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Verkehrsprognose 2025

Erstellt am: 20.08.2008 | Stand des Wissens: 30.04.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Studie analysiert und prognostiziert die deutschlandweite Verkehrsverflechtung in Form von verkehrsträgerübergreifenden Quelle-Ziel-Matrizen des Güter- und Personenverkehrs für das Basisjahr 2004 und den Prognosehorizont 2025. Auf Basis der gefundenen Ergebnisse werden die durch den Verkehr erzeugten Treibhausgasemissionen prognostiziert. Betrachtet werden die Verflechtungsmatrizen
  • des Straßenverkehrs,
  • des Eisenbahnverkehrs,
  • der Binnenschifffahrt und
  • des Luftverkehrs [BVU07, S. 1].
Bei der Binnenschifffahrt wird lediglich der Güterverkehr berücksichtigt, im Straßenpersonenverkehr erfolgt eine Unterscheidung zwischen öffentlichem und Individualverkehr. Die räumliche Differenzierung erfolgt innerhalb Deutschlands nach den 439 Stadt- und Landkreisen. Außerhalb Deutschlands wurde mit zunehmender Entfernung höher aggregiert. Seehäfen und Flughäfen sowie weitere singuläre Aufkommensschwerpunkte wurden als "eigene Regionen" berücksichtigt [BVU07, S. 1].
Bei den sozio-demographischen Rahmenbedingungen wird von einem Rückgang der Einwohnerzahlen von 82,5 Mio. im Jahr 2004 auf 81,7 Mio. im Jahr 2025 ausgegangen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren wird um 16 % sinken, die fahrfähige Bevölkerung hingegen um 2 % steigen. Die Zahl der Einwohner im Alter von 18 bis 60 Jahren nimmt um 8 % ab, die der über 60-jährigen steigt um 26 %. Die Zahl der Schüler sinkt im Prognosezeitraum um 19 %, die Zahl der Studenten hingegen nimmt um 15 % zu. Die für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedeutsame Zahl aller Auszubildenden wird um 14 % zurückgehen. Bedingt durch die weitere Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße wird die Zahl der Haushalte trotz rückläufiger Einwohnerzahl um 4 % zunehmen [BVU07, S. 1].
Die reale Bruttowertschöpfung wird zwischen 2004 und 2025 im Jahresschnitt um 1,7 % wachsen. Dies führt zu einem Pro-Kopf-Anstieg von 1,8 %. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität wird um 1,7 % pro Jahr zunehmen. Die Erwerbstätigenzahl steigt im gesamten Betrachtungszeitraum um 1 % [BVU07, S. 2].
Die Projekte des vordringlichen Bedarfs des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2003 wurden als "bis 2025 realisiert" angenommen. Für den Eisenbahnverkehr wurden spürbare Fahrzeit- und Transportzeitverkürzungen sowie im Eisenbahngüterverkehr ein bedarfsgerechter Ausbau der Infrastruktur des Kombinierten Verkehrs und Produktivitätsverbesserungen zu Grunde gelegt. Die Prognose zum Luftverkehr basiert auf der Annahme, dass es zu einem nachfragegerechten Ausbau der Start-/Lande- und Terminalkapazitäten kommt [BVU07, S. 2].
Für die Verkehrsmittelnutzerkosten des Personenverkehrs wurde mit Ausnahme des Luftverkehrs ein Anstieg um real 1 % pro Jahr angenommen. Für den Luftverkehr wird eine reale Konstanz der Verkehrsmittelnutzerkosten unterstellt. Die Verkehrsmittelnutzerkosten des Güterverkehrs werden aufgrund der zu erwartenden Produktivitätsfortschritte zurückgehen. Für die Straße und Schiene wird ein Rückgang von 8 % und für die Binnenschifffahrt von 30 % angenommen.
Die Pkw-Dichte erhöht sich bis 2025 von 671 auf 737 Pkw pro 1.000 Einwohner. Der Pkw-Bestand steigt von 45,4 Mio. auf 51,1 Mio. Fahrzeuge [BVU07, S. 3].
Das Verkehrsaufkommen des Personenverkehrs wächst zwischen 2004 und 2025 von 100,3 Mrd. auf 103,1 Mrd. Fahrten um insgesamt 2,7 %. Die Verkehrsleistung steigt aufgrund des überproportional wachsenden Fernverkehrs und steigender Fahrtweiten von 1.161 Mrd. Pkm in 2004 auf 1.368 Mrd. Pkm im Jahr 2025 um 17,9 %. Das Wachstum des motorisierten Verkehrs alleine wird sich auf 19,4 % oder durchschnittlich 0,8 % pro Jahr belaufen.
