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Einordnung des betrieblichen Mobilitätsmanagements

Erstellt am: 11.12.2007 | Stand des Wissens: 29.08.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die definitorischen Auf- und Eingliederungen zum Betrieblichen Mobilitätsmanagement (BMM) orientieren sich stark am übergeordneten Begriff des Mobilitätsmanagements. Mobilitätsmanagement ist als strategisches Planungsinstrument ein wichtiger Bestandteil der integrierten Verkehrsentwicklungsplanung (VEP) und des Sustainable Urban Mobility Plans (SUMP) [ILS2012, S. 30]. Nach [LWFB03] unterteilt sich Mobilitätsmanagement in eine strategische Handlungsebene (Gebietskörperschaften) und eine Maßnahmenebene.

Während auf der übergeordneten strategischen Handlungsebene die Voraussetzungen für Mobilitätsmanagement geschaffen und Mobilitätsmanagementaktivitäten initiiert werden [vgl. Lou13, S.13 ; BMVBW04a, S.47], erfolgt auf der Maßnahmenebene die Entwicklung spezieller Maßnahmenpakete für die einzelnen Zielgruppen und Standorte. Hinsichtlich der Vorgehensweise und der vorhandenen Rahmenbedingungen lassen sich auf der Maßnahmenebene folgende Mobilitätsmanagementansätze unterscheiden:
  •     Mobilitätsberatung und Mobilitätszentralen
  •     standortbezogenes Mobilitätsmanagement, zum Beispiel betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM)
  •     zielgruppenspezifisches Mobilitätsmanagement, zum Beispiel Neubürgermarketing [vgl. Lou13, S. 12].
Die strategische Verknüpfung aller Handlungsfelder (siehe Abbildung 1) führt übergeordnet zu umfassenden kommunalen Mobilitätsmanagementkonzepten (vgl. [Lou13, S. 12]).

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Abbildung 1: Handlungsfelder des Mobilitätsmanagements [vgl. LWFB03, S. 58]
Im Vergleich zur Mobilitätsberatung, der Arbeit von Mobilitätszentralen oder Kampagnen, die nicht auf einen Standort begrenzt sind, umfassen Mobilitätskonzepte für Betriebe, für Krankenhäuser, ebenso wie für Schulen, Freizeitgroßeinrichtungen oder Wohnquartiere auf den Standort zugeschnittene Maßnahmen (vgl. [ILSDP07], S. 31).
Mehr Informationen zum Mobilitätsmanagement finden Sie hier im Forschungs-Informations-System Mobilität und Verkehr in der Wissenslandkarte "Mobilitätsmanagement". Gegenüber anderen Handlungsfeldern des Mobilitätsmanagements weist das BMM folgende Besonderheiten auf [vgl. BMVBW04a, S. 53]:
  • klare Abgrenzung und Überschaubarkeit der Zielgruppe,
  • Vorhandensein bestimmter Kommunikationsstrukturen und -mittel innerhalb des Unternehmens,
  • hohe Verbindlichkeit der Maßnahmen,
  • überschaubares Verkehrsgeschehen
    • Start- bzw. Zielpunkt der Verkehrsnachfrage stimmen überein,
    • die Standorte werden in der Regel jeden Tag zur annähernd gleichen Zeit aufgesucht,
  • geringerer Abstimmungsaufwand innerhalb des Betriebes,
  • örtliche Problemlage bestimmt Maßnahmenentwicklung.

Eine bessere Koordinierung der Verkehrsströme könnte besonders im Berufsverkehr zur Entlastung der Verkehrsinfrastrukturen führen. Bei den Betrieben muss allerdings zunächst ein Bewusstsein für das von ihnen erzeugte Verkehrsaufkommen und die Möglichkeiten des Mobilitätsmanagements geschaffen werden.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) (Stand des Wissens: 30.08.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?488524
Literatur
[BMVBW04a] Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr, RWTH Aachen, IVV-Ingenieurgruppe für Verkehrswesen und Verfahrensentwicklung Mobilitätsmanagement - Ziele, Konzepte und Umsetzungsstrategien, veröffentlicht in direkt, Ausgabe/Auflage Heft 58, Wirtschaftsverlag NW, 27564 Bremerhaven, 2004/04, ISBN/ISSN 3-86509-100-8
[ILS2012] Mechtild Stiewe, Ulrike Reutter (Hrsg.) Mobilitätsmanagement
Wissenschaftliche Grundlagen und Wirkungen in der Praxis, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Klartext Verlag, Essen, 2012/08, ISBN/ISSN 978-3-8375-0474-3
[ILSDP07] Müller, Guido, Steinberg, Gernot, Happel, Till, Holz-Rau , Christian , Prof. Dr.-Ing., Kemming, Herbert, Dr., Nickel, Wolfgang, Stiewe, Mechtild, Dipl.-Ing. Weiterentwicklung von Produkten, Prozessen und Rahmenbedingungen des betrieblichen Mobilitätsmanagements durch eine stärkere Systematisierung, Differenzierung und Standardisierung, 2007/08
[Lou13] Conny Louen Wirkungsabschätzung von Mobilitätsmanagement
Ansatzpunkte zur Modellierung & Ableitung von Potentialen und Wirkungen am Beispiel des betrieblichen Mobilitätsmanagements, 2013/11, ISBN/ISSN 978-3-88354-166-2
[LWFB03] Beckmann, Klaus, Finke, Timo, Krug, Stephan, Langweg, Armin, Meinhard, Dirk, Witte, Andreas Mobilitätsmanagement in Deutschland und im Ausland, Stand von Theorie und Praxis, Aachen, 2003, ISBN/ISSN 3-88354-145-1
Glossar
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?245372

Gedruckt am Samstag, 19. September 2020 14:25:41