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Maßnahmen des Parkraummanagements

Erstellt am: 21.01.2003 | Stand des Wissens: 09.02.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky

Die Maßnahmen, die bei der Parkraumbewirtschaftung ergriffen werden können und müssen, sind vielschichtig. Es gibt mehrere Kategorisierungen, um diese einzugruppieren. Zum einen kann man nach baulichen, organisatorischen und verkehrsrechtlichen Maßnahmen unterscheiden, zum anderen nach der Beeinflussung des Angebots, der Steuerung der Parkraumnachfrage und der Harmonisierung der Parkraumauslastung. Im Folgenden werden Regelungen, Verfahren und Abläufe entsprechend der zweiten Kategorisierung beschrieben. Das Parkraumangebot wird nach privatem und öffentlichem Stellplatzangebot unterschieden. Zu den baulichen und organisatorischen Maßnahmen zählen beispielsweise:
  • Schaffung, Erweiterung oder Rückbau von Park+Ride-Anlagen
  • Schaffung, Erweiterung oder Rückbau von Stellplätzen mit Sonderfunktion
  • Änderung des Stellplatzangebots im öffentlichen und privaten Straßenraum zur freien Nutzung
  • Errichtung von Anwohnergaragen
Diese Maßnahmen unterliegen verschiedenen Einflussfaktoren, darunter zum Beispiel die zur Verfügung stehende Fläche, geltende rechtliche Vorgaben, die Notwendigkeit der Änderung der Stellplatzzahl sowie Konzeptionen für stadt- und umweltgerechte Verkehrsgestaltungen. Um das vorhandene Stellplatzangebot möglichst vielen Nutzern zur Verfügung zu stellen und den Umschlag je Stellplatz zu erhöhen sind in Abhängigkeit der Nutzergruppen neben der Bereitstellung einer ausreichenden Stellplatzzahl auch verschiedene Steuerungsmaßnahmen erforderlich, wie:
  • Erhebung von Gebühren, möglicherweise unterteilt nach Nutzergruppen
  • Parkdauerbeschränkung, möglicherweise unterteilt nach Nutzergruppen
  • Parklizenzvergabe für Bewohner, für Gewerbetreibende sowie Ausnahmegenehmigungen
  • Einrichtung von Lieferzonen, Hotelanfahrtzonen sowie Stellplätzen mit Sondernutzung (Stellplätze für Behinderte, Taxis, Reisebusse,...)
  • Zufahrtsbeschränkungen für den motorisierten Individualverkehr für bestimmte Gebiete (zum Beispiel im Rahmen der Einrichtung einer Umweltzone,...
Neben den beschriebenen punktuell oder räumlich beschränkten Maßnahmen existieren vor allem in zentrumsnahen Bereichen von Ballungsräumen weitere Steuerungsmaßnahmen. Durch die Information für den Fahrer wird eine Harmonisierung der Verkehrsströme und somit auch eine Harmonisierung der Parkraumauslastung erreicht. Man unterscheidet zwischen kollektiven Informationen (zum Beispiel in Parkleitsystemen) und individuellen Informationen (zum Beispiel über Navigationsgeräte, Smartphones). Diese können dem Fahrer zum Teil vor der Fahrt, aber auch in zunehmendem Maße während der Fahrt übermittelt werden und sind entweder statisch oder werden dynamisch aktualisiert.
Zur Vermittlung und Gewährleistung von Akzeptanz durch den Nutzer sind die Maßnahmen durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit zu flankieren. Dies beginnt bereits vor der tatsächlichen Durchführung einer Maßnahme und ist durch entsprechend gut aufbereitete Informationen während der Maßnahme fortzuführen und zu gewährleisten. Bei besonderem Erfordernis ist eine durchgängige Betreuung bis hin zur Vergabe von Parklizenzen sicherzustellen. Die Steuerungsmaßnahmen greifen ausschließlich dann, wenn darüber hinaus für eine strikte und kontinuierliche Überwachung seitens der Kommune (kommunale Verkehrsüberwachung oder Verkehrsüberwachung durch die Polizei) gesorgt wird. All diese Mechanismen und Abläufe tragen entscheidend zur Akzeptanz durch den Nutzer bei.
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Parkraummanagement zur Sicherstellung der Parksituation im städtischen Raum (Stand des Wissens: 10.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?29129
Weiterführende Literatur
[ILS95] o.A. "Autoarme Stadtquartiere", veröffentlicht in Rundbrief, Ausgabe/Auflage 2, 1995/3
[BAST97] Braun, Walter , Peter, Christof , Wagener, Alfons, Baier, Reinhold, Dr.-Ing. Auswirkungen des Anwohnerparkens, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen - Verkehrstechnik, Ausgabe/Auflage V 39, Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH Bremerhaven, 1997, ISBN/ISSN 3-89429-843-X
[DSSW00a] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Planungsbüro Heinz und Jahnen Parken in der Innenstadt: kundenorientiert, standortgerecht und effizient, veröffentlicht in DSSW-Schriften, Ausgabe/Auflage 33, ARNO BRYNDA GmbH, Berlin, 2000
[Kirch02a] Kirchhoff, Peter Städtische Verkehrsplanung - Konzepte, Verfahren, Maßnahmen, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Teubner Verlag / Wiesbaden, 2002/05, ISBN/ISSN ISBN 978-3-519-00351-9
Glossar
Park & Ride Prinzip der Verkehrslenkung durch Abstellmöglichkeiten für Pkw in der Nähe von ÖV-Haltestellen bereits im Außenbereich von Ballungsräumen, um einen Umstieg vom Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr zu ermöglichen mit dem Ziel Innenstädte zu entlasten
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?29141

Gedruckt am Samstag, 28. Januar 2023 04:14:07