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Seeunfälle

Erstellt am: 04.11.2002 | Stand des Wissens: 07.06.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Durch das Seesicherheits-Untersuchungs-Gesetz (SUG - Gesetz zur Verbesserung der Sicherheit der Seefahrt durch die Untersuchung von Seeunfällen und anderen Vorkommnissen) wird unter § 1a Begriffsbestimmungen ein Seeunfall folgendermaßen definiert:

1. Jedes Ereignis, das wenigstens eine der nachstehenden Folgen hat:
  • Den Tod oder die schwere Verletzung eines Menschen, verursacht durch den oder im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Schiffes
  • Das Verschwinden eines Menschen von Bord eines Schiffes, verursacht durch den oder im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Schiffes
  • Den Verlust, vermutlichen Verlust oder die Aufgabe eines Schiffes
  • Einen Sachschaden an einem Schiff
  • Das Aufgrundlaufen oder den Schiffbruch eines Schiffes oder die Beteiligung eines Schiffes an einer Kollision
  • Einen durch den oder im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Schiffes verursachten Sachschaden
  • Einen Umweltschaden als Folge einer durch den oder im Zusammenhang mit dem Betrieb Schiffes oder mehrerer Schiffe verursachten Beschädigung eines Schiffes oder mehrerer Schiffe
2. Sowie jedes durch den oder im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Schiffes verursachte Ereignis, durch das ein Schiff oder ein Mensch in Gefahr gerät oder als dessen Folge ein schwerer Schaden an einem Schiff, einem meerestechnischen Bauwerk oder der Umwelt verursacht werden könnte.

In Abhängigkeit von den eingetretenen Folgen wird der Oberbegriff "Seeunfall" weiter unterteilt in:
Sehr schwerer Seeunfall (SSU)
Todesfolge, Totalverlust eines Schiffes oder Unfall mit erheblicher Umweltverschmutzung

Schwerer Seeunfall (SU)
Seeunfall, der nicht als SSU einzuordnen ist, bei dem es jedoch:
  • Zum Ausfall der Hauptmaschine
  • Zu einer erheblichen Beschädigung der Unterkunftsräume
  • Zu einer schweren Beschädigung der der schiffbaulichen Verbände
  • Zu einem Leck am Unterwasserbereich der Außenhaut mit Fahruntüchtigkeit des Schiffes
  • Zu einer Verschmutzung unabhängig von der Menge freigestezter Schadstoffe
  • Zu einer Havarie, die ein Abschleppen oder eine Hilfelesitung von Land erforderlich macht, kommt
(Weniger schwerer) Seeunfall (WSU)
Alle anderen Seeunfälle die nicht als SSU oder SU einzuordnen sind.

Vorkommnis (U)
Beinaheunfälle mit Gefahr verursachender Begleiterscheinungen und sogenannte Bagatellfälle mit lediglich geringfügigen Schäden [BSU12].

Die absolute Zahl (Abb. 1) wie auch die Unfallhäufigkeit der Welthandelsflotte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. Von ihrem höchsten Punkt im Jahr 1978 sank sie im Mittel jährlich um etwa 6 Prozent.

Schiffsverluste 2008_2017.PNGAbb. 1: Anzahl der weltweiten Verluste von Schiffen im Zeitraum der Jahre 2008 bis 2017 nach Region (eigene Darstellung nach [Stat19h])
Bezogen auf Unfälle, bei denen Öl ausgetreten ist, lässt sich sagen, dass die Unfallhäufigkeit seit 1975 stark rückläufig ist.
Oil Spills 1970_2018.PNGAbb.2: Entwicklung der Anzahl von Ölkatastrophen mit Öltankern in den Jahren 1970 bis 2018 nach der Menge des ausgetretenen Öls (eigene Darstellung nach [ITOPF18])

In der Betrachtung nach Unfallursachen hat der Anteil der Verluste durch schweres Wetter zugenommen, während die Verluste durch strukturelle Mängel sowie durch Feuer und Explosionen weniger wurden.
Schiffsverluste nach Ursache 2003_2017.PNGAbb. 3: Schiffsverluste der Welthandelsflotte nach Unglücksursachen in Prozent von 2003 bis 2017 (eigene Darstellung nach [IUMI19])

Wissenslandkarten

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Seeschifffahrt (Stand des Wissens: 12.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?11155
Literatur
[BSU12] Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung Jahresbericht 2011, 2012/05/02
[ITOPF18] International Tank Owners Pollution Federation (ITOPF) (Hrsg.) Oil Tanker Spill Statistics 2018, 2018
[IUMI19] International Union of Marine Insurance (Hrsg.) Global Marine Insurance Casualty trends, 2019/02
[Stat19h] Statista GmbH Anzahl der weltweiten Schiffsverluste im Zeitraum der Jahre 2008 bis 2017 nach Regionen, 2019

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?18379

Gedruckt am Sonntag, 25. August 2019 02:56:23