Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Richtlinien für Lastzüge und Lastzugkombinationen ("Lang-Lkw") in Deutschland

Erstellt am: 05.07.2007 | Stand des Wissens: 10.10.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

In Deutschland werden die Betriebsvorschriften für Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger durch die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung [StVZO] vorgeschrieben. § 32 StVZO befasst sich mit den Abmessungen von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen. Hiernach dürfen
  • Sattelzüge eine Länge von 16,50 Meter und
  • Gliederzüge eine Länge von 18,75 Meter nicht überschreiten.
Im Januar 2017 trat jedoch die Änderungsverordnung zur Überführung des Lang-Lkws in den streckenbezogenen Regelbetrieb [LKWÜberlStVAusnVa] in Kraft. Demnach dürfen lange Lastzugkombinationen unbefristet auf ausgewählten Strecken in Deutschland unterwegs sein. Die Lang-Lkw dürfen eine Länge von 25,25 Meter erreichen. Abbildung 1 verdeutlicht die historische Entwicklung von Fahrzeuglängen in Deutschland.
entwicklung.JPGAbbildung 1: Historische Entwicklung von Fahrzeuglängen [GiWa07]
Die Höhe ist auf 4,0 Meter und die Breite auf 2,55 Meter ohne Außenspiegel beschränkt (§ 32 II StVZO). Ausnahmen für die Fahrzeugbreite gelten nach § 32 I StVZO bei land- oder forstwirtschaftlichen Arbeitsgeräten (3,0 Meter) und bei klimatisierten Fahrzeugen (2,60 Meter). Das zulässige Gesamtgewicht für Fahrzeugkombinationen mit mehr als vier Achsen darf maximal 40 Tonnen betragen. Darüber hinaus dürfen bestimmte Achslasten nicht überschritten werden. Eine Ausnahme erlaubt die Richtlinie 92/106/EWG des Europäischen Rates für Sattelkraftfahrzeuge, die im kombinierten Güterverkehr einen ISO-Container von 40 Fuß befördern. Hierbei beträgt das zulässige Gesamtgewicht 44 Tonnen [§34 VI StVZO]. Diese Gewichtsbegrenzung gilt auch für den auf ausgewählten Strecken fahrenden Lang-Lkw (LKWÜberlStVAusnVa). Ausnahmen können höhere Verwaltungsbehörden genehmigen [§ 70 StVZO]. Die EU-Richtlinie [96/53/EG] erlaubt es den Mitgliedsstaaten, Lastzugkombinationen nach dem modularen Konzept mit deutlich längeren Abmessungen unter bestimmten Bedingungen zuzulassen, sofern sie die Europäische Kommission davon in Kenntnis setzen. Der Änderungsverordnung zur Überführung des Lang-Lkws in den streckenbezogenen Regelbetrieb (LKWÜberlStVAusnVa), die im Januar 2012 in Kraft trat, ging eine Ausnahmeverordnung für einen bundesweiten Feldversuch mit Lang-Lkw voran. Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollten die Chancen und Risiken neuer Fahrzeugkombinationen ermittelt werden. Nach den positiven Ergebnissen des Abschlussberichtes des Feldversuchs Ende 2016 [Bast16] beschloss der damalige Verkehrsminister Dobrindt, den Lang-Lkw im Rahmen des Positivnetzes (bestehend aus bereits während des Feldversuchs freigegebenen Strecken) in den dauerhaften Regelbetrieb zu überführen. Das Positivnetz kann, wie während des Feldversuchs auch, vom BMVI aktualisiert und erweitert werden. Seit Dezember 2017 erstreckt sich das Positivnetz auf 15 Bundesländer. Die Lang-Lkw sind hierbei überwiegend auf Bundesfernstraßen unterweg. Neben dem Streckennetz setzt die Änderungsverordnung (LKWÜberlStVAusnVa) auch die Anforderungen an Fahrer und Fahrzeuge fest. So müssen die Fahrzeuge oder Ladungsträger im Kombinierten Verkehr einsetzbar sein. Des Weiteren dürfen beispielsweise keine flüssigen Ladungen in Großtanks transportiert werden. Der für den Feldversuch zugelassene und nun in den Regelbetrieb überführte Lang-Lkw lässt sich in fünf Typen unterteilen, die in Abbildung 3 dargestellt sind.
