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Entwicklung des Rohrleitungsverkehrs in Deutschland

Erstellt am: 25.11.2002 | Stand des Wissens: 08.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Rohrleitungsverkehr bezeichnet den Transport von Objekten in geschlossenen Rohrleitungen beziehungsweise Rohrleitungssystemen (auch Pipelines genannt) [Schi08a, S. 331]. Rohrleitungssysteme sind als eigenständiger Verkehrsträger zu betrachten. Transportwege und -gefäß sind bei dieser Art des Güterverkehrs identisch [RoMo10]. Hauptsächlich werden Rohrleitungssysteme für die Beförderung von Massengütern im Überlandverkehr verwendet. Dabei wird zwischen zwei Leitungstypen unterschieden [Schi08a, S. 331]:
  • reine Rohölleitungen
  • Produktleitungen, die für die separate Beförderung verschiedener flüssiger, verflüssigter oder gasförmiger Produkte ausgelegt sind [RoMo10].
Verkehrsaufkommen und -leistung von Rohöl in Rohrfernleitungen
In Deutschland überwiegen die reinen Rohölleitungen. So waren im Jahr 2018 von den 2.966 Kilometer Rohrleitungen 2.370 Kilometer Rohölleitungen und nur 596 Kilometer Produktleitungen. Jedoch sind sowohl das Verkehrsaufkommen als auch die -leistung des Rohrleitungsverkehrs im Bereich Rohöl seit den 1990er Jahren in Deutschland nur leicht angestiegen (siehe Abbildung 1 und 2). Insgesamt ist das Verkehrsaufkommen der Rohrleitungen zwischen 1990 und 2018 von 64,4 Millionen Tonnen auf 84,5 Millionen Tonnen und die Verkehrsleistung von 11,7 Milliarden Tonnenkilometer auf 17,2 Milliarden Tonnenkilometer gestiegen. Seit 2016 zeichnet sich allerdings ein Rückgang des Verkehrsaufkommens und der Verkehrsleistung ab. Im gleichen Zeitraum wurde das Rohrfernleitungsnetz um 744 Kilometer erweitert [BMVI19ah].
Verkehrsaufkommen von Rohöl in RohrfernleitungenAbb. 1: Verkehrsaufkommen von Rohöl in Rohrfernleitungen, eigene Darstellung nach [BMVI19ah]
Verkehrsleistung von Rohöl in RohrfernleitungenAbb. 2: Verkehrsleistung von Rohöl in Rohrfernleitungen, eigene Darstellung nach [BMVI19ah]
Intermodaler Wettbewerb
Der Rohrleitungsverkehr konkurriert mit den Tankschiffen der Binnenschifffahrt, den Kesselwagen des Schienengüterverkehrs und den Straßentankwagen. Daten aus dem Jahre 2003 zeigen, dass der Wettbewerb weniger beim Transport von Rohöl als vielmehr bei weiteren Mineralölprodukten stattfindet [Schi08a, S. 332]. Hierunter fallen vor allem Treibstoffe, wie Benzin, Diesel und Kerosin, Bunkeröl, Heizöl sowie aus Erdöl gewonnene Schmierstoffe.
2019RohrTabelle.pngAbb. 3: Vergleich von Verkehrsträgern nach Aufkommen, Energiebedarf und Frachtraten 2003 [Schi08a, S. 332]
Abbildung 3 gibt neben dem Transportaufkommen auch Auskunft über die Energieverbräuche und Frachtraten der einzelnen Verkehrsträger für den Transport von Rohöl und Mineralölprodukten. Im direkten Vergleich schneidet der Straßengüterverkehr nicht nur in Bezug auf den Energiebedarf schlecht ab, sondern ist auch etwa dreißig Mal so teuer wie die Beförderung in Rohrleitungen. Andererseits kann beim Transport von Mineralölprodukten oft nicht auf Straßentankwagen verzichtet werden, um den Empfänger, wie zum Beispiel Tankstellen oder Privathaushalte, zu erreichen.

Zukünftige Entwicklung
Das Erschließen neuer Öl- und Gasfelder sowie das Wirtschaftswachstum in Asien werden den Bau von Rohrleitungssystemen vorantreiben [Schi08a, S. 346]. Der Ausbau wird dabei weniger unter verkehrspolitischen, als unter energie- und sicherheitspolitischen Aspekten diskutiert. Ein anhaltender Ausbau des Rohrleitungsverkehrs kann auch dazu führen, dass derzeit vom Seegüterverkehr erbrachte Transporte auf Rohrleitungssysteme verlagert werden, um somit langfristig Kosten zu senken und die Umweltbelastung zu reduzieren [Schi08a, S. 346]. Momentan stellt der Transport in Rohrfernleitungen jedoch das Schlusslicht im Verkehrssektor da, welches nur wenig zur Bruttowertschöpfung und Beschäftigung im Landverkehr beisteuert.

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Güterverkehrsentwicklung in Deutschland (Stand des Wissens: 08.01.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293800
Literatur
[BMVI19ah] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2019/2020, Ausgabe/Auflage 48. Jahrgang, 2019
[RoMo10] Roberts, L., Mosena, R., et al Gabler Wirtschaftslexikon, Ausgabe/Auflage 17. Auflage, Wiesbaden, 2010
[Schi08a] Schieck, A. Internationale Logistik, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008, ISBN/ISSN 3486583255
Glossar
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Verkehrsleistung
Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter oder Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] oder Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?21661

Gedruckt am Freitag, 27. Mai 2022 23:12:56