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Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf den Verkehrsablauf an Knotenpunkten

Erstellt am: 09.08.2007 | Stand des Wissens: 29.06.2020
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die größeren Fahrzeuglängen von neuen Lastzugkombinationen mit bis zu 25,25 Metern Gesamtlänge führen dazu, dass solche Fahrzeuge bei einem mittleren Beschleunigungswert von 0,5 Metern pro Sekunde Quadrat über eine Sekunde länger als ein Gliederzug mit 18,75 Metern benötigen, um die Konfliktfläche einer Kreuzung mit einem Fahrstreifen je Zufahrt zu räumen [BASt07c, S. 90]. Daraus resultieren vor allem an Einmündungen und Kreuzungen im nachgeordneten Straßennetz Auswirkungen auf den Verkehrsablauf, wobei die Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zwischen signalisierten und nicht signalisierten Knoten unterscheidet [BASt07c, S. 89f.].

Legt man die für Lastzüge ermittelten Grenzzeitlücken zugrunde, so käme es an nicht signalisierten plangleichen Knoten aufgrund der oben beschriebenen längeren Räumzeiten beim Einbiegen und Kreuzen vermehrt zu Situationen, in denen bevorrechtigte Kraftfahrzeuge abbremsen müssten, um einen Zusammenstoß mit einbiegenden oder kreuzenden Lastzugkombinationen zu vermeiden. Dies hätte vor allem negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Damit Fahrzeuge im bevorrechtigten Hauptstrom durch Lastzugkombinationen nicht gestört werden, müssten Letztere entsprechend längere Zeitlücken im Hauptstrom abwarten. Dies hätte zur Folge, dass die Kapazität im nachgeordneten Strom gesenkt würde [BASt07c, S. 90].

An lichtsignalgeregelten Kreuzungen oder Einmündungen kann die Problematik hinsichtlich der Verkehrssicherheit mit Abstimmung der Lichtsignalsteuerung an die längeren Räumzeiten angepasst werden [BASt07c, S. 89f.]. Jedoch müssten in diesem Fall auch bei geringen Anteilen von Lastzugkombinationen die längeren Räumzeiten (durch eine Erhöhung der Zwischenzeiten) berücksichtigt werden, was jedoch zu kleineren Freigabezeitanteilen und somit einer merkbaren Leistungsminderung führen würde [BASt07c, S. 89f.].

Sollten längere Räumzeiten an signalisierten Knotenpunkten nicht berücksichtigt werden, so könnte es zu vermehrten Konfliktsituationen innerhalb der Konfliktfläche kommen, so zum Beispiel mit querenden Fußgängern [AlBa12, S. 45f.]. Zur Lösung könnten auf den betroffenen Streckenabschnitten Ankündigungssignale ("Vorampeln") eingesetzt werden, die den Fahrern von Lastzugkombinationen ein rechtzeitiges Abbremsen und Anhalten beim Umschalten der Signalgeber (von Grün auf Rot) ermöglichen würden. Eine andere Möglichkeit wäre die Installation von "Countdown-" oder Restfreigabezeit-Anzeigen [AlBa12, S. 46]. Hierbei könnte der Fahrer der Lastzugkombination ein Einfahren in den Konfliktbereich bei "Gelb" vermeiden, sodass die normale Räumzeit für die Bemessung der Signalsteuerung ausreicht.
Zu den nicht-signalisierten, innerstädtischen Knotenpunkten zählen vor allem Kreisverkehre. Hier ist festzuhalten, dass je nach Konfiguration des Fahrzeugs (Sattelzug mit Auflieger, Sattelzug mit Auflieger und Anhänger, Gliederzug ohne Anhänger, Gliederzug mit Anhänger etc.) ein unterschiedlich gutes Passieren von Knotenpunkten in den vorhandenen Fahrbahnbereichen möglich ist [BASt14, S. 15f.].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Auswirkungen von Lastzugkombinationen auf den Verkehrsablauf (Stand des Wissens: 29.06.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?233396
Literatur
[AlBa12] Bundesanstalt für Straßenwesen, Alrutz, Dankmar , Bachmann, Carola , Rudert,Juliane Verbesserung der Bedingungen für Fußgänger an Lichtsignalanlagen, 2012
[BASt07c] Glaeser, Klaus-Peter, Dr. , Kaschner, Rolf , Lerner, Markus , Roder, Kurt , Weber, Roland , Wolf, Andreas , Zander, Ulf , Weber, Roland, Dr.-Ing. Auswirkungen von neuen Fahrzeugkonzepten auf die Infrastruktur des Bundesfernstraßennetzes, Ausgabe/Auflage Schlussbericht, Langfassung (2. Auflage), 2006/11
[BASt14] Friedrich, Bernhard, Hoffmann, Stephan, Axer, Steffen, Niemeier, Wolfgang, Tengen, Dieter, Adams, Christian, Santel, Gerko Überprüfung der Befahrbarkeit innerörtlicher Knotenpunkte mit Fahrzeugen des Schwerlastverkehrs, 2014
Glossar
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?233357

Gedruckt am Samstag, 8. August 2020 07:34:04