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Das Konzept der Tower24 in der E-Logistik

Erstellt am: 22.01.2003 | Stand des Wissens: 11.03.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Der Tower24 ist ein vom "Fraunhofer Institut Materialfluss und Logistik" (IML) in Dortmund entwickeltes automatisiertes Warenübergabesystem, dessen Verwendung und Entwicklung jedoch mittlerweile eingestellt ist. Es soll Kunden ermöglichen, ihre via Internet bestellten Waren zu jedem Zeitpunkt nach dem Selbstbedienungsprinzip abzuholen [FiEn01]. Die Lieferanten bringen die vom Kunden bestellte Ware zum Tower24 und lagern sie dort ein, bis der Kunde diese zu seinem Wunschtermin abholt.
tower24.jpgAbb. 1: Effizientes Warentransfersystem für dezentrale Pick-up-Stellen
Der Tower24 mit seiner runden Bauform (siehe Abbildung 1) die teilweise in den Boden eingelassen ist, ermöglicht die Anordnung vieler Entnahmestellen auf kleinstem Raum. Im Vergleich zu Schließfächern benötigt er bei gleicher Kapazität nur 20 Prozent der Fläche. Des Weiteren kann der Tower24 in einen Temperaturbereich mit Normaltemperatur (klimatisiert auf 20 Grad Celsius), einen Frischebereich mit 2 bis 7 Grad Celsius und optional in einen Tiefkühlbereich mit -18 Grad Celsius eingeteilt werden. Auf diese Weise eignet er sich als Lager für frische Waren, die am selben Tag bestellt und abgeholt werden ebenso wie für Bücher oder Kleidung, die in aller Regel eine längere Lieferfrist haben. Während bei einem Schließfach ein eigenes Kühlaggregat für jedes zu klimatisierende Fach erfordern würde, nutzt der Tower24 die natürliche Isolation des Erdreichs und reduziert somit den Energieverbrauch. Außerdem wird ein Luftschichten-Kühlsystem verwendet, dass die Kühlung ganzer Bereiche ermöglicht, ohne diese bautechnisch voneinander zu trennen [HeFö03, S. 212 f].

Jeder Tower24 ist mit Selbstbedienungsterminals zur Anmeldung, Warenanlieferung und Warenabholung ausgestattet. Der Lieferant kann mit dem Wagen direkt vor die Einlagerungsstelle fahren, so dass 100 Sendungen in weniger als 20 Minuten eingelagert werden können. Die Endkunden werden per "Short Message Service" (SMS) oder electronic-Mail benachrichtigt. Dabei erhalten sie eine PIN, die bei der Abholung eingeben werden muss und den Kunden eindeutig identifiziert. Für den Kunden wird ein Drive-In möglich, das heißt er muss so gut wie keine Strecke zwischen Ausgabefenster und seinem Fahrzeug zurücklegen [HeFö03, S. 212 f].

Als Vorteile des Konzeptes sind insbesondere die Bündelung von Warenströmen, die Vermeidung von Leerfahrten sowie die Minimierung der Zustellzeiten zu nennen. Hierdurch können erhebliche Kosteneinsparungen pro Warensendung realisiert werden.
Im Jahr 2003 wurde in Dortmund der Testbetrieb für eine Pilotanlage aufgenommen. Nach fünf Jahren wurde dieser eingestellt und es erfolgte keine weitere Verbreitung der Technologie.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
E-Logistik (Stand des Wissens: 14.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293780
Informations- und Kommunikationstechnologien in der Logistik (Stand des Wissens: 24.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?286415
Literatur
[FiEn01] Fichtner, Claudia, Engelsleben, Tobias B2C Logistik: Neue Zustellkonzepte... und was die Kunden davon halten., 2001
[HeFö03] Tower24 offiziell eröffnet, veröffentlicht in Hebezeuge Fördermittel, Ausgabe/Auflage 43 (2003) 5, 2013/05

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?29405

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2019 10:30:22