Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Kombination von Flug- und Nachtzugreise

Erstellt am: 30.11.2005 | Stand des Wissens: 15.07.2019
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Bahnreiseangebote werden auf vielen innerdeutschen und europäischen Relationen von Geschäftsreisenden nicht in das Alternativenset der Verkehrsmittelwahl einbezogen. Sie sind angesichts deutlich längerer Reisezeiten tagsüber nicht konkurrenzfähig gegenüber dem Luftverkehr (zum Beispiel Berlin-Zürich). Dies hat den Verlust der Zielgruppe "Geschäftsreisende" auf langen Distanzen zur Folge - einer Zielgruppe, die durchschnittlich eine größere Zahlungsbereitschaft und höhere Reisefrequenzen im Vergleich zum Privatreiseverkehr aufweist.

Alternativ bietet der Schienenverkehr auf Städteverbindungen mit großer Entfernung Nachtzüge an, die unter Ausnutzung des "Nachtsprungs" auch für die zeitsensible Klientel attraktiv sind. Das "rollende Hotelzimmer" kann seine Stärken aber nur bei ganztägigen Aufenthalten auf Hin- und Rückfahrt ausspielen. Andernfalls ist die Kombination der Nachtreise mit einer zeitintensiven Tageszugfahrt notwendig. Diese bedeutet bei der Verkehrsmittelwahl mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Ausschlusskriterium für die reine Bahnreise. Die logische Ergänzung der Nachtzugfahrt mit einer Flugreise war bislang äußerst selten. Warum?

Multimodale Verkehrslösungen im Fernverkehr können bereits seit einiger Zeit wettbewerbsfähige Alternativen zu monomodalen Reisen darstellen. Insbesondere bei komplexeren Reisen mit mehreren Stationen bieten sich Verknüpfungen von Flug und Zugfahrt an. In diesem Marktsegment haben sich inzwischen unterschiedliche verkehrsträgerübergreifende Angebote etabliert (zum Beispiel AIRail, TGV AIR).

Bei einfachen Punkt-zu-Punkt-Verkehren über große Distanzen, bei denen der Nachtzug den Flug auf Hin- oder Rückweg hingegen komplett substituieren würde, erhöhte die Einbeziehung der Bahn den Buchungsaufwand bisher unverhältnismäßig. Mögliche Vorteile der multimodalen Reisekette (günstigere Zeitenlage, Reisekostensenkung, persönliche Vorlieben) wurden dadurch anscheinend überkompensiert.

Das Night&Flight-Angebot ermöglicht nun das One-Stop-Shopping einer multimodalen Verkehrsdienstleistung auf zahlreichen Strecken zwischen der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden. Die Senkung der Transaktionskosten für die Buchung einer multimodalen Verkehrslösung auf das Niveau der monomodalen Reise soll den herrschenden monomodalen Fokus bei der Verkehrsmittelwahl überwinden helfen. [Saut07a]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verknüpfung Schiene und Luft (Stand des Wissens: 17.07.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?289095
Literatur
[Saut07a] Sauter-Servaes, Thomas, Dr.-Ing. Unkomplizierte Komplizen - neue Wege der Luft-Schiene-Kooperation, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 05, DVV Media Group, 2007/05
Glossar
Train à grande vitesse Train à grande vitesse (TGV, dt. Zug mit hoher Geschwindigkeit, Hochgeschwindigkeitszug), ist sowohl Markenname als auch Bezeichnung mehrerer Baureihen französischer Hochgeschwindigkeitszüge. Die TGV sowie deren Geschwisterzüge Thalys und Eurostar verkehren außer in Frankreich auch in bzw. nach Deutschland, in der Schweiz, in Italien, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Luxemburg und Spanien.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?180434

Gedruckt am Montag, 4. Juli 2022 14:47:19