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Konsumgüterkontraktlogistik

Erstellt am: 31.05.2007 | Stand des Wissens: 27.01.2020
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die Konsumgüterkontraktlogistik, welche sich im Großteil mit Verbrauchsgütern des täglichen Bedarfs, sowie langlebigen Gebrauchsgütern befasst, weist eine Reihe logistischer Merkmale auf, welche im Nachfolgenden umrissen werden [Mühl12; KlKr12].

Der hauptsächliche Anteil an Transport- und Lagerobjekten sind kartonierte und palettierfähige 'Stapelware', die unter erhöhten Sauberkeits- und Hygieneanforderungen behandelt werden müssen. Solche Produkte sind zum Beispiel Ver- und Gebrauchsgüter wozu unter anderem Nahrungsmittel, Non-Food-Produkte, CDs, Bekleidung, Möbel, weiße und braune Ware gezählt werden [Mühl12, S. 24]. Vor allem im Food-Bereich werden Vorschriften vom Gesetzgeber erstellt und darüber hinaus Anforderungen vom Hersteller und Empfänger festgelegt. Eine Besonderheit für dieses Geschäft ist die große Menge an Objekten, die durch das Logistiksystem geleitet werden. Die Distribution erfolgt hierbei artikelbezogen von den Quellen der Produktion und den Zentrallagern zu den Zehntausenden von Senken, wie den Lagern und Filialen des Handels, der Gastronomie oder direkt zu den privaten Haushalten als Endkunden [Mühl12, S. 24]. Im Gegensatz zu der industriellen Kontraktlogistik und dem standardisierten Stückgut- und Paketgeschäft, fallen in der Konsumgüterkontraktlogistik beim Transport oder beim Umschlagen in den Lägern häufige Kontrollen der Verfallsdaten, der Verpackung und der Qualität der Güter an. Auftraggeber von Konsumgüter-Kontraktlogistikgeschäften sind zum einen Importeure, Groß- und Einzelhändler in den Konsumgüter-Versorgungsketten, sowie die Hersteller von Gütern, die letztendlich in privaten Haushalten genutzt werden [Mühl12, S. 24].

Auch die Marktstruktur wird von der Größe und Vielfalt des Konsumgütermarktes beeinflusst. Es werden eine Vielzahl von Subsystemen für die alltägliche Abwicklung benötigt, die zumeist von unterschiedlichen, spezialisierten Dienstleistern bereitgestellt werden.
Das wichtigste und größte Subsegment stellen die Stapelwaren (Trockengüter) dar. Diese umfassen die Konsumgüter ohne spezielle Anforderungen, insbesondere ohne Temperaturführung. In jeweils separaten Systemen werden Frischewaren, wie Gemüse-, Milch- und Fleischprodukte und Tiefkühlwaren distribuiert [KlKr12, S. 287]. Eine andere Marktsegmentierung kann ihre Segmentierung an der Langlebigkeit der Produkte ausmachen. Konsumgüter für den alltäglichen Verbrauch und einmalige bzw. unregelmäßige, partieweise Aktionssortimente sind kurzlebige Produkte, welche für den Einzelhandel immer wichtiger werden. Langlebige Gebrauchsgüter wiederum sind Hartwaren, Textilien, Bücher, weiße und braune Ware sowie Sport- und Freizeitartikel [KlKr12, S. 287].

Die kritischen Erfolgsfaktoren für die Konsumkontraktlogistik bestehen vor allem in Systemen, die die zuverlässige Bewältigung der großen Menge an Gütern ermöglichen. Diese Thematik wird im nachfolgenden Abschnitt nach Klaus et al. [KlKr12, S. 287f.] erläutert:

Die erste Voraussetzung ist eine gute, mindestens regionale oder nationale Flächendeckung des Lager-, Umschlagspunkte- und LKW-Verteilungssystems. Darüber hinaus ist hohe Kompetenz in der Informations- und Kommunikationstechnologie wichtig, welches für das Betreiben von hochintegrierten und vernetzten Distributionszentren notwendig ist. Diese Fähigkeiten werden auch für die informationstechnische Integration in die Enterprise-Ressource- und Supply Chain-Planungssysteme der Hersteller und des Handels benötigt. Außerdem muss der Dienstleister hohe Personal- und Equipmentqualität vorhalten, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden.