Lastzugkombis-typen.JPGAbb. 3: Mögliche Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge [BMVI18e]
Für die jeweiligen Typen gelten teilweise auch unterschiedliche Bedingungen. Der Einsatz von Lang-Lkw des Typ 2 (Sattelkraftfahrzeug mit Zentralachsanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern) war beispielsweise vorerst auf ein weiteres Jahr befristet, mit der 8. Änderungsverordnung zum Lang-Lkw wurde die Befristung jedoch Ende 2017 aufgehoben. Der sogenannte verlängerte Sattelauflieger (Sattelkraftfahrzeug bis zu einer Gesamtlänge von 17,80 Metern) darf zunächst für weitere sieben Jahre eingesetzt werden. Während des Feldversuchs war der Lang-Lkw vom Typ 3 der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Typ, bestehend aus einem Motorwagen mit Untersetzachse und Sattelanhänger. Knapp 60 Prozent der bei der BASt gemeldeten Lkw sind diesem Typ zuzuordnen. An zweiter Stelle rangierte mit 30 Prozent der zum Feldversuch angemeldeten Lang-Lkw Typ 2. Lang-Lkw vom Typ 4 und 5 spielten keine prägnante Rolle im Feldversuch. Die Lang-Lkw vom Typ 5 sind lediglich von zwei Speditionen eingesetzt worden [Bast16, S.30].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lastzugkombinationen im Straßengüterverkehr (Stand des Wissens: 15.08.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?221041
Literatur
[Bast16] Irzik, Marco , et al. Feldversuch mit Lang-Lkw, 2016/11
[BMVI18e] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Lang-LKW fahren dauerhaft auf geeigneten Strecken, 2018
[GiWa07] Wallentowitz, H., Univ.-Prof. Dr.-Ing., Gies, S., Univ.-Prof. Dr.-Ing. Neues Fahrzeugkonzept "Eurotrailer" / Vorstellung der wissenschaftlichen Begleitstudie zum Feldversuch des verlängerten Aufliegerkonzeptes (Eurotrailer), Ausgabe/Auflage Pressekonferenz ika Aachen, 03. April 2007, 2007/04/03
Rechtsvorschriften
[96/53/EG] Richtlinie 96/53/EG
[LKWÜberlStVAusnVa] Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge
[StVZO] Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
BASt Bundesanstalt für Straßenwesen
Radsatzlast Die Radsatzlast (auch Achslast) beschreibt den Anteil der Fahrzeuggesamtmasse in Tonnen, der vom Fahrzeug über eine Achse auf den Schienenfahrweg aufgebracht wird.
Sattelanhänger Ein motorloses Fahrzeug für den Güterverkehr, das dazu bestimmt ist, so an eine Zugmaschine angekuppelt zu werden, dass ein wesentlicher Teil seines Gewichts und seiner Ladung von diesem Kraftfahrzeug getragen wird. Eine Anpassung der Sattelanhäger für die Verwendung im Kombinierten Verkehr kann erforderlich sein. Der Begriff Sattelauflieger wird im FIS synonym verwendet.
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)
Sattelauflieger Ein motorloses Fahrzeug für den Güterverkehr, das dazu bestimmt ist, so an eine Zugmaschine angekuppelt zu werden, dass ein wesentlicher Teil seines Gewichts und seiner Ladung von diesem Kraftfahrzeug getragen wird. Eine Anpassung der Sattelanhäger für die Verwendung im Kombinierten Verkehr kann erforderlich sein. Der Begriff Sattelanhänger wird im FIS synonym verwendet.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
ISO-Container Nach ISO-Norm 668 international genormter Großraumbehälter

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?230148

Gedruckt am Donnerstag, 17. Oktober 2019 18:23:51