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Mobilität von Kindern und Jugendlichen

Erstellt am: 19.06.2006 | Stand des Wissens: 30.04.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Jugendliche gelten für die Entwicklung von Verkehrs- und Mobilitätskonzepten als eine wichtige Zielgruppe. Grund hierfür ist, dass die im Kindes- und Jugendalter gewonnenen Erfahrungen ("Verkehrssozialisation") in einem entscheidenden Maße das spätere Verkehrsverhalten als Erwachsener prägen. So können beispielsweise jugendgerechte Angebote, die verstärkt Freizeitmobilität gewährleisten und intermodal sind, unter anderem dazu beitragen, dass Jugendliche nicht bereits unmittelbar mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres durch den Führerscheinerwerb und/oder Pkw-Besitz ausschließlich zur Verwendung des Pkw übergehen [Groß01]. Während teilweise in anderen Ländern der EU das Auto noch immer ein starkes Statussymbol und Verkehrsmittel darstellt, findet in den letzten Jahren in Deutschland ein Umdenken, vor allem in der jüngeren Generation statt. Der Mobilitätsbedarf ist dabei nicht gesunken, dafür aber die Vielfalt der Wege, Zwecke und Verkehrsmittel [BFSFJ17]. Es ist im Sinne der Verkehrsplanung, diesen Trend auch in Zukunft zu unterstützen.
Ein wichtiger Lebens- und Erfahrungsraum junger Menschen, der öffentliche Raum, wurde in den letzten Jahrzehnten weitgehend für verkehrliche Zwecke funktionalisiert. Die Situation von Kindern und Jugendlichen wird heute mit Schlagworten wie Verhäuslichung, organisierte Kindheit, starke Mediennutzung und Verinselung der Lebensräume beschrieben [Blin03, ifes08]. Das verkehrliche Umfeld, das Kinder und Jugendliche heute vorfinden, wird dabei von den Rahmenbedingungen im Straßenverkehrs- und Baurecht sowie den Richtlinien und Regelwerken der Verkehrsplanung mitbestimmt.
Die Gestaltung des (verkehrlichen) Umfelds hat Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Beispielsweise geht der Anteil an selbstständiger Mobilität zurück, Einstellungen und Zukunftsvorstellungen zur Verkehrsmittelnutzung ändern sich [FGSV12f]. Eine hohe verkehrliche (und soziale) Sicherheit stellt eine wesentliche Basis zur Gewährleistung und Förderung der eigenständigen Mobilität von jungen Menschen und damit einer gesunden körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklung dar [HüDe95, S. 28].
Je nach Altersgruppe werden unterschiedliche Anforderungen an den Verkehrsraum gestellt im jungen Kindesalter sind das beispielsweise Aufenthaltsqualität und Orte zur sozialen Interaktion, später Verkehrs- und soziale Sicherheit sowie gute ÖV-Anbindungen [FGSV12f]. Diese Anforderungen und spezifischen Bedürfnisse hinsichtlich der Verkehrsnetze müssen in der Verkehrsplanung Berücksichtigung finden, um die Mobilität, Sicherheit aber auch Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten [BMFSFJ06a, S. 57]. Ihre Beteiligung an der Verkehrsplanung kann positive Effekte nicht nur für ihre Altersgruppe sondern für alle Verkehrsteilnehmer bewirken.
Das aktuelle Hinweispapier der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) "Hinweise zur Integration der Belange von Kindern in die Verkehrsplanung" [FGSV10a] zeigt auf, wie wichtig es ist, Kindern und Jugendliche zu partizipieren. Das Hinweisblatt versteht sich als Beitrag zur besseren Berücksichtigung der Ansprüche von Kindern in der Planung.
Ziel sollte es sein, weiterhin an der Partizipation und Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen betreffend der Mobilität festzuhalten und diese auszubauen, da damit bereits positive Effekte erzielt wurden.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilität von Kindern und Jugendlichen (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?195757
Literatur
[BFSFJ17] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) Zweiter Bericht über die Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in der Bundesrepublik Deutschland. , Ausgabe/Auflage 2. Auflage, 2017/07
[Blin03] Blinkert, B. Zerstörte Stadt - zerstörte Kindheit?, Leipzig, 2003
[BMFSFJ06a] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) Nationaler Aktionsplan für ein kindergerechtes Deutschland (2005-2010), Berlin, 2006/04
[FGSV10a] FGSV-Arbeitskreis 1.1.1 "Gender und Mobilität" , Annette Albers, Karin Arndt, Gabriele Feller, Ulrike Huwer, Claudia Jürgens, Silvia Körntgen, Angelika Klein, Ursula Lehner-Lierz, Jörg von Mörner, Marcus Steirwald, Gisela Stete, , Hinweise zur Integration der Belange von Kindern in die Verkehrsplanung , 2010, ISBN/ISSN 978-3-941790-26-1
[FGSV12f] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Gender Mainstreaming im Verkehrswesen. Kinder und Jugendliche als Verkehrsteilnehmende, 2012/12
[Groß01] Groß, S. , Freyer, W. Mobilitäts- und Verkehrsverhalten von Jugendlichen, veröffentlicht in Tagungsband zu den 18. Verkehrswissenschaftlichen Tagen der TU Dresden, Dresden, 2001
[HüDe95] Hüttenmoser, Marco, Degen-Zimmermann, Dorothee Lebensräume für Kinder. Empirische Untersuchung zur Bedeutung des Wohnumfeldes für den Alltag und die Entwicklung der Kinder, Zürich, 1995
[ifes08] Funk, W. Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Langfristige Trends der Änderung ihres Verkehrsverhaltens. , 2008/07, ISBN/ISSN 1616-6884 (Print), 1618-6540 (Internet)
Weiterführende Literatur
[Esse02] Stadt Essen Großstadt für Kinder, Ausgabe/Auflage Nr. 1165, Essen, 2002
[Darmst03] k.A. Kinder als Bauherren - Wegweisende Projekte in einem kinderfreundlichen Stadtteil, 2003/04
Glossar
ÖV
Der Öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer der Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch öffentliche Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen, nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch "Alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?196088

Gedruckt am Montag, 26. August 2019 00:32:49