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Anwendung des Price-Cap-Systems im Luftverkehr

Erstellt am: 12.07.2007 | Stand des Wissens: 23.06.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Anfang der 80er Jahre wurde die Price-Cap-Regulierung (PCR) als Reaktion auf die kostenorientierten Regulierungsverfahren entwickelt. Seit vielen Jahren wird dieses Verfahren in verschiedenen Branchen angewendet und wird auch im Flughafenbereich akzeptiert wie bspw. in Großbritannien, Irland und Österreich. Es existieren keine rechtlichen Implementierungshemmnisse, sodass eine PRC durch einen Vertrag zwischen der regulierenden Behörde und dem betroffenen Flughafen ohne Änderung des Luftverkehrsgesetzes vorgenommen werden kann. Dieses Verfahren ist sowohl bei rein staatlichen als auch teilprivaten Flughäfen anwendbar. [Mali06] Die Preise werden bei der Price-Cap-Regulierung so gesetzt, dass jedes Jahr inflationsbereinigt nur eine Änderung um einen bestimmten Prozentsatz erfolgen darf. Es wird in der Regel eine Mindestsenkung der Flughafenentgelte vereinbart. Wird der Flughafen erweitert und hohe Investitionen müssen refinanziert werden, so wird eine prozentuale Erhöhungsgrenze für die Entgelte dem Flughafenunternehmer durch den Regulierer vorgegeben. Für die gesamte Regulierungsperiode wird die zugelassene Preisänderung eines Jahres im Voraus festgelegt. Die Preisänderung orientiert sich an dem zu erwartenden Produktivitätsfortschritt, sodass die Höhe von Jahr zu Jahr differieren kann. Die Qualitätsdegenerierung der regulierten Dienstleistungen ist ein empirisch belegtes Problem der Price-Cap-Regulierung (niedrige qualitative Effizienz). Durch die Preisobergrenze ist das regulierte Unternehmen nicht in der Lage von qualitativ höherwertigen Produkten über Preiserhöhungen zu profitieren. Allerdings kann es umgekehrt durch qualitativ minderwertigere Produkte die Kosten senken und so zusätzliche Gewinne erzielen, wenn der Erlösrückgang durch geringere Nachfrage niedriger ausfällt als die Kostensenkung. [Mali06] Allerdings wird die Price-Cap-Regulierung von den Fluggesellschaften weniger akzeptiert. Sie bezweifeln weniger die Effizienz dieses Mechanismus, sondern kritisieren die unbeschränkten Möglichkeiten des Flughafens Gewinne zu erzielen, die laut Ansicht der Fluggesellschaften zu ihren Lasten gehen. Durch Einführung von Sliding-Scale-Regelungen, die die Fluggesellschaften an zusätzlichen Gewinnen beteiligen, ließe sich die Akzeptanz erhöhen. Sliding-Scales sind Mechanismen, die die Nachfrager an Gewinnen des regulierten Unternehmens beteiligen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Literatur
[Mali06] Robert Malina Potenziale des Wettbewerbs und staatlicher Regulierungsbedarf von Flughäfen in Deutschland, veröffentlicht in Beiträge aus dem Institut für Verkehrswissenschaft an der Universität Münster, Ausgabe/Auflage 158, Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen, 2006, ISBN/ISSN 3-525-85898-1

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?231041

Gedruckt am Montag, 26. August 2019 00:26:59