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Lufthansa Airport Express: der gescheiterte "Flug auf Schienen"

Erstellt am: 10.11.2005 | Stand des Wissens: 15.07.2019
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Bei dem Lufthansa Airport Express handelte es sich um einen ersten Versuch der Deutschen Lufthansa, ihr Flughafendrehkreuz in Frankfurt optimal mit einer Schienenverkehrsdienstleistung zu verknüpfen. Aufgrund seines zeitweise erfolgreichen Betriebs wird er als Vorläufer und Wegbereiter heutiger Intermodalitätsangebote angesehen.

Der ausschließlich Lufthansa-Passagieren vorbehaltene Zug verkehrte ab dem 27. März 1982 auf der Strecke zwischen Frankfurt Flughafen und Düsseldorf Hauptbahnhof mit Bedienung der Halte Bonn Hauptbahnhof, Köln Hauptbahnhof und Köln Deutz. Im März 1983 wurde der Zuglauf bis Düsseldorf Flughafen verlängert. Im Jahr 1990 wurde das Angebot noch auf die Relation Frankfurt Flughafen - Stuttgart Hauptbahnhof ausgeweitet.

Es handelte sich im Gegensatz zu heutige AIRail-Angebot der Lufthansa nicht um gecharterte Kapazitäten in Regelzügen der DB AG, sondern einen DB-Reisenden nicht zugänglichen Sonderverkehr. Die Optik der Züge war außen wie innen dem Corporate Design der Lufthansa angepasst. Der Service wurde von Lufthansa-Stewardessen nach den üblichen Catering- und Service-Standards der Lufthansa für die Business Class durchgeführt. Die Lufthansa bot einen durchgehenden Gepäcktransport und einen Check-In im Zug an.

Bei den mit der damals technisch revolutionären Bundesbahn-Triebzugbaureihe ET403 betriebenen Verkehren handelte es sich allerdings um keinen Hochgeschwindigkeitsverkehr. So wurde für die 190 Kilometer lange Strecke zwischen Düsseldorf und Frankfurt eine Reisezeit von über zweieinhalb Stunden benötigt. Trotzdem wurde das Angebot von den Reisenden verhältnismäßig gut angenommen- auch aufgrund des hohen touristischen Werts der Rheinstrecke. Täglich verkehrten vier Zugpaare mit einem hohen Pünktlichkeitsgrad (90 Prozent). Der Auslastungsgrad auf der Rheinstrecke steigerte sich von 35 Prozent im Jahr 1985 auf 64 Prozent im Jahr 1990. Allein 1992 zählte der "Zug zum Flug" 270.000 Fahrgäste. Insgesamt nutzten mehr als 1,8 Millionen diese Verbindung.

Für die Lufthansa stellte der Lufthansa Airport Express eine kostengünstige Alternative zu den Ultrakurzstreckenflügen zwischen Frankfurt und Köln beziehungsweise Düsseldorf dar. Mit der Schienenverkehrslösung gelang es Lufthansa, die steigende Nachfrage auf den entsprechenden Strecken ohne eine Erhöhung der Flugfrequenzen zu bedienen. Der Deutschen Bundesbahn bot sich durch den Lufthansa Airport Express die Möglichkeit, die ansonsten höchstwahrscheinlich nur schwer in die Regelzugstruktur zu integrierenden drei Prototyp-Triebzüge der Baureihe ET403 kommerziell zu nutzen.

Aus zahlreichen Gründen, insbesondere aufgrund der geringen Anzahl der täglichen Frequenzen, hoher Chartergebühren für das Rollmaterial und der ungeklärten Kostenübernahme für die technische Generalüberholung der eingesetzten Fahrzeuge wurde der Lufthansa Airport Express im Mai 1993 (Düsseldorf) beziehungsweise 1994 (Stuttgart) eingestellt.

[Pous01, S. 128 ff.; Hein93a, S. 301; DVF92, S. 67 ff.]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verknüpfung Schiene und Luft (Stand des Wissens: 17.07.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?289095
Literatur
[DVF92] Dipl.-Kfm. Frank Weingarten, Baum, Herbert, Prof. Dr. Kooperation zwischen Schienen- und Luftverkehr in Deutschland, 1992/12
[Hein93a] Timon Heinrici Lufthansa stoppt Airport Express, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Deutscher Verkehrs-Verlag GmbH, Hamburg, 1993/05, ISBN/ISSN 0020-9511
[Pous01] Petra F. Pousttchi Kompetenzorientiertes strategisches Management intermodaler Verkehrsdienstleistungen, Betriebswirtschaftlicher Verlag, Wiesbaden, 2001/09, ISBN/ISSN 3-8244-7468-9
Glossar
Hochgeschwindigkeitsverkehr Als Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) werden Zugfahrten von Trieb[wagen]zügen (sog. Hochgeschwindigkeitszüge) bzw. dafür geeigneten lokbespannten Zügen mit mehr als 200 km/h Spitzengeschwindigkeit auf extra dafür [um]gebauten HGV-Strecken bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?176452

Gedruckt am Donnerstag, 29. Oktober 2020 18:00:54