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Qualitätsindikatoren der Wirtschaftlichkeit im Radverkehr

Erstellt am: 29.03.2007 | Stand des Wissens: 14.04.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Obwohl Radverkehrsmaßnahmen besonders auf kommunaler Ebene als in der Regel sinnvoll und notwendig eingestuft werden, ist die Bereitschaft dafür, Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen, meistens gering. Dabei werden auch die in der Regel besonders guten Kosten-Nutzen-Verhältnisse von Radverkehrsmaßnahmen nicht wahrgenommen. Das [UBA06] unterscheidet zwischen monetarisierbaren, volkswirtschaftlichen Nutzenkomponenten:
  • Klimaschutz durch Kohlenstoffdioxid (CO2)-reduzierung,
  • Unfallkostensenkung im Radverkehr und
  • Gesundheitsvorsorge durch weniger Bewegungsmangel
und monetarisierbaren - für den kommunalen Nutzer leichter nachvollziehbaren - Nutzenkomponeneten:
  • Minderung von Lärm und Luftschadstoffen, besonders in hochbelasteten Hauptverkehrsstraßen und
  • Senkung der kommunalen Verkehrsausgaben.
Bisher waren für den Radverkehr aber noch keine allgemein anerkannten Indikatoren bekannt mit denen seine Wirtschaftlichkeit beurteilt werden kann.

Das FOPS-Projekt "Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung der Effizienz von Radverkehrsmaßnahmen" hat sich mit Fragen zur Wirtschaftlichkeit im Bereich des Radverkehrs beschäftigt. Obwohl Radverkehr im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern im Nahbereich (max. 5 - 10 km) effizient und wirtschaftlich ist, spielt er in der deutschen Verkehrsplanung und Verkehrspolitik eine untergeordnete Rolle.

Im Projekt wurde ein Katalog von Indikatoren entwickelt. Einerseits werden die Effekte, die durch Verlagerung von Pkw-Fahrten auf das Fahrrad entstehen, monetarisiert und in die Kosten-Nutzen-Analyse eingebunden. Andererseits werden auch deskriptive Indikatoren, die noch nicht monetarisiert werden können, zur Beschreibung der Nutzenkomponenten berücksichtigt (s. Abbildung 1) [RöSchä08, S. 4].

Mit [SchäWa08] steht nun ein Leitfaden zur Bewertung der Effizienz von Radverkehrsmaßnahmen in Form einer Kosten-Nutzen-Analyse als ein zentrales Ergebnis des Projekts zur Verfügung. Dabei wurde das gewählte Verfahren bewusst an die Methodik der Bundesverkehrswegeplanung 2003 und der "Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des Öffentlichen Personenverkehrs" [BMVBS06m] angelehnt. Die gewählten gesamtwirtschaftlichen Indikatoren und das formalisierte Verfahren der Kosten-Nutzen-Analyse ermöglichen den für die Zukunft angestrebten verkehrsträgerübergreifenden Vergleich von Verkehrsinvestitionen. Abbildung 1 zeigt, welche Indikatoren zur Beurteilung der Nutzenkomponenten von Radverkehrsmaßnahmen herangezogen werden.

Übersicht über die Nutzenkomponenten der NKA-RADAbb. 1: Übersicht über die Nutzenkomponenten der NKA-RAD [SchäWa08, S. 11] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)


Im Rahmen des Projekts wurde das entwickelte Verfahren in zwei Kommunen in der Praxis angewendet und getestet. Dabei konnte die grundsätzliche Eignung für die Bewertung von Radverkehrsmaßnahmen gezeigt werden. Allerdings sollten vor der Daueranwendung insbesondere für Entscheidungen mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen noch weitere Testanwendungen durchgeführt werden. Entscheidend für eine realistische Bewertung der Maßnahmen ist die richtige Abschätzung der Nachfrageveränderung im Radverkehr. In diesem Bereich besteht allerdings noch Forschungsbedarf, da die meisten Kommunen die Bestimmung der Nachfrageseite für den Radverkehr bisher als unklar ansehen [RöSchä08].

Neben diesen möglichen Indikatoren die helfen, die Vorteilhaftigkeit und damit die Qualität von Investitionen für den Radverkehr zu beurteilen, wären auch noch Indikatoren interessant, mit denen der Wirtschaftszweig "Radfahren" bewertet werden kann. Eine Förderung des Radverkehrs schafft indirekt auch Arbeitsplätze in der Fahrradindustrie und den zugehörigen Zulieferindustrien.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Monitoring des Nichtmotorisierten Verkehrs (Stand des Wissens: 10.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?493403
Literatur
[BMVBS06m] Intraplan Consult GmbH, Verkehrswissenschaftliches Institut, Universität Stuttgart, Heimerl, Gerhard, em. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des ÖPNV und Folgekostenrechnung Version 2006, München, 2006
[RöSchä08] PTV Planung Transport Verkehr AG, TCI Röhling Transport Consulting International, Röhling, Wolgang, Dr., Burg, Robert, Walther, Christoph, Dr., Schäfer, Tanja, Geogr. M.A. Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung der Effizienz von Radverkehrsmaßnahmen - Schlussbericht, 2008/03
[SchäWa08] PTV Planung Transport Verkehr AG, Walther, Christoph, Dr., Schäfer, Tanja, Geogr. M.A. Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung der Effizienz von Radverkehrsmaßnahmen - Leitfaden, 2008/03
[UBA06] Krause, Juliane, Dipl-Ing. (plan & rat), Hildebrandt, Edzard, Dipl.-Ing. (PGV) Modellvorhaben "Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt" - Chancen des Fuß- und Radverkehrs als Beitrag zur Umweltentlastung, veröffentlicht in Texte 28/05, 2006/1, ISBN/ISSN 0722-186X
Weiterführende Literatur
[BASt12a] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, IVU Umwelt GmbH, Baier, R., Schuckließ, W., Jachtmann, Y., Diegmann, V., Mahlau, A., Gässler, G. Einsparpotenziale des Stadtverkehrs, 2012/06
[BMVBS12q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Nationaler Radverkehrsplan 2020, Berlin, 2012/10
[UBA13] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Becker, Udo, Böhmer, Thomas, Richter, Falk, Wittwer, Rico Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz, veröffentlicht in TEXTE, Ausgabe/Auflage 19/2013, Dessau-Roßlau, 2013/03, ISBN/ISSN 1862-4804
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. Eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?219055

Gedruckt am Dienstag, 16. Juli 2019 21:00:17