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Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf die Befahrbarkeit von Verkehrsanlagen - Technische Fragestellungen und Bemessungsfahrzeuge

Erstellt am: 02.10.2007 | Stand des Wissens: 20.06.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Um die Frage zu klären, ob die zur Diskussion stehenden Lastzugkombinationen aufgrund ihrer größeren Länge und Anordnung der Knickpunkte in der Lage sind, die heutigen Verkehrsanlagen - im Wesentlichen Kreuzungen und Einmündungen sowie Kreisverkehre - zu befahren, hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersucht, wie groß der zusätzliche Flächenbedarf der neuen Lastzugkombinationen im Vergleich zu herkömmlichen Lastzügen ist.
Voraussetzung für die Zulassung von Kraftfahrzeugen ist unter anderem die Einhaltung des Wendekreises (der sogenannte ,,BO-Kraftkreis", der seinen Ursprung in der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) hat) [Paragraph 32d StVZO], wonach Kraftfahrzeuge bei einer Kreisfahrt von 360 Grad mit einem Außenradius von 12,50 Meter eine Ringfläche von 7,20 Meter Breite nicht überschreiten dürfen beziehungsweise ein Innenkreis mit 5,20 Meter Radius nicht überstrichen werden darf [BASt07c].

Da das Kurvenlaufverhalten von Lastzugkombinationen entscheidend durch die Anordnung der Knickpunkte sowie Länge und Überhänge der einzelnen Fahrzeugelemente beeinflusst wird, wurden in der besagten Studie vier verschiedene Varianten von längeren Lastzugkombinationen betrachtet.
Es zeigte sich, dass keine dieser Varianten in der Lage war, den BO-Kraftkreis einzuhalten. Inzwischen sind jedoch gelenkte Achsen oder Dollys auf dem Markt, die die Einhaltung des BO-Kraftkreises gewährleisten [Abb.1 BASt07c].
Prinzipieller Vergleich zwischen einer Befahrung des BO Kraftkreises und eines Kreisverkehres mit der LastzugkombinationAbb. 1: Prinzipieller Vergleich zwischen einer Befahrung des BO Kraftkreises und eines Kreis-verkehres mit der Lastzugkombination [BASt07c] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Nach Aussage der BASt-Studie gibt die Einhaltung (beziehungsweise Nicht-Einhaltung) des BO-Kraftkreises jedoch nur unzureichende Informationen darüber, ob und in welchem Maße die Flächeninanspruchnahme neuer Lastzugkombinationen die in der Praxis vorkommenden Trassierungsparameter für Straßen übersteigen. Zudem könne aus der Befahrung des BO-Kraftkreises nicht auf den Flächenbedarf bei der Befahrung eines Kreisverkehres mit drei aufeinanderfolgenden Richtungswechseln geschlossen werden [BASt07c].

Um bessere Aussagen zu den Kurvenlaufeigenschaften und damit zu der Befahrbarkeit von Straßenverkehrsanlagen durch diese Fahrzeuge treffen zu können, wurden innerhalb des Forschungsvorhabens "Ermittlung von Schleppkurven von neuartigen Lastzugkombinationen" in Anlehnung an die vorliegenden Schleppkurvenschablonen der bisherigen Bemessungsfahrzeuge der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV) [FGSV01b] neue Schleppkurven für die vier Lastzugkombinationsvarianten berechnet. Zudem wurden verschiedene Straßenelemente mit einer Lastzugkombination mit Nachlauflenkachse befahren und die Schleppkurven eingemessen. Anschließend wurden dieselben Straßenelemente mittels Simulation getestet mit dem Ziel, die Ergebnisse beider Verfahren zu vergleichen beziehungsweise zu validieren und zu prüfen. Dabei hat sich herausgestellt, dass "die Schleppkurvenberechnung mittels Simulation im Wesentlichen dieselben Ergebnisse liefert wie die reale Befahrung in den Messfahrten" [BASt07c].
Die untersuchten Lastzugkombinationen nehmen aufgrund der größeren Längen und den zum Teil zusätzlichen Knickpunkten deutlich mehr Flächen auf der Kurveninnenseite in Anspruch als die Bemessungsfahrzeuge. Auch auf der Kurvenaußenseite können, je nach Variante, größere Flächen benötigt werden, wie zum Beispiel bei der nachfolgenden Variante (Sattelzug mit längerem Fahrzeugheck) [BASt07c].
Vergleich Sattelzug mit der LastzugkombinationAbb. 2: Vergleich Sattelzug (grau) mit der Lastzugkombination (dunkelgrau) für einen Richtungsänderungswinkel von 160 gon [BaSt07c] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
 
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Literatur
[BASt07c] Glaeser, Klaus-Peter, Dr. , Kaschner, Rolf , Lerner, Markus , Roder, Kurt , Weber, Roland , Wolf, Andreas , Zander, Ulf , Weber, Roland, Dr.-Ing. Auswirkungen von neuen Fahrzeugkonzepten auf die Infrastruktur des Bundesfernstraßennetzes, Ausgabe/Auflage Schlussbericht, Langfassung (2. Auflage), 2006/11
[FGSV01b] Schnüll, R., Prof. Dr.-Ing. Bemessungsfahrzeuge und Schleppkurven zur Überprüfung der Befahrbarkeit von Verkehrsflächen, Ausgabe/Auflage [FGSV-Nr. 287], 2001
Rechtsvorschriften
[StVZO] Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)
Glossar
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?236971

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 21:45:32