Tabelle 1 gibt die vollständigen Prognosedaten des Personenverkehrs wieder. Dem angegebenen Verkehrsaufkommen des Personenverkehrs bzw. der Verkehrsleistung liegt das Inlandsprinzip (oder Territorialprinzip) zu Grunde [BVU07, S. 3].
Prognosedaten 2025 des PersonenverkehrsTab. 1: Prognosedaten 2025 des Personenverkehrs [BVU07, S. 4]
Zwischen den Bundesländern schwankt die Entwicklung aufgrund der unterschiedlichen demographischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich. Das motorisierte Verkehrsaufkommen wird in Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen überproportional wachsen. Das Verkehrsaufkommen in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein entwickelt sich etwa wie im Durchschnitt. Ein unterdurchschnittliches Wachstum wird für Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Brandenburg erwartet. In den Bundesländern Bremen, Sachsen, Thüringen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nimmt der Verkehr ab [BVU07, S. 9].
Die CO2-Emissionen nehmen für den gesamten Verkehr um über 9 % gegenüber dem Stand von 2004 ab. Die Entwicklung zwischen den Verkehrsträgern verläuft dabei nicht einheitlich. Tabelle 2 zeigt die Entwicklung der CO2-Emissionen im Prognosezeitraum auf [BVU07, S. 15].
Entwicklung der direkten CO2-Emissionen aller Verkehrsträger (in den Definitionen nach dem Kyoto-Protokoll) Tab. 2: Entwicklung der direkten CO2-Emissionen aller Verkehrsträger (in den Definitionen nach dem Kyoto-Protokoll) [BVU07, S. 15]
Im Bereich des Straßenverkehrs werden die sinkenden Emissionen des Pkw-Verkehrs durch den Anstieg der Emissionen der Güterverkehrsfahrzeuge gedämpft. Beim direkten CO2-Ausstoß des Schienenverkehrs werden nur die Emissionen von dieselbetriebenen Fahrzeugen erfasst. Diese sinken aufgrund des verminderten Einsatzes dieser Traktionsart stark um 23 %. Für die CO2-Emissionen des Luftverkehrs wird nach der für das Kyoto-Monitoring verwendeten Definition ein Zuwachs von 56 % erwartet [BVU07, S. 15].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Literatur
[BVU07] BVU Beratergruppe Verkehr+Umwelt GmbH, Intraplan Consult GmbH, o. V. Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025, München/Freiburg, 2007/11/14
Glossar
Personenkilometer
Die Einheit Personenkilometer [Pkm] beschreibt die im Rahmen einer Personenbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Verkehrsmenge (Summe der beförderten Personen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km.
Verkehrsarbeit [Pkm] = Verkehrsmenge [P] * Wegstrecke [km]
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Bundesverkehrswegeplan Als Instrument einer mittel- bis langfristigen Investitionsrahmenplanung für den Erhalt und Ersatz bundeseigener Verkehrsinfrastruktur erfasst der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) das zwecks zielgerichteter Ausgestaltung sowie Erweiterung von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Schienenwegen des Bundes erforderliche Finanzierungsvolumen. Auf Basis verkehrsträgerübergreifender Prognosen findet in diesem Zusammenhang eine Priorisierung vorgesehener Neu- und Ausbauprojekte gemäß ihrer gesamtwirtschaftlichen Bewertung sowie ökologischer und raumordnerischer Einschätzungen statt. Grundsätzlich wird infolgedessen zwischen "vordinglichem Bedarf" (VB) und "weiterem Bedarf" (WB) unterschieden. Der BVWP tritt auf Beschluss des Bundeskabinetts in Kraft und umfasst jeweils einen Zeithorizont von ca. 10 bis 15 Jahren. Seit 1973 sind bereits fünf konsekutive Verkehrswegepläne verabschiedet worden. Der letzten, dem Jahr 2003 entstammenden Fortschreibung liegt ein Planungszeitraum bis 2015 und ein Investitionsvolumen i. H. v. 150 Mrd. EUR zugrunde.
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. Eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?275104

Gedruckt am Donnerstag, 18. Juli 2019 05:32:07