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Parkraummanagement zur Sicherstellung der Parksituation im städtischen Raum

Erstellt am: 21.01.2003 | Stand des Wissens: 14.01.2019
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Der übergeordnete Sammelbegriff Parkraummanagement bezeichnet die zeitliche und räumliche Beeinflussung der Parkraumnutzung durch bauliche, organisatorische und verkehrsrechtliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der lokalen Randbedingungen. Es hat die Aufgabe, das Angebot von und die Nachfrage nach Parkraum im Sinne von Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Verträglichkeit zu steuern. Dabei greifen die einzelnen Bestandteile der Angebotssteuerung, des Parkraumangebots, der Informations- und Leitsysteme sowie der Parkraumbewirtschaftung ineinander. [BaKl05, S. 7]

Bauliche Maßnahmen verändern das Straßenbild beispielsweise durch den Bau und Rückbau von Stellplätzen oder durch die Veränderung der Aufstellungsart. Des Weiteren können durch den Bau von zusätzlichen Parkplätzen die Probleme von hohem Parkdruck vermindert werden. Hierunter fallen der Bau von zusätzlichen Parkhäusern, Tiefgaragen oder weiteren Garagen. [Difu09,S.20]

Neben diesen starren Maßnahmen können organisatorische und verkehrsrechtliche Maßnahmen mit der Einbindung des Parkraummanagements in ein übergeordnetes Verkehrskonzept eingeführt werden. Hierzu zählen beispielsweise die Beeinflussung des Fahrverhaltens durch kollektive Parkleitsysteme und individuelle Navigationssysteme. Vordergründige Ziele sind verkehrslenkende Effekte, "die unter anderem zu geringerem Parkdruck, einer gleichmäßigeren Verteilung der Nachfrage auf Straßenraum und Sammelanlagen, höheren Parkchancen für Bewohner und Besucher sowie zu einer veränderten Verkehrsmittelwahl und zu weniger Parksuchverkehr und damit auch zu Umweltentlastungen sowie Verbesserungen der Standortqualitäten führen sollen" [Difu09,S.20].
Vor allem in der Innenstadt und in innenstadtnahen Gebieten mit Mischnutzung (Wohnen, Arbeiten, Einkaufs- und Freizeiteinrichtungen) ist die Nachfrage nach Parkmöglichkeiten vielfach größer als das vorhandene Angebot, wenn die Anzahl der zugelassenen Kfz je Erhebungsgebiet das vorhandene Angebot an öffentlichem und vielfach auch an privatem Stellplatzangebot übersteigt. Die Folge davon sind vermehrter Parksuchverkehr und illegale Parkvorgänge. Dies behindert den fließenden Verkehr und stört sowohl die Autofahrer als auch die Bewohner der betroffenen Gebiete. [Difu16

Viele Städte führen aufgrund der Folgen von überlasteten Gebieten, wie schlechtere Erreichbarkeit und sinkende Attraktivität, Maßnahmen zur Parkraumbewirtschaftung ein. Das Ziel ist die Mehrfachnutzung eines Parkplatzes und die damit einhergehende Erhöhung der Umschlagszahl des Parkplatzes.
Weitere Ziele, die in ihrer Wichtigkeit an den lokalen Gegebenheiten und strukturellen sowie sozialen Bedürfnissen ausgerichtet werden sollten, sind die Verlagerung des Pendlerverkehrs mit PKW auf die Nutzung des öffentlichen Verkehrs sowie die Reduzierung des Dauerparkeranteils, die Verringerung des Parksuchverkehrs und somit auch der Schadstoffemissionen sowie die Verbesserung der Parksituation für die Bewohner in unmittelbarer Nähe.

Maßnahmen des Parkraummanagements können die ungleiche Verteilung von öffentlichem Raum in Städten reduzieren. Laut [Difu16] verbraucht ein parkendes Fahrzeug 12 bis 15 Quadratmeter Platz. Diesen Platz kostenlos zur Verfügung zu stellen, ist unter der Betrachtung der knappen Ressource Raum in einer Stadt ineffizient und sollte demnach möglichst vermieden werden.

Aufgrund der unterschiedlichen Erwartungen und Einflussfaktoren bei kaum veränderbarem Stellplatzangebot ist bei der Planung von Maßnahmen des Parkraummanagements eine klare strategische Zielformulierung unter Beachtung der lokal dringlichsten Probleme erforderlich.

Mögliche konkrete Maßnahmen sind die Vergabe von Bewohnerlizenzen und somit die Schaffung von Lizenzgebieten (Parkraummanagementgebieten), die Einführung von Gebühren in Abhängigkeit von der Parkdauer, die Veränderung des Preisniveaus der Gebühren sowie zeitliche Stellplatzbeschränkungen, wie Kurzzeitparken. Für Dienstleister und Lieferanten muss ein Gebiet jedoch uneingeschränkt zugänglich sein, was vor allem durch die Vergabe von Gewerbelizenzen und Sondergenehmigungen erreicht wird.


 
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Organisatorische Maßnahmen und Instrumente des Verkehrsmanagements (Stand des Wissens: 19.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?33559
Parkraummanagement zur Sicherstellung der Parksituation im städtischen Raum (Stand des Wissens: 08.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?29129
Literatur
[BaKl05] Baier, Reinhold, Dr.-Ing., Klemps, Alexandra, Dipl.-Ing., Peter-Dosch, Christof, Dipl.-Ing. Aktuelle Praxis der kommunalen Parkraumbewirtschaftung in Deutschland , veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Ausgabe/Auflage Verkehrstechnik Heft V 145, Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH, 2005/11
[Difu09] Deutsches Institut für Urbanistik, Lehmbrock, M., Heinrichs, E., Kohlen, R., Uricher, A., Preuss, Th., Dittrich, S. ParkenBerlin - Abschlussbericht, Berlin, 2009/09
[Difu16] Deutsches Institut für Urbanistik Parkraumbewirtschaftung - Nutzen und Effekte, 2016/12
Weiterführende Literatur
[EAR05] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs EAR 05, 2005
[Kirch02a] Kirchhoff, Peter Städtische Verkehrsplanung - Konzepte, Verfahren, Maßnahmen, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Teubner Verlag / Wiesbaden, 2002/05, ISBN/ISSN ISBN 978-3-519-00351-9
[ISW01] Loose, Willi , Mentz, Horst , Meyerholt, Ulrich , Oettle, Karl, Baier, Reinhold, Dr.-Ing., Topp, Hartmut, Prof. Dr.-Ing., Zumkeller, Dirk, Prof. Dr.-Ing. Verkehrsplanung und Parkraummanagement, veröffentlicht in ISW Veröffentlichungen, Ausgabe/Auflage 1, München, 2001

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?29145

Gedruckt am Dienstag, 30. November 2021 10:10:49