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Die Leitstelle als Systemkomponente eines RBL

Erstellt am: 13.04.2006 | Stand des Wissens: 15.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König

Die Betriebs- und Verkehrssituation zu erfassen ist Aufgabe der Leitstelle der Verkehrsbetriebe. Die Leitstellen werden dabei durch technische Systeme wie das Rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) unterstützt. Grundsätzlich gibt es für eine Leitstelle zwei Organisationsformen: Zentralisierung und Dezentralisierung [BMVBW01ad].

Bei der zentralen Variante wird eine gemeinsame Leitstelle für alle Verkehrsmittel sowohl für den Betriebsablauf als auch für die Fahrgastinformation genutzt (Beispiel Stuttgart). Bei der dezentralen Variante besitzt jedes Verkehrssystem eine eigene Leitstellenorganisation, über der eine zentrale Leitstelle angesiedelt sein kann (Beispiel Berlin) [BMVBW01ad].

Durch RBL-Systeme ist eine automatisierte Informationsgewinnung innerhalb der Leitstelle überhaupt erst möglich, was Betriebsabläufe besser planen, kontrollieren oder auch vorausschauend beeinflussen lässt. Die Leitstelle kann am Wochenende oder zu Spätverkehrszeiten auch in einen vollautomatischen Betrieb umgeschaltet werden, wobei ein Programm als "virtueller Disponent" die Leitstelle übernimmt [Jane05a].

Zur Minimierung der Betriebs- und Investitionskosten ist es häufig von Vorteil, wenn mehrere Verkehrsanbieter eine gemeinsame Betriebsleitzentrale einrichten und betreiben. Die Kosten für solch eine Anlage werden dabei geteilt. Vorteile liegen dabei in technischer Hinsicht bei der betriebsübergreifenden Anschlusssicherheit, der betriebsübergreifenden Fahrgastinformation sowie der Visualisierungsmöglichkeit aller RBL-Fahrzeuge im gemeinsamen Verbund. Gerade für kleinere Verkehrsunternehmen in der Region bietet sich diese Lösung an [Grun05].

Grundsätzlich wird für eine Leitstelle ein RBL-Server, ein Funkserver und ein Arbeitsplatzrechner benötigt, um die verschiedenen Teilbereiche des Systems zusammenfügen zu können. Damit können die wesentlichen RBL-Funktionen wie Anschlusssicherung, Umleitungsmanagement, Visualisierung auf Grundlage der Fahrzeug-GPS-Daten und dynamische Fahrgastinformationen realisiert werden [Jane05].

Für das in Berlin erprobte georeferenzierte Leit- und Informationssystem "VABtics" ist hingegen als Leitstellenausrüstung nur ein handelsüblicher PC mit Breitband-Internetanbindung (DSL) notwendig, da sich die komplexe Systemumgebung in der Verkehrsautomatisierungszentrale Berlin befindet. In diesem Fall kauft der Kunde kein System, sondern er mietet eine Dienstleistung. Ergänzend dazu können örtliche Client-/Server-Systeme hinzugefügt werden, womit typische Leitstellenfunktionen (beispielsweise Fahrplan-Soll-Ist-Vergleiche) möglich sind [Naum05].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Rechnergestützte Betriebsleitsysteme (RBL) / Intermodal Transport Control System (ITCS) für den ÖPNV (Stand des Wissens: 15.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?306433
Literatur
[BMVBW01ad] Beratungsgesellschaft für Leit-, Informations- + Computertechnik mbH, Institut für Bahntechnik GmbH, Janecke, Jörn, Weber, Stefan, Nuszkiewicz, Andrzej, Busse, Jürgen Strategie für eine verkehrsmittelübergreifende Fahrgastlenkung im ÖPNV mit Hilfe vernetzter dynamischer Fahrgastinformation in Ballungsräumen, 2001/05
[Grun05] Grunow, V., Conrad, L., Fleischer, V., et al. RBL geteilt durch X - Rechnergestützte Betriebsleitsysteme bei regionalen Unternehmen, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 6, 2005
[Jane05] Janecke, J., Dobe, A., et al. Wirkung und Bewertung eines RBL in der Region, Teil 1, veröffentlicht in Verkehr und Technik, Ausgabe/Auflage 4, 2005
[Jane05a] Janecke, J., Dobe, A., et al. Wirkung und Bewertung eines RBL in der Region, Teil 2, veröffentlicht in Verkehr und Technik, Ausgabe/Auflage 5, 2005
[Naum05] Naumann, W. VABtics - Georeferenziertes Leit- und Informationssystem für den ÖPNV, veröffentlicht in Verkehr und Technik, Ausgabe/Auflage 12, 2005
Glossar
DSL
Abkürzung für Digital Subscriber Line (digitaler Teilnehmeranschluss)
Unter DSL werden Übertragungsstandards verstanden, die über einfache Kupferleitungen hohe Übertragungsraten (bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde) ermöglichen. In Deutschland war dies lange Zeit ein Synonym für einen Breitband-Internetzugang.
xDSL bedeutet die Zusammenfassung verschiedener DSL-Verfahren.
Von VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) spricht man bei Hybridnetzen aus Glasfaser- und Kupferleitungen, wobei die Glasfaser möglichst nah an den Kunden herangeführt wird, um hohe Datenübertragungsraten zu erreichen.
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.
RBL
Rechnergestützte Betreibsleitsysteme sind Rechner-Verbundsysteme mit denen Steuerungs-, Überwachungs- und Informationsprozesse im Fahrbetrieb untereinander verknüpft werden. Diese kommen hauptsächlich in folgenden Bereichen zum Einsatz:
  • Informations- und Kommunikationsmöglichkeit zwischen Fahrzeug und Leitstelle
  • rechnergestützter Fahrbetrieb
  • Fahrgastinformation in Fahrzeugen und an Haltestellen sowie über Mobilfunk und Internet (dynamische Fahrgastinformation)
Inzwischen wurde der Begriff "RBL" durch "ITCS" (Intermodal Transport Control System) ersetzt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?191245

Gedruckt am Sonntag, 25. August 2019 03:27:47