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Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf die Befahrbarkeit von Verkehrsanlagen - Technische Fragestellungen und Bemessungsfahrzeuge

Erstellt am: 02.10.2007 | Stand des Wissens: 21.06.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Um die Frage zu klären, ob die zur Diskussion stehenden Lastzugkombinationen aufgrund ihrer größeren Länge und Anordnung der Knickpunkte in der Lage sind, die heutigen Verkehrsanlagen - im Wesentlichen Kreuzungen und Einmündungen sowie Kreisverkehre - zu befahren, hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersucht, wie groß der zusätzliche Flächenbedarf der neuen Lastzugkombinationen im Vergleich zu herkömmlichen Lastzügen ist.
Voraussetzung für die Zulassung von Kraftfahrzeugen ist unter anderem die Einhaltung des Wendekreises (der sogenannte ,,BO-Kraftkreis", der seinen Ursprung in der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) hat) [Paragraf 32d StVZO], wonach Kraftfahrzeuge bei einer Kreisfahrt von 360 Grad mit einem Außenradius von 12,50 Meter eine Ringfläche von 7,20 Meter Breite nicht überschreiten dürfen beziehungsweise ein Innenkreis mit 5,20 Meter Radius nicht überstrichen werden darf [BASt07c, S. 62f.].

Da das Kurvenlaufverhalten von Lastzugkombinationen entscheidend durch die Anordnung der Knickpunkte sowie Länge und Überhänge der einzelnen Fahrzeugelemente beeinflusst wird, wurden in der besagten Studie vier verschiedene Varianten von längeren Lastzugkombinationen betrachtet.
Es zeigte sich, dass keine dieser Varianten in der Lage war, den BO-Kraftkreis einzuhalten. Gelenkte Achsen oder Dollys sollen dabei Abhilfe schaffen, sodass die Einhaltung des BO-Kraftkreises bei Fahrzeugen mit einer Gesamtlänge bis zu 25 Metern Länge gewährleistet werden kann [BASt07c, S. 62 f.].
Prinzipieller Vergleich zwischen einer Befahrung des BO Kraftkreises und eines Kreisverkehres mit der LastzugkombinationAbb. 1: schematische Darstellung zum Vergleich zwischen einer Befahrung des BO Kraftkreises und eines Kreisverkehres mit der abgebildeten Lastzugkombination [BASt07c, S. 63] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Nach Aussage der BASt-Studie ist die Einhaltung des BO-Kraftkreises jedoch nur ein Anhaltspunkt darüber, ob und in welchem Maße die Flächeninanspruchnahme neuer Lastzugkombinationen den in der Praxis zur Verfügung stehenden Raum im Straßenraum ausnutzen oder übersteigen werden. Zudem könne aus der Befahrung des BO-Kraftkreises nicht auf den Flächenbedarf bei der Befahrung eines Kreisverkehres mit drei aufeinanderfolgenden Richtungswechseln geschlossen werden [BASt07c].

Für weiterführende Aussagen zu den Kurvenlaufeigenschaften die längeren Fahrzeuge und deren Möglichkeit der Befahrbarkeit von Straßenverkehrsanlagen durch diese Fahrzeuge treffen zu können, wurden innerhalb des Forschungsvorhabens "Ermittlung von Schleppkurven von neuartigen Lastzugkombinationen" neue Schleppkurven für vier Lastzugkombinationsvarianten berechnet. Die Berechnungen lehnen sich an die vorliegenden Schleppkurvenschablonen der bisherigen Bemessungsfahrzeuge der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV) an [FGSV01b]. Zudem wurden verschiedene Straßenelemente mit einer Lastzugkombination mit Nachlauflenkachse befahren und die Schleppkurven eingemessen. Anschließend wurden dieselben Straßenelemente mittels Simulation getestet mit dem Ziel, die Ergebnisse beider Verfahren zu vergleichen beziehungsweise zu validieren und zu prüfen [BASt07c, S. 63 f.].
Die untersuchten Lastzugkombinationen nehmen aufgrund der größeren Längen und den zum Teil zusätzlichen Knickpunkten deutlich mehr Flächen auf der Kurveninnenseite in Anspruch als die Bemessungsfahrzeuge. Zudem könne auf der Kurvenaußenseite, je nach Variante, größere Flächen benötigt werden, wie zum Beispiel bei der nachfolgenden Variante (Sattelzug mit längerem Fahrzeugheck) [BASt07c, S. 64].
Lastzukombination Schleppkurve_236971.pngAbb. 2: Beispielhafter Vergleich der Schleppkurve eines Sattelzugs (grau) und eines Types von Lang-Lkw (Sattelzug mit zusätzlichem Anhänger) bei einem Richtungsänderungswinkel von 160 gon (Winkel: 144 Grad) [BASt07c, S. 69] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
 
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf die Befahrbarkeit von Verkehrsanlagen (Stand des Wissens: 08.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?232959
Literatur
[BASt07c] Glaeser, Klaus-Peter, Dr. , Kaschner, Rolf , Lerner, Markus , Roder, Kurt , Weber, Roland , Wolf, Andreas , Zander, Ulf , Weber, Roland, Dr.-Ing. Auswirkungen von neuen Fahrzeugkonzepten auf die Infrastruktur des Bundesfernstraßennetzes, Ausgabe/Auflage Schlussbericht, Langfassung (2. Auflage), 2006/11
[FGSV01b] Schnüll, R., Prof. Dr.-Ing. Bemessungsfahrzeuge und Schleppkurven zur Überprüfung der Befahrbarkeit von Verkehrsflächen, Ausgabe/Auflage [FGSV-Nr. 287], 2001
Rechtsvorschriften
[StVZO] Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?236971

Gedruckt am Sonntag, 25. August 2019 03:15:59