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Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf die Befahrbarkeit von Rastplätzen

Erstellt am: 02.10.2007 | Stand des Wissens: 27.03.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die Fahrer von Lastzugkombinationen müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einhalten. In der Regel sind jedoch die heutigen Lkw-Stellplätze an Rastanlagen zu kurz und es stehen bislang nur vereinzelt Parkstände für überlange Fahrzeuge zur Verfügung (zum Beispiel extra Parkstände für Schwertransporte oder mehrere hintereinander liegende Längsparkstände). Die Bereitstellung von regulären Stellplätzen für Lastzugkombinationen wäre aber bei einem flächendeckenden Einsatz dieser Fahrzeuge unabdingbar, da sonst die Zufahrtsbereiche und Fahrgassen als Stellplatz mitbenutzt werden müssten, was allerdings aus Sicherheitsgründen und Gründen des Betriebsablaufs unbedingt vermieden werden sollte.

Gemäß den Richtlinien für Rastanlagen an Straßen, soll der Abstand zwischen den 6,50 Meter breiten Fahrgassen bei Schrägaufstellung von 50 gon mindestens 18 Meter betragen. Dementsprechend müsste der Abstand zwischen den Fahrgassen vergrößert werden beziehungsweise bei bereits bestehenden Anlagen mit 18 Meter auseinanderliegenden Fahrgassen ein deutlich geringerer Aufstellwinkel (< 40 gon) markiert werden. Jedoch müssten bei einem Aufstellwinkel von 40 gon auch die Parkstände breiter ausgeführt werden, damit die beiden gezeigten Varianten der Lastzugkombinationen nicht die benachbarten Parkstände überfahren müssten.

Die Befürworter der Lastzugkombinationen verweisen darauf, dass bereits heute die Parkplätze für Lkw an Autobahnrastanlagen nicht ausreichen. Um die Engpässe zu beheben - auch in Anbetracht des stark zunehmenden Güterverkehrs auf den Straßen - müsse der Bund ohnehin dringend neue Parkanlagen bauen, für die dann die Abmessungen der EuroCombi berücksichtigt werden sollten [VDA06a; BGA06a]. Die Überfüllung der Rastanlagen bestätigt auch die Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), wonach in einer Untersuchung eine mittlere Auslastung von 180 Prozent bei Nacht ermittelt wurde [BASt07c]. Die Lkw-Parkflächen werden stetig ausgebaut, was eine Erhebung aus dem Jahr 2008 darstellt. Diese ergab eine Zahl von 46.400 Lkw-Parkständen. Die darauf folgende Erhebung aus dem Jahr 2013 ergab einen Stand von 71.350 Lkw-Parkplätzen. Im Gegensatz dazu verdeutlicht die Studie, dass trotz des Ausbaus der Lkw-Parkplatzkapazitäten, weiterhin 10.490 Lkw-Parkflächen benötigt wurden. [BMVI16n]

Eine Lösungsmöglichkeit des Stellplatzproblems wird in telematisch gesteuerten Lkw-Parkplätzen gesehen. Durch intelligentes Stellplatzmanagement mit Hilfe der Telematik kann zum Beispiel die Kapazität durch Lkw-Kolonnenparkstände erhöht werden. Dieses interessante Thema soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter vertieft werden, siehe dazu zum Beispiel [BrMa07], [BrMa06] oder [BrFo05]. Werden für Lastzugkombinationen keine Stellplätze zur Verfügung gestellt, so müssen die Fahrzeuge mit zwei Fahrern im Wechselbetrieb besetzt sein. Alternativ schlägt der BGA vor, Lastzugkombinationen vorerst nur als Punkt-zu-Punkt-Verkehre auf mittellangen Strecken zuzulassen, wie derzeit in den laufenden Modellversuchen praktiziert wird [BGA06a].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Literatur
[BASt07c] Glaeser, Klaus-Peter, Dr. , Kaschner, Rolf , Lerner, Markus , Roder, Kurt , Weber, Roland , Wolf, Andreas , Zander, Ulf , Weber, Roland, Dr.-Ing. Auswirkungen von neuen Fahrzeugkonzepten auf die Infrastruktur des Bundesfernstraßennetzes, Ausgabe/Auflage Schlussbericht, Langfassung (2. Auflage), 2006/11
[BGA06a] BGA Das Europäische Modulare System (EMS) - BGA-Positionspapier, Ausgabe/Auflage BGA-Position Nr. 3/2006, 2006
[BMVI16n] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Nebenbetriebe / Rastanlagen, 2016/12/19
[BrFo05] Breßler, Dierk, Dipl.-Ing. (FH), Follmann, Jürgen, Dr.-Ing. Kolonnenparken für Lkw auf Rastanlagen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage Heft Nr. 10 /2005, Kirschbaum Verlag GmbH, Bonn, 2005/10
[BrMa06] Breßler, Andrea, Dr.-Ing., Manns, Klaus, Dr.-Ing. Telematisch gesteuertes Lkw-Parken auf Tank- und Rastanlagen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage Heft 7/2006, Kirschbaum Verlag GmbH, Bonn, 2006/07
[BrMa07] Breßler, Andrea, Dr.-Ing., Manns, Klaus, Dr.-Ing., Pilotanlage für telematisch gesteuertes Lkw-Parken an der Tank- und Rastanlage Montabaur - Erfahrungsbericht, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage Nr. 6 2007, Kirschbaum Verlag GmbH, Bonn, 2007/06
[VDA06a] VDA EuroCombi: Mehr Güter - Weniger Verkehr, 2006
Rechtsvorschriften
[RR1´81] Richtlinien für Rastanlagen an Straßen
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen
Telematik Der Begriff Telematik ist aus den Worten Telekommunikation und Informatik zusammengesetzt und bezeichnet Technologien, die Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik miteinander verknüpfen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?236947

Gedruckt am Sonntag, 19. Mai 2019 14:23:46