Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Deutsche Nord- und Ostseehäfen

Erstellt am: 26.02.2010 | Stand des Wissens: 05.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Als exportorientierte und zugleich rohstoffarme Nation ist Deutschland auf den internationalen Handel angewiesen. Die deutschen Häfen an Nord- und Ostsee wickeln über 25 Prozent des Außenhandels ab [MAR19, S.163], des Weiteren präsentieren sie Deutschland als Investitions- und Tourismusstandort. Ausländische Unternehmen kommen über Im- und Exportbeziehungen in Kontakt mit Deutschland, während in den Fähr- und Kreuzfahrthäfen jährlich Millionen internationale Passagiere ankommen [IHK09a; IHKSH20]. Durch die Nord- und Osterweiterung der Europäischen Union haben sich auch wirtschaftliche Gewichte gen Osten verschoben und die norddeutsche Küste damit eine Schlüsselposition erhalten. Unter dem Dach des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe e.V. (ZDS) vereinen sich momentan 21 deutsche Seehäfen (an Nord- und Ostsee) [ZDS20a]. 
Das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie legt in Veröffentlichungen wie dem Nationalen Hafenkonzept (2009, überarbeitet 2015) und dem Aktionsplan Güterverkehr und Logistik (2010, überarbeitet 2015) Prognosen und Empfehlungen für die Seehafenpolitik vor. Von diesem forderte der ZDS eine stärkere finanzielle Beteiligung am Ausbau leistungsfähiger Hinterlandanbindungen, der seewärtigen Zufahrten und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) [ZDS14, S. 9 - 10]. Für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur investierte die Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode zusätzlich 5 Milliarden Euro [BMWi19]. Im Januar 2017 hat das Bundeskabinett die maritime Agenda 2025 beschlossen, die einen "langfristig angelegten Rahmen für eine konsequente Zukunftspolitik zur Stärkung des maritimen Wirtschaftsstandortes Deutschland" schaffen soll [ZDS17a].
Besonders die Fahrrinnenanpassung an Außen- und Unterelbe sowie der Außen- und Unterweser sind seit fast zehn Jahren Streitpunkt zwischen Interessensverbänden der maritimen Wirtschaft und Umweltschutzverbänden. Zuletzt wies das Bundesverwaltungsgericht im Dezember 2017 eine Klage von Privateigentümern ab. Die nachgebesserten Pläne für die Elbvertiefung lagen seit März 2018 aus und führten zu neuen Einwänden. Diese müssen von der Planfeststellungsbehörde geprüft werden [NDR18]. In Hamburg soll nach der aktuellen Fahrrinnenanpassung eine tideunabhängige Fahrt bis 13,50 Meter Tiefgang erreicht werden. Die Pläne zur Elbvertiefung wurden 2018 nach mehreren Klagen vom Bundesverwaltungsgericht genehmigt. Zuletzt forderte das Bundesverwaltungsgericht eine Überarbeitung der Vertiefungspläne im Bezug auf die Erhöhung des Salzgehaltes der Elbe in Folge einer Vertiefung und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Elbfauna [BVG17]. Im Februar 2019 wurde mit den Vorbereitungen für die neunte Elbvertiefung begonnen. Hierzu wird zunächst auf der Billwerder Insel im Osten Hamburgs eine Ausgleichsfläche für die durch die Vertiefung bedrohten Wasserpflanzen geschaffen. In Brokdorf wurden ebenso erste Vorbereitungen für die Elbvertiefung vorgenommen. Der Ausbau hat im Sommer 2019 begonnen und soll im zweiten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden [NDR19].
Für die kommenden Jahre - bis 2030 -  sieht die Seeverkehrsprognose des Bundesministeriums ein jährliches Durchschnittswachstum von 2,8 Prozent, was einer Zunahme des Umschlagsvolumens von 74 Prozent entspricht, für die 19 untersuchten Seehäfen. Nicht berücksichtigt waren die Ostseehäfen Vierow, Wolgast, Anklam und Ueckermünde [BMWi19]. 
Die wichtigsten deutschen Nordseehäfen sind die Universalhäfen Hamburg und Bremen/Bremerhaven. Sie sind geprägt vom Überseeverkehr mit einem dominierenden Anteil des Containerverkehrs. Hamburg ist dabei nach Rotterdam und Antwerpen der drittgrößte Containerhafen Europas [LL20]. Als zentraler deutscher Rohölimporthafen und seit 2012 auch für Großschiffe erreichbarer Containerhafen ist unter den Nordseehäfen außerdem Wilhelmshaven von Bedeutung [NMWAV07, S. 23]. Andere, kleinere Häfen an der Nordseeküste zu nennen sind Brake, Nordenham, Cuxhaven, Emden und Brunsbüttel sind meist auf bestimmte Gutarten und regionales Hinterland spezialisiert. Teilweise entstehen auch Kooperationen zwischen Häfen eines Bundeslandes, so zum Beispiel in Schleswig-Holstein mit der Hafenkooperation Offshore-Häfen Nordsee SH mit dem Schwerpunkt Produktion-, Logistik- und Servicehäfen für Offshore-Windparks [ZDS16].
