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Raumkategorien - Grundlagen der Raumstruktur

Erstellt am: 03.08.2005 | Stand des Wissens: 09.01.2020
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Raumkategorien (Raumtypen, Gebietstypen, Gebietskategorien, Raumordnungskategorien) beschreiben nach bestimmten Kriterien abgegrenzte Gebiete, die strukturell und funktionsspezifisch einheitlich sind. Es werden Gebiete mit gleichen Strukturen werden zusammengefasst und heben sich von Gebieten mit anderen Merkmalen ab [ARL05, S. 353]. Weiterhin sind Raumkategorien ein wichtiges Mittel zur Unterteilung, Beschreibung und Bewertung von Raum- und Siedlungsstrukturen und zur Formulierung von raumordnerischen Politikansätzen [BBR05a, S. 15].
Raumkategorien werden in zwei Zusammenhängen verwendet:
  • analytische Zwecke: In der Raumbeobachtung und Raumforschung dienen Raumkategorien zu analytischen Zwecken. Die Zusammenfassung von Gebieten reduziert die Komplexität und ermöglicht, Tendenzen und Zusammenhänge zu erkennen, die sonst leicht übersehen werden [ARL05, S. 353].
  • spezifische Zielsetzung: Mit den in Raumordnungsplänen ausgewiesenen Raumkategorien werden darüber hinaus raumordnungsspezifische Zielsetzungen verfolgt [ARL05, S. 353].
Nach welchen Kriterien die Raumkategorien gebildet werden (zum Beispiel siedlungsstrukturell, problemorientiert) ist nicht festgelegt. Die Anzahl und Bezeichnungen der definierten Kategorien sind daher variabel und bewegen sich beispielsweise bei siedlungsstrukturellen Ansätzen zwischen den Bereichen "Agglomerationsräume", "Verstädterte Räume" und "Ländliche Räume". Problemorientierte Ansätze weisen Raumkategorien wie "Wachstumsregionen" oder "Strukturschwache Räume" aus. Bei der Abgrenzung wird im Allgemeinen aber auf administrative Gebietseinheiten (Gemeinden, Kreise, Regionen) zurückgegriffen, für die regionalstatistisches Datenmaterial zur Verfügung steht [BBR05a, S. 15]. Die zur Abgrenzung der Raumkategorien zu Grunde liegenden Merkmale sollten ausgehend von der fachgebietsübergreifenden Funktion der Raumplanung eine breiter verwendbare Einordnung der Gebiete ermöglichen [ARL05, S. 353].
Es existieren zahlreiche Systematiken zur Raumabgrenzung beispielsweise aus der "Laufenden Raumbeobachtung", der "Laufenden Stadtbeobachtung" und der "Europäischen Raumbeobachtung". Fast alle Bundesländer nutzen in ihren Landesplänen zur Analyse des Landesgebietes Raumkategorien mit jeweils eigenen Definitionen.
Im Folgenden wird eine Übersicht möglicher Raumabgrenzungen gegeben [BBSR10a].

Raumabgrenzung der laufenden Raumbeobachtung
  • Gemeinden/Gemeindeverbände
  • Kreise/kreisfreie Städte, Kreisregionen
  • Raumordnungsregionen
  • Siedlungsstrukturelle Gebietstypen
    o Kreistypen
    o Regionstypen
    o siedlungsstrukturelle Typen der Stadt-Land-Regionen 2013
  • wachsende/ schrumpfende Gemeinden
  • Raumtypen 2010: Lage
  • Verdichtungsräume der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO)

Raumabgrenzung der laufenden Stadtbeobachtung
  • innerstädtische Lagetypen
  • Stadtregionen
  • Stadt- und Gemeindetypen

Raumabgrenzung der europäischen Raumbeobachtung
  • NUTS Regionen
  • Siedlungsstrukturelle Regionstypen Europas
    o NUTS 2-Typen (in Deutschland im Regelfall die Regierungsbezirke)
    o NUTS 3-Typen (in Deutschland Landkreise/Kreise und Kreisfreie Städte)
    o zusammengefasste NUTS 3-Typen

Für bundesweite Analysen werden vielfach die siedlungsstrukturellen Kreis- oder Regionstypen des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) verwendet [BBR05a, S. 15]. Die Abgrenzungsmethodik zur Bestimmung entsprechender Raumkategorien wurde mit den Jahren weiterentwickelt. Die Typisierungsmethoden sind auf den Seiten des BBSR beschrieben [BBSR10a].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Raumordnung und Raumentwicklung (Stand des Wissens: 09.01.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?45947
Literatur
[ARL05] Aberle, G. et al. Handwörterbuch der Raumordnung, Ausgabe/Auflage 4. neu bearbeitete Auflage, Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover, 2005, ISBN/ISSN 978-3-88838-555-1
[BBR05a] Lutter, H. Raumordnungsbericht 2005, 2005
[BBSR10a] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Raumabgrenzung, 2010
Weiterführende Literatur
[Weiß02] Weiß, W. Der Ländlichste Raum - Regional-demographische Begründung einer Raumkategorie, veröffentlicht in Raumforschung und Raumordnung, 3-4/2002, Carl Heymanns Verlag, 2002
[SMI11a] Raumkategorien, 2011/05/16
[BBSR12a] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) Raumordnungsbericht 2011, Bonn, 2012/06
[BBR_06] Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Raumordnungsprognose 2020/2050 - Bevölkerung, private Haushalte, Erwerbspersonen, Wohnungsmarkt, veröffentlicht in Berichte, Ausgabe/Auflage Band 23, Selbstverlag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, 2006
Glossar
NUTS NUTS ist die offizielle Abkürzung für "Nomenclature of Territorial Units for Statistics" von Eurostat, der Statistikbehörde der Europäischen Union. Damit bezeichnet werden territoriale Einheiten deren Größe je nach Bezeichnung (NUTS 0 - Nationalstaat, bis NUTS 3 - kleine Region oder Großstadt) variiert. Durch diese Vereinheitlichung sollen einheitliche und vergleichbare Statistik- und Forschungsarbeiten ermöglicht werden
BBSR
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Das BBSR im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ist seit 2018 eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Es berät die Bundesregierung bei Aufgaben der Stadt- und Raumentwicklung sowie des Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesens. (BMVBS bis 2013, BMUB bis 2018)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?157576

Gedruckt am Mittwoch, 27. Oktober 2021 09:57:12