Der Gesamt-Umsatzwert des Konsumgüterdistributions- bzw. Kontraktlogistik-Teilmarktes lag 2015 bei 28 Milliarden Euro, welches ihn zum zweitwichtigsten Logistikteilmarkt in Deutschland macht (siehe Abbildung 1) [Schw16, S. 6]. Von diesem Umsatz wird derzeit ein geschätztes Volumen in Höhe von 8,9 Milliarden Euro (35 Prozent) von Logistikdienstleistern erbracht. Diese geringe Outsourcing-Quote ist insbesondere auf den hohen Eigenleistungsanteil des Handels, beziehungsweise der Konsumgüterwirtschaft im Bereich der Läger und der Transporte zu den zahlreichen Filialen des Einzelhandels zurückzuführen [Schw16, S. 5f.].
Kreisdiagram zum Marktvolumen der Marktsegmente in Deutschland 2015 [Schw16]Abb. 1: Marktvolumen der Marktsegmente in Deutschland 2015 (in Anlehnung an [Schw16, S. 6]) (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

In der Konsumgüterkontraktlogistik zeichnen sich einige Trends ab, die eine Idee vermitteln, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln könnte [BuWr15, MuGr2014]:

In Zukunft wird der Anteil der outgesourcten Logistikdienstleistungen zunehmen, getrieben von der verstärken Konzentration der Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen. Hierbei gilt, dass gerade Branchen in denen die Logistik eine geringe Bedeutung hat, eine höhere Bereitschaft vorweisen Kontraktlogistikdienstleistungen extern zu vergeben [MuGr16, S. 4ff]. Generell weißt der Markt für Konsumgüterkontraktlogistik geringere Schwankungen als viele andere Teilmärkte in Abhängigkeit von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage auf. Dies hängt hauptsächlich mit der nahezu konstanten Nachfrage des alltäglichen Bedarfs der Bevölkerung zusammen [BVL18].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Kontraktlogistik (Stand des Wissens: 17.02.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?285349
Literatur
[BuWr15] Moike Buck, Heiko Wrobel Branchenanalyse Kontraktlogistik, Working Paper Forschungsförderung / Düsseldorf, 2015/12
[BVL18] Bundesvereinigung Logistik e.V. Konsumgüter-Kontraktlogistik als Möglichmacher - Kille-Pitch Nr. 21, 2018/03/01
[KlKr12] Klaus, Krieger, Krupp Gabler Lexikon Logistik: Management logistischer Netzwerke und Flüsse, Ausgabe/Auflage 5. Auflage, Gabler, 2012
[MuGr16] Muntzke, Hans-Peter , Gronemeier, Thomas Transport/Logistik, 2018
[MuGr2014] Hans-Peter Muntzke, Thomas Gronemeier Branchenreport Transport/Logistik, Frankfurt / Commerzbank AG, 2014
[Mühl12] Mühlencoert, Thomas Kontraktlogistik-Management
Grundlagen - Beispiele - Checklisten, Gabler Verlag, Wiesbaden, 2012, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-8349-3733-9
[Schw16] Schwemmer, Martin Top 100 der Logistik 2016/2017 , 2016/10
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Kernkompetenz Die Fokussierung auf Kernkompetenzen (engl. Core competence) ist die Beschränkung der Unternehmensaktivitäten auf das wesentliche Geschäft, in der Regel verbunden mit dem Herauslösen gewinnreduzierender Aktivitäten, die auf spezialisierte Unternehmen übertragen werden, z. B. die Übertragung (Outsourcing) der Logistikfunktionen auf einen Dienstleister.
Konsumgüter Als Konsumgüter bezeichnet man Güter, die primär für den privaten Ge- oder Verbrauch hergestellt und gehandelt werden. Konsumgüter können in zwei Kategorien unterteilt werden; Verbrauchsgüter und Gebrauchsgüter.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.
Gebrauchsgüter Gebrauchsgüter können als langlebige Güter bezeichnet werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie im eigentlichen Sinne nicht verbraucht werden, sondern durch wiederholten Gebrauch nur dem Verschleiß (Abnutzung) unterliegen, z.B. Einrichtungsgegenstände, Geschirr, Kleidung etc.
Outsourcing Beim Outsourcing (Fremdvergabe) werden Aufgaben oder Dienstleistungen, die nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören, ausgelagert, das heißt an externe Unternehmen abgegeben. Die Ausgliederung von Logistikaktivitäten ist die häufigste Form des Outsourcings. Das Wort leitet sich von 'outside' und 'resourcing' ab.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?226569

Gedruckt am Donnerstag, 13. August 2020 01:21:32