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Online-Mitfahrzentralen

Erstellt am: 27.09.2006 | Stand des Wissens: 21.06.2017
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Im Zuge der Digitalisierung entstanden Ende der 1990er Jahre erste Online-Mitfahrzentralen [Stra05a, S.5].Dabei handelt essich um internetbasierte Dienste, die zur Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten dienen.


Online-Mitfahrzentralen richten sich nach §1 Absatz 2 Satz 1 des Personenbeförderungsgesetztes [PBefG]. Dies bedeutet, dass von den Mitfahrern in Summe nur jene Fahrtkosten zu zahlen sind, welche die Betriebskosten (zum Beispiel Treibstoff, Öl) einer Fahrt nicht übersteigen [SZ14]. Somit soll per Gesetz verhindert werden, dass für Fahrer Gewinne durch die Fahrt entstehen.

Online-Mitfahrzentralen lassen sich  unter anderem nach folgenden Kriterien unterscheiden [Uto17]:
  • nach Entrichtung eines Entgeltes an den Fahrer oder kostenfreie Mitnahme
  • nach Buchungssystem (Art der Bezahlung)
  • nach Vermittlungsgebühr
  • nach Nutzungsgebühr (Mitgliedschaft)
  • nach Erforderlichkeit einer Registrierung
  • nach Einzugsbereich (regional, überregional, international)
  • nutzergruppenspezifisch (Berufspendler, Unternehmen, Festivalbesucher)
Neben der klassischen Website erfolgt die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten auch über  mobile Smartphone-Applikationen, per Mail oder in Verbindung mit sozialen Netzwerken [Uto17]. Teilweise lassen sich Online-Mitfahrzentralen auch über Programmierschnittstellen in externe Software implementieren [Flinc17].

Unter "Ad-hoc-Mitfahrgelegenheiten" ("Real-Time" Ridesharing) versteht man ein spontanes  Vermitteln von Fahrgemeinschaften, welches sehr kurzfristig vor oder unmittelbar während einer Fahrt stattfinden kann. Essentiell ist hierbei der Einsatz von drahtlosen und GPS-fähigen Geräten (zum Beispiel Smartphone, Navigationsgeräte). [Lev01, S. 2, 3f.]

Deutschlands größte Online-Mitfahrzentrale ist derzeit BlaBlaCar, welche in Frankreich gegründet wurde und mit über 25 Millionen Mitgliedern in 22 Ländern weltweit vertreten ist [Bla16]. In einer von BlaBlaCar veröffentlichten Statistik vom Jahr 2016 gibt das Unternehmen an, dass die durchschnittliche Pkw-Auslastung unter den Nutzern 2,8 Personen beträgt [Bla16]. Zur Orientierung lag laut Mobilität in Deutschland (MiD 2008) der durchschnitte PKW-Besetzungsgrad in Deutschland bei 1,5 Personen [infas10].

Online-Mitfahrzentralen stehen bei längeren Distanzen in Konkurrenz zu Bahn, Bus und Flugzeugen. Auch im ländlichen Raum finden diese Dienste vermehrt Akzeptanz, da sie ein zusätzliches Angebot zum Nahverkehrssystem kleinerer Städte und Gemeinden bieten. [Welt14b]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Effizientere Formen der Autonutzung und Kollektivierung des MIV (Stand des Wissens: 21.06.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?303288
Literatur
[BITKOM11] Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. Millionen Deutsche bilden Fahrgemeinschaften per Internet, Berlin, 2011/12/16
[Bla16] BlaBlaCar. Factsheet, 2017
[Flinc17] Build something great. Get access to the flinc API, 2017
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[Lev01] Amber Levofsky, Allen Greenberg Organized Dynamic Ride Sharing: The Potential Environmental Benefits And The Opportunity For Advancing The Concept, 2001/01
[Stra05a] Christoph Strauß Internetbasierte Mitfahrzentralen und ihre verkehrlichen Wirkungen, 2005
[Stra06] Stegmüller, Susanne, Strauß, Christoph Internetbasierte Mitfahrzentralen, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 9, 2006
[SZ14] Jan Willmroth Warum dürfen Mitfahrzentralen Personen befördern, Uber aber nicht?, 2014/09
[Uto17] Mitfahrgelegenheit: Die 7 besten BlaBlaCar- Alternativen 2017, 2017/03
[Welt14b] Nikolaus Doll , Andre Tauber Vor diesen hippen Mitfahrdiensten zittert die Bahn, 2014/07
Rechtsvorschriften
[PBefG] Personenbeförderungsgesetz (PBefG)
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Besetzungsgrad Unter Besetzungsgrad wird die Auslastung von Verkehrsmitteln verstanden. Im Öffentlichen Personennahverkehr entspricht das Platzangebot dabei i. d. R. der Summe aus den Sitzplätzen und 4 Plätzen je m² Stehfläche. Der Besetzungsgrad wird hierbei in % angegeben. Er liegt im Durchschnitt bei rd. 20 % und erreicht in der Spitze Werte zwischen 80 und 100 %. Vor allem bei besonderen Veranstaltungen kann der Besetzungsgrad im ÖPNV auch über 100 % betragen. In Analogie hierzu wird auch im Individualverkehr oft dieser Begriff verwendet; damit sind jedoch häufig die Anzahl der (durchschnittlich) im Auto befindlichen Personen gemeint (z. B. 1,2 Personen) und nicht die Platzauslastung. Zum Teil wird daher auch der Begriff "Besetzungszahl" verwendet. Der Quotient aus der Summe der Personenfahrten im Pkw und der Anzahl der Pkw-Fahrten wird auch als "ungewichteter Besetzungsgrad" bezeichnet. Daneben gibt es den seltener verwendeten "gewichteten Besetzungsgrad", der die Fahrtlängen berücksichtigt. Da mit zunehmender Fahrtlänge die Besetzung höher ist, liegt der gewichtete Besetzungsgrad um ca. 0,1 höher als der ungewichtete.
Betriebskosten Betriebskosten sind laufende Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Erbringung von Verkehrsleistungen entstehen. Hierzu zählen bspw. Aufwendungen für Energie, Personal, Trassen- oder Mautgebühren.
Mobilität in Deutschland (MiD)
Mobilität in Deutschland (MiD) ist eine bundesweite Befragung von rund 50.000 Haushalten zu ihrem täglichen Verkehrsverhalten (inklusive Samstage und Sonntage) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI).
Folgende Zielstellungen stehen im Mittelpunkt:
  • Analyse aktueller Trends des Verkehrsverhaltens zum Beispiel vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und veränderter Wertevorstellungen
  • Basis für die Verkehrsplanung der Bundesrepublik (Ableitung modellierungsrelevanter Kennziffern) und für die wissenschaftliche Untersuchung zur Alltagsmobilität

Ähnliche Umfragen fanden bereits in den Jahren 1976, 1982 und 1989 als KONTIV-Erhebung (Kontinuierliche Erhebung zum Verkehrsverhalten) statt.
Mobilität in Deutschland wurde in neuer Modifikation erstmals im Jahr 2002 durchgeführt und im Jahr 2008/2009 wiederholt. Die nächste MiD-Befragung wird im Jahr 2016 durchgeführt.
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?203635

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 10:23:31