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Flughafenzubringer und City- beziehungsweise Bahnhofs-Check-in

Erstellt am: 21.11.2005 | Stand des Wissens: 24.06.2016
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Neben der reinen Anbindung des Flughafens über die Schiene (Flughafenzubringer) wurde in zahlreichen Projekten die Inbetriebnahme neuer Flughafenzubringer mit der Eröffnung von Check-in-Schaltern inklusive Gepäckaufgabe in den innenstadtnah gelegenen Bahnhöfen verbunden, die so genannten City- oder Bahnhofs-Check-in-Terminals (remote check-in terminal).

Auf diese Weise kann einerseits die Attraktivität des Verkehrsträgers Schiene gesteigert werden, da der Reisende bereits am Abgangsbahnhof sein Gepäck aufgeben kann und dieses erst wieder am Zielflughafen in Empfang nimmt. Zum anderen wird die Abfertigungskapazität des Flughafens insgesamt gesteigert, ohne Baumaßnahmen am eigentlichen Flughafenstandort durchführen zu müssen, wo häufig nur begrenzte Flächenpotenziale für Ausbaumaßnahmen vorhanden sind.

Erkauft wird die flughafenexterne Terminalerweiterung durch höhere Betriebskosten, die nicht zuletzt auf der höheren Komplexität der Gepäcklogistik und der geringeren Auslastung der Abfertigungsschalter am Bahnhof basieren. So schätzte British Airways die Kosten für eine Passagierabfertigung am Bahnhof London Paddington auf das Drei- bis Vierfache im Vergleich zum Check-in am Flughafen London Heathrow [Knut01b].

Grundsätzlich ist festzustellen, dass sich verschiedene Spielarten von City-Terminals etabliert haben, die in ihrem Leistungsumfang stark divergieren. Während an aufkommensschwächeren Standorten der Check-In-Bahnhof nur in Verbindung mit einem Vorabend-Check-in an Bahnschaltern möglich ist, kann bei Vorhandensein von speziell für Flugreisende konzipierten Flughafenzubringern ein höherer Integrationsgrad mit abflugzeitnahen Check-in-Terminen im Bahnhof angeboten werden. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Abfertigungsschaltern im Bahnhof um reine Check-in-Anlagen. Allerdings existieren auch externe Terminals in Bahnhöfen, die einen eigenen IATA-Destinationscode (zum Beispiel Kuala Lumpur City Air Terminal) aufweisen. Hier besteht für den Reisenden bei entsprechenden Angeboten der Fluggesellschaften die Möglichkeit, das Gepäck am Startflughafen aufzugeben und es erst an diesem Bahnhof wieder in Empfang zu nehmen.

In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass sich beispielsweise die Anzahl der am Bahnhof London Paddington den Check-in anbietenden Fluggesellschaften deutlich reduziert hat. Als Gründe hierfür können neben den höheren Kosten der aus unterschiedlichen Sicherheitsbestimmungen resultierende Ausschluss von USA-Flügen genannt werden [EUKOM04k, S. 23].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verknüpfung Schiene und Luft (Stand des Wissens: 17.07.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?289095
Literatur
[EUKOM04k] Europäische Kommission Generaldirektion Energie und Verkehr Rail Air Intermodality Facilitation Forum, 2004
[Knut01b] Mike Knutton Air-Rail collaboration: Will it be heaven or hell? Conference Report, veröffentlicht in International Railway Journal , 2001/08
Glossar
IATA Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung - IATA (International Air Transport Association) ist der weltweit tätige Verband der Verkehrsfluggesellschaften.
Betriebskosten
Betriebskosten sind laufende Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Erbringung von Verkehrsleistungen entstehen. Hierzu zählen zum Beispiel Aufwendungen für Energie, Personal, oder Infrastrukturnutzung.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?178134

Gedruckt am Montag, 4. Juli 2022 14:56:19