Die Häfen der deutschen Ostseeküste sind überwiegend durch den ostseeinternen Fähr- und Ro/Ro-Verkehr geprägt. Anders als in den Nordseehäfen spielt der Containerverkehr hier keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die wichtigsten deutschen Ostseehäfen sind Rostock, Lübeck und Kiel. Der Fährhafen Puttgarden bietet über die Ostsee die kürzeste Verbindung von Deutschland nach Dänemark, hat aber seit Öffnung der festen Querung des Großen Belts und der Einstellung des Eisenbahngüterfährverkehrs an Bedeutung eingebüßt. In Sassnitz-Mukran dominiert der Fährverkehr mit Schweden und Litauen. Flensburg, Wismar, Stralsund, Wolgast und weitere kleine Häfen sind meist spezialisiert auf Massengüter bzw. bestimmte Massenstückgüter und haben meist regionale oder lokale Bedeutung.
Deutsche Seehaefen.PNGAbb. 1: Seehäfen Deutschlands (eigene Darstellung nach [ZDS16]) (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Deutsche Nord- und Ostseehäfen (Stand des Wissens: 05.01.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?57143
Literatur
[BMWi19] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hrsg.) Wirtschaft stärken, Zukunft sichern, 2019/05/22
[BVG17] Bundesverwaltungsgericht (Hrsg.) Elbvertiefung: Habitatschutzrechtliche Verträglichkeitsprüfung und Ausgleichsmaßnahmen teilweise nachbesserungsbedürftig, Ausgabe/Auflage Nr. 6/2017 - BVerwG 7 A 2.15 , 2017/02/09, Online-Referenz http://www.bverwg.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.php?jahr=2017&nr=6
[IHK09a] IHK Nord Handelskammer Hamburg (Hrsg.) Mit der Welt verbunden - Die nationale Bedeutung der deutschen Seehäfen, 2009
[IHKSH20] IHK Schleswig-Holstein (Hrsg.) Verkehrsmarkt Ostsee: Aktuelle Zahlen und Daten für die Ostseeregion - Stukturdaten 2020, 2020
[LL20] Lloyd's List (Hrsg.) One Hundred Ports 2020, 2020
[MAR19] Marinekommando (Hrsg.) Jahresbericht 2019: Fakten und Zahlen zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland, Ausgabe/Auflage 32. Auflage, 2019/11/12
[NDR18] NDR (Hrsg.) Elbvertiefung: Einwände gegen neue Pläne, 2018/05
[NDR19] Norddeutscher Rundfunk (Hrsg.) Elbvertiefung: Erste Ausgleichsfläche entsteht, 2019/02/20
[NMWAV07] k.A. Hafenkonzept Niedersachsen, Hannover, 2007/02/20
[ZDS14] o.A. Jahresbericht 2013/14, 2014
[ZDS16] Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) Offshore-Hafenatlas, 2016
[ZDS17a] Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e.V. (Hrsg.) ZDS Jahresbericht 2016/2017, 2017/09
[ZDS20a] Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e.V. ZDS JAHRESBERICHT 2019/2020, 2020
Glossar
Hinterland Das Hinterland eines Seehafen ist das landeinwärts hinter dem Hafen liegende Territorium, welches durch die Herkunfts- und Bestimmungsorte der im Hafen abzufertigen Güter und Passagiere begrenzt wird. Seine Grenzen hängen von den Hinterlandverkehrsanbindungen ab und variieren nach Gutarten, den Umschlagkapazitäten, dem Schiffstyp und der Verkehrsinfrastruktur. Das Vorland eines Seehafens ist das seewärts vor dem Hafen liegende Territorium, welches durch die überseeischen Herkunfts- und Bestimmungsorte der Güter begrenzt wird.
Ro/Ro Abkürzung für "Roll on/Roll off" - beschreibt im Seeverkehr den rollenden Ladungsumschlag über schiffseigene und/oder landseitige Rampen; im Kombinierten Verkehr die horizontale Verladung rollender oder rollbar gemachter Ladeeinheiten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?288906

Gedruckt am Montag, 5. Dezember 2022 07:51:41