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Entwicklung des Schienengüterverkehrs in Deutschland

Erstellt am: 13.03.2010 | Stand des Wissens: 25.10.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Das Schienengüterverkehrsaufkommen stieg in den Jahren von 1990 bis 2017 um etwa 30 Prozent von 304 auf 401 Millionen Tonnen [BMVI18s]. Die Verkehrsleistung des Schienengüterverkehrs verdoppelte sich in dem selben Zeitraum von 62 auf 130 Milliarden Tonnenkilometer. Aufgrund der Wirtschaftskrise sanken sowohl das Güterverkehrsaufkommen als auch die -leistung zwischen 2008 und 2009 stark (-16 Prozent beziehungsweise -17 Prozent). Das Verkehrsaufkommen erreichte 2011 und die Verkehrsleistung erreichte 2014 wieder ihr Vorkrisenniveau seitdem steigen sowohl Verkehrsaufkommen als auch leistung an. Im Jahr 2017 wuchs das Verkehrsaufkommen um 2 Millionen Tonnen beziehungsweise um 0,5 Prozent und die Verkehrsleistung um 1,1 Milliarden Tonnen beziehungsweise um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr [BMVI18s].
Letztlich ist vor allem die Verkehrsleistung angestiegen, während der Marktanteil der Schiene im Güterverkehr nicht nachhaltig gesteigert wurde. Die unterschiedliche Entwicklung von Verkehrsaufkommen und -leistung lässt sich mit dem Anstieg der durchschnittlichen Transportentfernung von 204 Kilometer im Jahr 1990 auf 324 Kilometer im Jahr 2017 erklären [BMVI18s], aber auch mit einem geringeren Durchschnittgewicht der Ladung im wachsenden Kombinierten Verkehr [MoNeVe17, S.97].

Marktstruktur im deutschen Schienengüterverkehr
Mit der Umsetzung der deutschen Bahnreform ab 1994 wurde der Schienengüterverkehrsmarkt auch für Wettbewerber der DB AG beziehungsweise deren Tochter DB Schenker Rail (heute DB Cargo AG) geöffnet. Von 2000 bis 2016 konnten die nichtbundeseigenen Eisenbahnen (NE-Bahnen) ihren Marktanteil (in Tonnenkilometer) kontinuierlich von 1,9 Prozent auf über 40 Prozent steigern, wobei es ihnen gelang, in den Jahren 2015 und 2016 den Abstand zur DB Cargo AG um 7,4 Prozentpunkte zu verringern (siehe Abbildung 1). DB Schenker Rail bleibt jedoch der dominante Marktteilnehmer, auf den der größte Anteil der Verkehrsleistung entfällt. Jedoch leidet der Markführer zunehmend darunter, dass viele seiner Kunden aus rückläufigen Branchen (wie beispielsweise der Kohleindustrie) stammen [MoNeVe17, S.112].

2018Schiene.JPGAbb. 1: Marktanteil der Unternehmen am Schienengüterverkehr im Jahr 2016 in Prozent [MoNeVe17, S. 113] 
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Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Güterverkehrsentwicklung in Deutschland (Stand des Wissens: 07.04.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293800
Literatur
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[MoNeVe17] mofair e.V., Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V., Verband der Güterwagenhalter (Hrsg.) Wettbewerber-Report Eisenbahn 2017/2018, 2017/10
Glossar
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
nichtbundeseigene Eisenbahnen Als nichtbundeseigene Eisenbahnen (NE-Bahnen ) werden alle Eisenbahnunternehmen bezeichnet, die nicht mehrheitlich dem Besitz der Bundesrepublik Deutschland zuzuordnen sind.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?292082

Gedruckt am Montag, 28. September 2020 13:11:56