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Rail&Fly der Deutschen Bahn AG und ausgewählten Airlines

Erstellt am: 10.11.2005 | Stand des Wissens: 24.06.2016
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Im Jahr 1994 wurde von der Deutschen Bahn AG das Angebot Rail&Fly eingeführt. Dabei handelt es sich um eine bilaterale Kooperation zwischen der DB AG und über 90 Fluggesellschaften sowie zahlreichen Reiseveranstaltern. Rail&Fly bietet den DB-Partnern die Möglichkeit, ihre Fluggäste innerhalb Deutschlands weiter zu befördern, ohne auf die Kooperation (so genannte Interlining-Vereinbarungen) mit anderen innerdeutsch operierenden Airlines (insbesondere Lufthansa) angewiesen zu sein. Dies ist vor allem für Fluggesellschaften interessant, die in Deutschland keine Streckenrechte besitzen/keine innerdeutschen Flügen anbieten und nicht dem von Lufthansa angeführten Star Alliance-Verbund angehören. Das Produkt kann nicht vom Endkunden separat oder nachträglich an den Verkaufsstellen der DB AG erworben werden. Alle Informationen zu Rail&Fly erhalten diese nur bei ihrer Airline und ihrem Reiseveranstalter.

Rail&Fly ermöglicht es den Airlines, Zu- bzw. Abbringerstrecken innerhalb Deutschlands in das Flugticket zu integrieren. Die Airlines erwerben Bahntickets zu einem Festpreis, wobei bei hoher Abnahme Mengenrabatte gewährt werden. Diesen Bahnfahrtkupon fügen die Airlines den eigenen Tickets bei, wobei es in ihrem Ermessen liegt, inwieweit sie die Kunden an den Kosten der Bahnfahrt beteiligen [Meye02c, S. 279].

Die Rail&Fly-Flugticketergänzung beinhaltet die Bahnreise
  • Von/zu jedem der über 6.000 deutschen Bahnhöfe
  • Von/zu jedem deutschen Flughafen sowie den Flughafen Basel, auf dem gesamten DB-Streckennetz (ca. 40.000 Schienenkilometer)
  • In allen Zügen (inklusive ICE) außer Thalys, DB Autozug, Sonderzüge und begrenzt in DB Nachtzügen
  • Für die ICE Sprinter Züge besteht eine Reservierungspflicht und es wird ein separater Aufpreis in Höhe von 15,- EUR für die 1. Klasse bzw. 10,- EUR für die 2. Klasse erhoben. Sie können die Reservierung / Lösen des Aufpreises in unseren DB ReiseZentren und in allen DB Agenturen durchführen.
Rail&Fly-Coupons gelten am Tag vor dem Abflugtag, am Abflugtag, am Tag der Ankunft in Deutschland und am Tag danach.

Das mit Zielort "Railways Germany" versehene Bahnticket des Kunden ist nicht zug- oder relationsgebunden. Die nutzbaren Züge tragen keine Flugnummern, weshalb sie nicht in den Computerreservierungssystemen des Luftverkehrs geführt werden. Ein Sitzplatz ist daher nicht garantiert, kann aber - mit entsprechendem Aufwand für den Kunden - zusätzlich reserviert werden.

Die Airlines übernehmen mit dieser Art der Kooperation kein Auslastungsrisiko für die Schienenverkehrsbeförderung. Sie zahlen nur für tatsächlich in Anspruch genommene Fahrten, deren Abrechnung über das Einsammeln der entsprechenden Ticketabschnitte in den Zügen erfolgt.

Da hinsichtlich Gepäckbeförderung und Check-In-Prozess keine Schnittstellen zwischen der Bahn und den Luftverkehrsgesellschaften existiere, handelt es sich letztlich um ein reines Bahnprodukt, welches über die Luftverkehrsgesellschaften gemeinsam mit einem Flug vertrieben wird. Dies hat dazu geführt, dass die Finanzämter 2003 rückwirkend für die vergangenen fünf Jahre die Mehrwertsteuer von 16 Prozent auf den Bahnanteil der kombinierten Bahn-Flug-Tickets von der DB AG gefordert haben [SZ2002]. Ähnliche Probleme zeigen sich auch in anderen Staaten sowie bei grenzüberschreitenden Schienenverkehrsangeboten [EUKOM04k, S. 10].

Die eindeutige Trennung zwischen den Produkten hat aber auch zur Folge, dass die Bahn bei Zugverspätungen keine Haftung für evtl. verpasste Flüge übernimmt. Dieser fehlende Anspruch auf Schadensersatz wurde u.a. vom Landgericht Essen bestätigt [SPIE04; EiKn04, S. 4 f.].


E-Ticketing-Kompatibilität seit 2008

Wer das Angebot Rail&Fly buchen wollte, benötigte hierfür bis 2008 immer einen Papier-Flugschein. Seit 2008 gibt es das Bahn-Ergänzungsticket auch für E-Tickets. Die Flugscheine mit Rail&Fly-Komponente werden seit 2008 elektronisch ausgestellt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Literatur
[EiKn04] Andreas Eichinger, , Andreas Knorr Potential and Limitations of Air-rail Links - a General Overview, 2004, ISBN/ISSN 0948-3837
[EUKOM04k] Europäische Kommission Generaldirektion Energie und Verkehr Rail Air Intermodality Facilitation Forum, 2004
[Meye02c] Carsten Emil Meyer Fernbahnhöfe an Flughäfen, 2002/11/02, ISBN/ISSN 3-89936-115-6
[SPIE04] o. A. Bei verpasstem Flug muss Bahn nicht zahlen, veröffentlicht in Spiegel, 2004/04/23
[SZ2002] o. A. Kein schöner Zug, veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung, 2002/05/07
Glossar
Interlining Interlining findet statt, wenn ein Passagier mit einem Flugschein auf einer Flugreise von zwei oder mehr Luftfahrtunternehmen befördert wird. Auf Basis dieses Systems können Reisende die Dienste verschiedener Unternehmen kombinieren und eine Flugreise mit mehreren Gesellschaften nahtlos verbinden: Beim Umsteigen können sie ihre Flugreise fortsetzen, ohne ihr Gepäck in Empfang zu nehmen und wieder einchecken zu müssen, da das Gepäck automatisch an den Zielort befördert wird. Das Interliningsystem der IATA ist eines von vier bestehenden Systemen, die drei anderen sind weltweite Luftfahrtallianzen, Code-Sharing-Vereinbarungen und bilaterale Interliningvereinbarungen. Das IATA-Interlining erfolgt zu Preisen, die in den IATA-Tarifkonferenzen von allen beteiligten Luftfahrtunternehmen gemeinsam vereinbart werden. Die Beteiligung am IATA-Interline-System ist weltweit rückgängig.
Intercity-Express Intercity-Express (ICE; alte Schreibweise: InterCityExpress) ist eine Zuggattung im deutschen Schienenpersonenfernverkehr und zugleich die Bezeichnung mehrerer Triebfahrzeug-Baureihen der Deutschen Bahn. ICE-Züge werden mit Triebkopf- bzw. Triebzügen bedient, wobei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreicht werden. ICE-Verbindungen gehören somit zum Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) und verkehren in Deutschland sowie grenzüberschreitend nach Österreich, in die Schweiz, nach Frankreich, Belgien, in die Niederlande sowie nach Dänemark.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?176434

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 10:00:31