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Wirkung des Güterverkehrs - Übersicht

Erstellt am: 22.02.2010 | Stand des Wissens: 06.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Der Verkehr hat starke Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Bei jeglicher Art von Verkehr entstehen sogenannte externe Kosten, wie beispielsweise Unfall-, Klima- oder Lärmkosten. Sie lassen Rechnungen in Milliardenhöhe entstehen und wirken sich negativ auf ihre unmittelbare Umgebung sowie auf das ökonomische Gleichgewicht allgemein aus.

Die externen Kosten des Verkehrs werden in Deutschland nicht systematisch erfasst. Verschiedene Studien versuchen zwar, die externen Kosten des Verkehrs (eines gewissen Landes in einem gewissen Zeitraum) zu bestimmen und anschließend Lösungsansätze für eine angestrebte Reduzierung der Kosten zu entwickeln. Jedoch fallen die Ergebnisse der Studien in diesem Themenfeld oft sehr unterschiedlich aus. Analysen für Deutschland schätzen die externen Kosten des Straßenverkehrs im Jahr 2005 auf 40 bis über 80 Milliarden Euro [Puls13a]. Diese große Spannweite kommt durch unterschiedliche Methoden und Annahmen über die Höhe der Schäden zustande. Insbesondere die Bewertung von Schäden durch Treibhausgase erweist sich als problematisch, weil sich die Kosten des Klimawandels nur schwer beziffern lassen, häufig zukunftsbezogen und keine genauen Ursache-Wirkungs-Beziehungen bekannt sind [Puls13a].

Nach Schätzungen des Instituts für deutsche Wirtschaft Köln (IW) belaufen sich die externen Kosten des Straßenverkehrs in Deutschland im Jahr 2010 auf rund 36 Milliarden Euro. Das Institut hatte 2005 bei identischem Vorgehen noch knapp 42 Milliarden Euro externe Kosten datiert. Somit sind die externen Kosten des Straßenverkehrs in Deutschland rückläufig. Der größte Rückgang ist hierbei bei den Luftverschmutzungskosten zu verzeichnen, die nach der Studie zwischen 2005 und 2010 um fast 30 Prozent gefallen sind. Nicht mit eingerechnet sind hierbei die aufkommenden Staukosten, die je nach Berechnungsmethode auf Beträge zwischen 19,6 und 223,6 Milliarden Euro geschätzt werden [Puls08]. Nach einem Forschungsprojekt der Uni Kassel entfällt der größte Anteil der gesamten externen Kosten mit 44 bis 57 Prozent auf Unfallkosten und der geringste Anteil auf Kosten durch Lärmbelastung (4 bis 9 Prozent) [InVe18 ].
Eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene stellt ein wesentliches Instrumentarium zur Reduzierung der Umweltwirkung des Güterverkehrs dar. Das Umweltbundesamt berechnet in diesem Zusammenhang die Umweltkosten eines schweren Diesel-Lkw mit ca. 2,4 Cent pro Tonnenkilometer, die Kosten für einen elektrisch betriebenen Güterzug mit nur 0,3 Cent pro Tonnenkilometer [Uba12h, S.27].
Eine Studie der INFRAS und der Allianz pro Schiene aus dem Jahr 2019 verdeutlicht, dass trotz rückläufiger Werte der größte Teil der externen Kosten des Verkehrs in Deutschland durch den Straßenverkehr verursacht wird. Während von den insgesamt 149 Mrd. Euro externe Kosten im Jahr 2017 fast 95 Prozent auf den Straßenverkehr zurückzuführen sind, wurden lediglich 3,8 Prozent vom Schienenverkehr und knapp 1 Prozent vom Binnenschiff- sowie Luftverkehr verursacht. Wird der Fokus auf den Güterverkehr gelegt, so liegt auch hier der Straßenverkehr vorne, wie die Abbildung 1 zeigt. Die größten Kosten fallen hierbei durch Emissionen von Treibhausgasen und der daraus folgenden Klimaveränderung an sowie durch Folgekosten bezüglich vor- und nachgelagerten Prozessen, z.B. im Hinblick auf Fahrzeuge und Infrastruktur. Im Eisenbahngüterverkehr ist neben den Klimakosten der Anteil der Lärmkosten hoch, beim Binnenschiff hingegen die Kosten infolge der Emissionen von Luftschadstoffen [INFR19]. 
Externe Kosten im Güterverkehr in Deutschland im Jahr 2017Abb. 1: Externe Kosten im Güterverkehr in Deutschland im Jahr 2017 [INFR19]

Im Folgenden werden verschiedene Arten von Auswirkungen des Güterverkehrs vorgestellt und diskutiert. Diese sind im Detail:

1. Infrastrukturschäden
2. Lärmbelastungen
3. Flächenbedarf und Trennwirkung
4. Schadstoffemissionen
5. Beeinträchtigungen des Verkehrsablaufes
6. Unfallproblematik
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 06.01.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[INFR19] Bieler, Cuno , Sutter, Daniel Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland: Straßen-, Schienen-, Luft- und Binnenschiffverkehr 2017 - Schlussbericht
, 2019/08/21
[InVe18] Internationales Verkehrswesen - das technsich wissenschaftliche Fachmagazin (Hrsg.) Studie: Autoverkehr kostet Kommunen das Dreifache des ÖPNV, 2018/02
[Puls08] Puls, Thomas Externe Kosten - Wahrheit und Legende, 2008/09
[Puls13a] Puls, Thomas Externe Kosten des Straßenverkehrs in Deutschland, 2013/06
[Uba12h] Dr. Schwermer, Sylvia METHODENKONVENTION 2.0 ZUR SCHÄTZUNG VON UMWELTKOSTEN, 2012/08
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Treibhausgase Diese in der Atmosphäre sich befindlichen Gase verhindern, dass langwellige Infrarotstrahlung auf direktem Weg von der Erdoberfläche ins Weltall gelangt. Sie verhalten sich wie Glasscheiben eines Treibhauses und heizen die Atmosphäre auf. Natürliche Treibhausgase:
  • Wasserdampf
  • Kohlendioxid
  • Ozon
  • Methan
  • Stickoxid
Vom Menschen gemachte Treibhausgase:
  • FKW
  • HFKW
  • FCKW
  • SF6
tkm tkm = Tonnenkilometer Die Einheit Tonnenkilometer [tkm] beschreibt die im Rahmen einer Güterbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Gütermenge (Summe der beförderten Güter in Tonnen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km. Verkehrsarbeit [tkm] = Gütermenge [t] * Wegstrecke [km]
Externe Kosten Kosten, die nicht vom eigentlichen Verursacher, sondern von der Allgemeinheit getragen werden und deshalb nicht in den Marktpreisen enthalten sind, werden als externe Kosten bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?288587

Gedruckt am Dienstag, 16. August 2022 18:39:43