Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Kontrahierungszwang der Flughäfen

Erstellt am: 06.07.2007 | Stand des Wissens: 23.06.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Flughafenunternehmer können sich für ihre wichtigste Dienstleistung, dem Ermöglichen von Starts und Landungen, nicht die Kunden selbst aussuchen. Die Durchführung dieser Flugbewegungen innerhalb eines bestimmten Zeitfensters (Slot) an einem Flughafen wird administrativ durch eine zentrale Instanz verteilt. Die Flughafenunternehmer haben dabei auf die ihnen zugeteilten Fluggesellschaften keinen Einfluss. [Mali06] Rechtliche Grundlage für diese Art von Verteilung sind:
  • EU-Verordnung 95/93
  • Paragraphen 27a und b des LuftVG
  • Verordnung zur Beauftragung des Flugplankoordinators
  • Verordnung über die Durchführung der Flugplankoordinierung
In Deutschland werden die Slots der internationalen Verkehrsflughäfen von einem Flughafenkoordinator (bis 1999 Flugplankoordinator) verteilt. Die Verteilung an die Fluggesellschaften erfolgt für eine Flugplanperiode von sechs Monaten im Voraus nach festgelegten Kriterien. Der Flughafenkoordinator mit Sitz in Frankfurt (Flughafen, Terminal 2) ist eine seit 1971 bestehende Organisation und direkt dem BMVBS unterstellt. [Maur03] Der Kontrahierungszwang ist jedoch nur zusammen mit der Regulierung der Flughafenentgelte aus Flughafensicht relevant. Der Kontrahierungszwang verliert nämlich aus Sicht des Flughafens seine Bedeutung, wenn die Flughäfen die Preise für ihre Leistungen frei festlegen können. Denn dann müssen auch die administrativ zugewiesenen Nachfrager für die Nutzung der Infrastruktureinrichtungen, die vom Flughafenbetreiber vorgegeben Preise zahlen. Die Frage nach der Reform einer Slotallokation ist jedoch eher für den Wettbewerb zwischen den Airlines bedeutsam und weniger für die Flughäfen. [Mali06]
Glossar
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Literatur
[Mali06] Robert Malina Potenziale des Wettbewerbs und staatlicher Regulierungsbedarf von Flughäfen in Deutschland, veröffentlicht in Beiträge aus dem Institut für Verkehrswissenschaft an der Universität Münster, Ausgabe/Auflage 158, Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen, 2006, ISBN/ISSN 3-525-85898-1
[Maur03] Maurer, P. Luftverkehrsmanagement, R. Oldenbourg Verlag München Wien, 2003, ISBN/ISSN ISBN 3-486-27422-8
Glossar
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?230308

Gedruckt am Dienstag, 4. August 2020 08:21:11