014
Weiterführende Literatur
[BVU07] BVU Beratergruppe Verkehr+Umwelt GmbH, Intraplan Consult GmbH, o. V. Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025, München/Freiburg, 2007/11/14
Glossar
Bundesverkehrswegeplan Als Instrument einer mittel- bis langfristigen Investitionsrahmenplanung für den Erhalt und Ersatz bundeseigener Verkehrsinfrastruktur erfasst der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) das zwecks zielgerichteter Ausgestaltung sowie Erweiterung von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Schienenwegen des Bundes erforderliche Finanzierungsvolumen. Auf Basis verkehrsträgerübergreifender Prognosen findet in diesem Zusammenhang eine Priorisierung vorgesehener Neu- und Ausbauprojekte gemäß ihrer gesamtwirtschaftlichen Bewertung sowie ökologischer und raumordnerischer Einschätzungen statt. Grundsätzlich wird infolgedessen zwischen "vordinglichem Bedarf" (VB) und "weiterem Bedarf" (WB) unterschieden. Der BVWP tritt auf Beschluss des Bundeskabinetts in Kraft und umfasst jeweils einen Zeithorizont von ca. 10 bis 15 Jahren. Seit 1973 sind bereits fünf konsekutive Verkehrswegepläne verabschiedet worden. Der letzten, dem Jahr 2003 entstammenden Fortschreibung liegt ein Planungszeitraum bis 2015 und ein Investitionsvolumen i. H. v. 150 Mrd. EUR zugrunde.
Mobilität in Deutschland (MiD)
Mobilität in Deutschland (MiD) ist eine bundesweite Befragung von rund 50.000 Haushalten zu ihrem täglichen Verkehrsverhalten (inklusive Samstage und Sonntage) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI).
Folgende Zielstellungen stehen im Mittelpunkt:
  • Analyse aktueller Trends des Verkehrsverhaltens zum Beispiel vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und veränderter Wertevorstellungen
  • Basis für die Verkehrsplanung der Bundesrepublik (Ableitung modellierungsrelevanter Kennziffern) und für die wissenschaftliche Untersuchung zur Alltagsmobilität

Ähnliche Umfragen fanden bereits in den Jahren 1976, 1982 und 1989 als KONTIV-Erhebung (Kontinuierliche Erhebung zum Verkehrsverhalten) statt.
Mobilität in Deutschland wurde in neuer Modifikation erstmals im Jahr 2002 durchgeführt und im Jahr 2008/2009 wiederholt. Die nächste MiD-Befragung wird im Jahr 2016 durchgeführt.
Szenarien Ein Szenario ist ein Bild der Zukunft, das sich aus einer bestimmten Kombination von relevanten Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen entwickelt. Das grundsätzliche Anliegen von Szenarien besteht darin, verschiedene Handlungsoptionen zu verdeutlichen und ihre Folgewirkungen transparent zu machen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?294889

Gedruckt am Sonntag, 19. Mai 2019 14:47:00