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Dienstleister als Akteure des Kombinierten Verkehrs

Erstellt am: 17.03.2010 | Stand des Wissens: 03.07.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Zu den relevanten Dienstleistern im Kombinierten Verkehr zählen die Spediteure, Operateure, Transporteure und Terminalbetreiber, die jeweils voneinander unterschieden werden können.

Die Hauptaufgabe des Spediteurs ist es kosten- und zeitoptimale Transportlösungen, im Interesse des Kunden, zusammenzustellen. Des Weiteren kommt dem Spediteur eine entscheidende Rolle bei der Verkehrsträgerwahl zu, die bei der Kundenberatung gezielt eingesetzt werden kann [EuKom04h]. Je nach Größe und Kerngeschäft können Spediteure Teil- und/oder Komplettleistungen für multimodale Transporte organisieren oder erbringen (Selbsteintritt).  Große Speditionen arbeiten in der Rolle als logistische Marktführer mit Kunden mit großen Transportaufkommen eng auf langfristiger Vertragsbasis zusammen. Sie sind daher in der Lage, genügend Verkehre zu bündeln und multimodale Transporte effizient abzuwickeln. Aus Sicht von kleineren Speditionsunternehmen, die mit eigenen Fuhrparks dienen, sowie Transporteuren, muss ein Interesse bestehen, um die eigenen Fahrzeuge auszulasten. Diese Tatsache kann bei einer möglichen Verlagerung von Verkehren von der Straße auf die Schiene oder den Wasserweg hinderlich sein [EuKom04h].

Als Operateure des Kombinierten Verkehrs werden Gesellschaften bezeichnet, die beim Gütertransport an den Umschlagstellen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern stehen. Sie bieten zum einen Leistungen von Terminal zu Terminal an, die sich an Spediteure und Straßentransporteure richten. Zusätzlich können Operateure beispielsweise den Transport von Wechselbrücken und Sattelaufliegern im Hauptlauf sowie deren Umschlag ausführen. Zum anderen werden komplexe Transportketten geboten, die einschließlich den Vor- und Nachlauf, vor allem im Containerverkehr, umfassen.

