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E-Commerce und E-Procurement im Überblick

Erstellt am: 25.11.2002 | Stand des Wissens: 18.03.2019
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Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Zu den unterschiedlichen Anwendungsbereichen des Electronic-Business (E-Business) zählen die Bereiche des Electronic-Procurement (E-Procurement) und des Electronic-Commerce (E-Commerce). Wo diese Anwendungsbereiche im Unternehmenskontext zu sehen sind, zeigt Abbildung 1.
E-Business.jpgAbb. 1: E-Business und seine Teilbereiche (Quelle: eigene Darstellung)

E-Procurement bezeichnet die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung von elektronischen Beschaffungsprozessen im Unternehmen. Im Gegensatz zum E-Commerce wird E-Procurement vor allem im Bereich des betrieblichen, also des professionellen Einkaufs angewandt. Durch Aufbau eines elektronischen Netzwerkes mit seinen Lieferanten ist es dem Unternehmen möglich, Prozesszeiten und -kosten zu senken sowie Fehlerquellen und teure Spontaneinkäufe am Markt zu reduzieren. Elektronische Beschaffungssysteme dienen folglich der Optimierung und Koordination der Beschaffungsaktivitäten eines Unternehmens.
E-Procurement kann in E-Sourcing und E-Ordering unterschieden werden. Eine Form des E-Sourcing stellt die elektronische Ausschreibung dar, deren Vorteil in der Erzeugung einer erhöhten Anbieterbasis liegt. Die Vielzahl der Anbieter führt zu einer Intensivierung des Wettbewerbs und folglich zu Kostenvorteilen für das ausschreibende Unternehmen. Als Marktmodelle im Bereich des E-Ordering sind Buy-Side-, Sell-Side- und Marktplatzmodelle zu nennen. Ein insbesondere in der Beschaffung von MRO-Gütern (Maintenance, Repair and Operations) oder C-Artikeln häufig eingesetztes Buy-Side-Modell ist die Beschaffung über "Desktop Purchasing Systeme" (DPS) . Mittels DPS können wiederkehrende und strukturierte Bestellvorgänge automatisiert werden beziehungsweise Transaktionskosten gesenkt werden.
An die effiziente Nutzung solcher Systeme sind technische Voraussetzungen geknüpft. So ist es notwendig, die E-Procurement Lösungen in das bereits bestehende "Enterprise Resource Planning"-System (ERP-System) des Unternehmens zu integrieren.
Unter E-Commerce wird die elektronische Unterstützung von Handelsaktivitäten, wie dem Verkauf von Produkten, verstanden. Via Internet wird eine unmittelbare Geschäftsbeziehung zwischen Anbieter und Nachfrager abgewickelt. Geschäftsbeziehungen im Bereich des E-Commerce sind beispielsweise Beziehungen zwischen privaten Konsumenten und Unternehmen, die ihre Produkte in einem sogenannten E-Shop (elektronisches Geschäft, Warenvertrieb durch Internetpräsenz) zum Kauf anbieten. Besonders erfolgreiche Unternehmen im E-Commerce sind solche, die eine Multi-Channel-Strategie verfolgen.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Weiterführende Literatur
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[FLÄM01] Flämig, Heike E-Commerce, Ernährung und Umwelt , 2001
[WeSc02] Weber, J.; , Schmitt, A.;, Christoph, E.;, Knobloch, U.;, Wallburg, C.M. E-Commerce in der Logistik: Quantensprung oder business as usual? Ergebnisse einer explorativen Marktuntersuchung: Aktuelle Trends in der Logistik unter dem Einfluss von E-Commerce, veröffentlicht in Schriftenreihe Logistik der Kühne-Stiftung; 3, Ausgabe/Auflage 3, Verlag Paul Haupt Bern; Stuttgart; Wien, 2002, ISBN/ISSN 3-258-06509-8
[RiPe03] Riehm, Ulrich; , Petermann, Th.; , Orwat, C.; , Coenen, Chr.; , Revermann, Chr.; , Scherz, C.; , Wingert, B. E-Commerce in Deutschland. Eine kritische Bestandsaufnahme zum elektronischen Handel., Sigma / Berlin, 2003, ISBN/ISSN 3-89404-823-9
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[Kirch01] Kircher, K.D. Wettbewerbsvorteile eLogistics?, LogistX GmbH & Co. KG Bismarckstrasse 142 47057 Duisburg , 2001/05
Glossar
Enterprise Resource Planning Ein Enterprise Resource Planning (ERP) System disponiert und plant systematisch die Aufträge und versucht so eine optimale Auslastung der Unternehmensressourcen zu erreichen. Der Begriff hat sich insbesondere durch die in diesem Zusammenhang entwickelten Softwaresysteme, wie zum Beispiel SAP und Baan, verbreitet (Supply Chain Software).
MRO MRO steht für Maintenance, Repair and Operations. MRO-Bedarfe sind die sogenannte "indirekten Bedarfe" in der Produktion eines Industriebetriebes. Diese Bedarfsgüter gehen im Gegensatz zum Fertigungsmaterial nicht substantiell in die Produkte ein: neben Instandhaltungsmaterial und Ersatzteilen sind dies insbesondere Betriebsstoffe und sonstige Prozessbedarfe wie schnellverschleißende Werkzeuge und Vorrichtungen. Typische Beispiele sind auch Büromaterial oder Hygienepapiere.
ABC-Analyse Im Rahmen einer ABC-Analyse lassen sich in einem Unternehmen alle Artikel nach Wert, Umsatzvolumen und Wichtigkeit klassifizieren. Dabei werden Rohstoffe, umsatzstarke Handelsartikel und strategisch wichtige Artikel als A-Artikel bezeichnet, während Waren wie Kopierpapier, Kugelschreiber, Ersatzteile und Brennstoffe zwar für das Funktionieren des Betriebes unerlässlich sind, aber einen so geringen Anteil am Gesamtumsatz ausmachen, dass sie als C-Artikel bezeichnet werden. Das Problem dabei ist, dass der Anteil am Beschaffungsaufwand ungleich höher ist, als der dabei erzielte direkte Nutzen - eine Bestellung von Büromaterial für wenige Euro erzeugt dieselben Kosten wie eine von Rohstoffen für zum Beispiel 100.000 Euro. Diese Prozesskosten zu senken sollte ein primäres Ziel sein.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?21395

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2019 00:24:51