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Mobilität im Jahr 2020

Erstellt am: 05.04.2007 | Stand des Wissens: 30.04.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Studie "Mobilität im Jahr 2020 - Trends, Herausforderungen und Lösungsstrategien" [ADAC03a] orientiert sich weitgehend an qualitativen Aussagen zum Verkehr der Zukunft. Ausgehend von einem Leitbild für die angestrebte Zukunft, welches attraktiv, realisierbar und an den Bedürfnissen der Menschen orientiert ist, sollen durch eine Analyse von bereits wirksamen Entwicklungslinien und absehbaren Rahmenbedingungen, die die Zukunft beeinflussen, Handlungsfelder identifiziert werden. In diese Handlungsfelder muss eingegriffen werden, um die Zukunft gemäß dem Leitbild zu gestalten. Daraus leitet sich ein Katalog von Maßnahmen ab, die dazu geeignet sind, die absehbare Entwicklung entsprechend zu beeinflussen.
Die wirksamen Entwicklungslinien und absehbaren Rahmenbedingungen werden nachfolgend angeführt [ADAC03a]:
Es kommt zu einer Abnahme der Zahl der Einwohner auf 80,5 Millionen bis 2020, auch unter Berücksichtigung von Zuwanderungsgewinnen in Höhe von 200.000 Personen pro Jahr. Der Anteil mobiler Älterer, insbesondere der Frauen, steigt ebenso an wie die Zahl der Kleinst- und Single-Haushalte. Trotz der individuell leicht steigenden Mobilität führt der Bevölkerungsrückgang insgesamt zu einer Dämpfung der absoluten Mobilitätsnachfrage. Für das Wirtschaftswachstum wird bis 2020 eine Zuwachsrate von 1,5 Prozent pro Jahr angenommen. Die Kosten der Autohaltung werden aufgrund fiskalpolitischer Maßnahmen auch künftig stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten steigen. Der Anteil der über 65-jährigen wird 2020 bei 21,7 Prozent liegen. Zugewinne bei der Lebenserwartung werden in absehbarer Zeit ausbleiben. Die Pkw-Dichte nimmt auf 735 Pkw pro 1.000 Einwohner über 18 Jahre zu.
Der Personenverkehr stagniert bis 2020 auf hohem Niveau. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge wird auf leicht über 50 Millionen steigen. Die insgesamt gefahrenen Kilometer hingegen werden bis 2010 kaum noch wachsen und danach stetig sinken. Der Pkw bleibt in der Fläche konkurrenzlos. Es wird keine Straßenbenutzungsgebühren für Pkw's geben. Auf weiten Strecken wächst der Schienenverkehr langsam. Die Wegelängen der Pkw-Fahrten werden sich nicht mehr erhöhen.
Der Unterhaltungszustand des Straßennetzes wird immer prekärer. Zwar führen neue Telematiksysteme zu mehr Effizienz, doch reicht diese nicht aus, um die höhere Belastung aus dem Verkehrswachstum auszugleichen. Die Investitionen in das Straßennetz stagnieren auf dem aktuellen Niveau.
Die Tendenz zu einer höheren Verkehrssicherheit setzt sich bis 2020 fort. Die Zahl der Verkehrstoten sinkt bis 2020 um 40 Prozent. Auch fahrzeugtechnische Innovationen, die gezielte Entschärfung von Unfallschwerpunkten, Initiativen für ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr sowie ein weiter optimiertes Rettungssystem leisten zu dieser Entwicklung noch positive Beiträge.
Auch 2020 ist Erdöl die dominierende Energiequelle für den Straßenverkehr. Der Erdölverbrauch im Straßenverkehr sinkt durch stagnierende Fahrleistungen und sparsamere Motorkonzepte. Erdgas, Autogas, Biodiesel und Methanol erobern mittelfristig Marktnischen, bevor es längerfristig zum Einsatz von Wasserstofftechnologie auf Basis CO2- neutraler Energiequellen kommt. Der Lkw-Verkehr bleibt hinter dieser Entwicklung zurück, da sparsamere Motorkonzepte für Nutzfahrzeuge mittelfristig kaum absehbar sind und deren Fahrleistungen steigen.
Nachdem bisher schon die Emissionen klassischer Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid oder Blei aus dem Pkw-Verkehr auf ein nicht mehr gesundheitsrelevantes Niveau abgesunken sind, wird bis 2020 durch technische Innovationen auch der Ausstoß an Ozon-Vorläufersubstanzen und Partikeln entschärft werden.
Daraus abgeleitet werden die Forderungen, die Infrastruktur auch künftig bedarfsgerecht und leistungsfähig vorzuhalten, verbunden mit einer gerechten und sicheren Verkehrsfinanzierung sowie gezielten Maßnahmen zur Verkehrssicherheitspolitik und der Gestaltung einer dauerhaft erfolgreichen Umweltpolitik für den Verkehrsbereich.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Langfristszenarien der Mobilitätsentwicklung (Stand des Wissens: 20.04.2016)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?237783
Literatur
[ADAC03a] Jürgen Albrecht; Dr. Andrea David; Björn Dosch; Ulrich Heuber; Wolfgang Steichele Mobilität im Jahr 2020 - Trends, Herausforderungen und Lösungsstrategien, 2003
Glossar
CH3OH = Methanol. Ist eine farblose, brennend schmeckende, giftige, bei Einnahme durch den Menschen zur Erblindung oder zum Tod fuehrende, leicht brennbare und sehr fluechtige Fluessigkeit. Methanol verbrennt mit blauer, fast unsichtbarer Flamme und bildet mit Luft explosionsfaehige Gemische. In der Natur kommt es in Baumwollpflanzen, Heracleum-Fruechten, Graesern und in aetherischen Oelen vor. Methanol ist eines der wichtigsten Ausgangsstoffe fuer Synthesen in der chemischen Industrie. Methanol ist giftig. Seine giftige Wirkung beruht auf der in der Leber erfolgenden Oxidation zu Formaldehyd und spaeter zu Ameisensaeure.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
LPG = Liquified Petroleum Gas. Flüssiggas (Propan, Butan und deren Gemische) ist ein Kohlenwasserstoff, der unter relativ geringem Druck verflüssigt und dann nur etwa 1/260 seines gasförmigen Volumens einnimmt.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. CO ist ene chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?219953

Gedruckt am Donnerstag, 21. Januar 2021 14:37:05