Insbesondere im Seehafenhinterlandverkehr sind Kooperationen mit anderen Marktteilnehmern, wie Eisenbahnverkehrsunternehmen, Reedereien oder Häfen und Terminalbetreibern, erforderlich, um multimodale Transportlösungen erfolgreich umzusetzen. So sind "zahlreiche Containerreedereien finanziell am Bau und Betrieb von Terminals beteiligt, um auf diese Weise eine direkte Kontrolle über den Umschlag und die Liegeplätze ausüben zu können. In einigen Fällen sind Reedereien und Terminalbetreiber auch an Eisenbahnunternehmen und KV-Operateuren beteiligt beziehungsweise gründen eigene Gesellschaften und nehmen so Einfluss auf die logistische Abwicklung im Hinterland." Da sich Reedereien zumeist auf Großkunden und nachfragestarke Achsen mit entsprechendem Bündelungspotenzial beschränken, ist auf den von ihnen gestalteten Transportrelationen der Anteil der massenleistungsfähigen Verkehrsträger Schiene und Binnenschiff häufig höher als bei denen der Speditionen [BAG05a].
Multimodale Transportketten im nationalen oder europäischen Markt unterliegen einem stärkeren Wettbewerbsdruck als Seehafenhinterlandverbindungen [SGKV08; UIRR08], da der Straßengüterverkehr aufgrund seiner hohen Verfügbarkeit und Flexibilität trotz negativer externer Effekte häufig die kostengünstigste und in der Realität qualitativ hochwertigste Lösung darstellt [Arns07].  Um den Kundenanforderungen gerecht zu werden, müssen Dienstleister im Kombinierten Verkehr aufgrund des im Vergleich zu monomodalen Transporten höheren organisatorischen Aufwands die finanzielle Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität langfristig gewährleisten. Zu dem stellt die Sicherung von Zuverlässigkeit und Kundeninformation, die Integrationsfähigkeit in bestehende Transportketten und die Produktionslogistik, sowie die Verknüpfung mit weiteren logistischen Dienstleistungen des Kombinierten Verkehrs einen wichtigen Erfolgsfaktor dar.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Akteure des Kombinierten Verkehrs (Stand des Wissens: 06.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321694
Literatur
[Arns07] Arnsmann, Bernd Entwicklung von regional orientierten Gütertransportkonzepten unter Ausnutzung der Möglichkeiten des Kombinierten Verkehrs, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik,Dortmund, 2007
[BAG05a] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Marktbeobachtung Güterverkehr - Sonderbericht zum Seehafen-Hinterlandverkehr, 2005/04
[EuKom04h] o. A. Freight Integrator Action Plan - Supporting the organisers of intermodal freight transport, Brüssel, 2003/10/01
[SGKV08] o. A. Geschäftsbericht der Studiengesellschaft Kombinierter Verkehr 2008, Berlin, 2008
[UIRR08] o. A. UIRR Jahresbericht 2008, Brüssel, 2008
Glossar
Vor- und Nachlauf Unter Vor- und Nachlauf sind im Kombinierten Verkehr Transporte der Ladeeinheit vom Versender zum Umschlagpunkt oder von dort zum Empfänger zu verstehen. Am Umschlagpunkt wechselt die Ladeeinheit das Verkehrsmittel. Der Transport zwischen zwei Umschlagpunkten wird als Hauptlauf bezeichnet.
Hinterland Das Hinterland eines Seehafen ist das landeinwärts hinter dem Hafen liegende Territorium, welches durch die Herkunfts- und Bestimmungsorte der im Hafen abzufertigen Güter und Passagiere begrenzt wird. Seine Grenzen hängen von den Hinterlandverkehrsanbindungen ab und variieren nach Gutarten, den Umschlagkapazitäten, dem Schiffstyp und der Verkehrsinfrastruktur. Das Vorland eines Seehafens ist das seewärts vor dem Hafen liegende Territorium, welches durch die überseeischen Herkunfts- und Bestimmungsorte der Güter begrenzt wird.
Hauptlauf Unter dem Hauptlauf ist im Kombinierten Verkehr der gebündelte Transport von Ladeeinheiten zwischen zwei Umschlagpunkten zu verstehen. Am Umschlagpunkt wechselt die Ladeeinheit das Transportmittel. Transporte vom Versender zum Umschlagpunkt oder von dort zum Empfänger werden als Vor- bzw. Nachlauf bezeichnet.
Transportrelationen
Eine Transportrelation beschreibt die Transportbeziehung zweier Orte zwischen denen ein regelmäßiger Beförderungsbedarf besteht.
Seehafenhinterlandverkehr Als Seehafenhinterlandverkehr werden im Allgemeinen der Zu- und Ablaufverkehr der Seehäfen mit den Verkehrsträgern Straße, Schiene und Binnen- bzw. Küstenschiff zu den Wirtschaftszentren im Binnenland bezeichnet.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Spediteur Spediteure fungieren als Intermediäre zwischen Versender und Transporteur bzw. Frachtführer. Sie „besorgen” den Transport. Hierunter fallen insbesondere die Festlegung auf Verkehrsmittel und die Beauftragung ausführender Unternehmen.
Transporteur Transporteure (auch Frachtführer genannt) führen den physischen Transport aus.
Eisenbahnverkehrsunternehmen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind öffentliche Einrichtungen oder privatrechtlich organisierte Unternehmen, die Eisenbahnverkehrsleistungen erbringen. "Eisenbahnverkehrsunternehmen" stellt einen europarechtlichen Begriff dar, welcher durch nationales Recht in Form von § 2 (1) des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) konkretisiert wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?294025

Gedruckt am Donnerstag, 18. Juli 2019 04:42:19