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Handlungsfelder und Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements

Erstellt am: 27.01.2005 | Stand des Wissens: 29.08.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Ausgestaltung und Auswahl geeigneter Maßnahmen im Betrieblichen Mobilitätsmanagement hängt sehr stark von den örtlichen Rahmenbedingungen ab. So können bestimmte Dienstleistungen nur angeboten werden, wenn sie definiert und eingerichtet wurden.
Folgende Handlungsfelder, liegen außerhalb des BMM und sollten dennoch für ein erfolgreiches BMM berücksichtigt werden (vgl. [UBA05]):
  • Siedlungsentwicklung,
  • Handelsverflechtungen,
  • Lebensstil,
  • Verkehrsinfrastruktur.
Weil diese Handlungsfelder einen zentralen Einfluss auf die Verkehrsentstehung haben, stehen sie in wechselseitiger Abhängigkeit mit Entscheidungen von Unternehmen zu Standort und Mitarbeitermobilität.
Ausgangspunkt des BMM ist es, die Möglichkeiten vor Ort und die Bedürfnisse der Beschäftigten zu ermitteln und abzuschätzen. Daraus gilt es entsprechende Angebote zu konzipieren und anzustoßen. In der Literatur werden mögliche Maßnahmen ausführlich dargestellt ([HoSt01], [Schö03a], [ILS2012], S. 266). Die verschiedenen Maßnahmen können Handlungsfeldern und Verkehrsmitteln zugeordnet werden (siehe Abbildung 1).
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Abbildung 1: Handlungsfelder des BMM [ivm10, S. 4]
In Abbildung 1 sind die wesentlichen Handlungsfelder des Betrieblichen Mobilitätsmanagements dargestellt (vgl. auch [ILS2012], S. 267). Die abgebildeten Items stellen (im Uhrzeigersinn von oben) den Fahrradverkehr, den Öffentlichen Verkehr, die Arbeits- und Betriebsorganisation, Information, Kommunikation und Motivation, den Fußverkehr, den Motorisierter Individualverkehr/ CarSharing, sowie das Fuhrpark- und Dienstfahrtenmanagement dar.

Maßnahmen innerhalb der jeweiligen Handlungsfelder können unterscheiden werden in "harte" und "weiche" Maßnahmen (vgl. [ILS2012], S. 265). Als hart werden infrastrukturelle sowie rechtlich bindende Maßnahmen bezeichnet. Beispiele dafür sind der Einbau von Duschen für Fahrradfahrer im Betrieb und eine Verpflichtung der Mitarbeiter für Dienstreisen, den ÖPNV oder die Eisenbahn zu nutzen. Informelle und kommunikative Maßnahmen wie beispielsweise die Bereitstellung von Informationsbroschüren und Flyern für die Beschäftigten, werden demgegenüber als weich klassifiziert. Insgesamt kommt es auf eine dem Standort angepasste Mischung aus harten und weichen Maßnahmen an (vgl. [VCD96]; [HoSt01]; [mobi98]; [BiFu00]).
Aspekte der Organisation und Kommunikation sind darüber hinaus wichtige Bestandteile des BMM. Die Bedeutung einzelner Handlungsfelder und Maßnahmen für bestimmte Betriebe können nicht pauschal angenommen werden. Für jeden Betrieb sind umfassende Analysen voranzustellen [vgl. ILS2012, S. 267].
Erfolgreich kann das BMM nur sein, wenn dessen Maßnahmen bei den relevanten Akteuren (siehe hierzu Synthesebericht Akteure in der vorliegenden Wissenslandkarte) akzeptiert werden. Für die Akzeptanz des Mobilitätsplans ist es bedeutsam, dass er kooperativ erarbeitet und verabschiedet wird. Durch die schriftliche Fixierung erhält das Vorgehen eine Verbindlichkeit zwischen den Partnern. Zu den Erfolgsfaktoren eines Mobilitätsplans gehört die Schaffung von Anreizelemente. So kann etwa für Beschäftigte ein Anreiz zur ÖPNV-Nutzung entstehen, wenn Zuschüsse für ein Jobticket gezahlt werden, die beispielsweise über Parkraumbewirtschaftung finanziert werden.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) (Stand des Wissens: 30.08.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?488524
Literatur
[BiFu00] Biesinger, Alfred, Funke, Torsten, Holzwarth, Jürgen M21 - Einführung neuer telematikgestützter Mobilitätsdienstleistungen für den Berufsverkehr, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik , Ausgabe/Auflage 10, Kirschbaum Verlag GmbH Siegfriedstraße 28 53179 Bonn, 2000, ISBN/ISSN ISSN 0039-2219
[HoSt01] Müller Steinfahrt, Ulrich, Essert, Markus, Klaus, Peter , Liberda, Elisabeth, Hoppe, Frank Arbeitnehmerorientierte Mobilitätsgestaltung im Großraum Nürnberg, 2001/8
[ILS2012] Mechtild Stiewe, Ulrike Reutter (Hrsg.) Mobilitätsmanagement
Wissenschaftliche Grundlagen und Wirkungen in der Praxis, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Klartext Verlag, Essen, 2012/08, ISBN/ISSN 978-3-8375-0474-3
[ivm10] Mobilität im Unternehmen effizient gestalten
Strategien für kostensparende, energieeffiziente und umweltfreundliche Mobilität, 2010
[mobi98] mobilité Unternehmens und Kommunalberatung GmbH Leitfaden Betriebliche Mobilitätsberatung, Berlin, 1998
[Schö03a] Schöch, Roland Betriebliches Mobilitätsmanagement, 2003/04
[UBA05] Verron, Hedwig, Huckestein, Burhkard, Penn-Bressel, Gertrude, Röthke, Petra, Böke, Michael, Hülsmann, Wulf Determinanten der Verkehrsentstehung, 2005/12
Weiterführende Literatur
[ILSISB00] Konsortium MOMENTUM und MOSAIC Mobilitätsmanagement Handbuch, Ausgabe/Auflage 1, Dortmund, Aachen, 2000, ISBN/ISSN 3-8176-1097-1
[VCD96] Büro für Verkehrsökologie, Schäfer-Breede, Klaus Mobilitätsmanagement in Betrieb und Verwaltung, veröffentlicht in VCD Materialien, Ausgabe/Auflage 1. , Verkehrsclub Deutschland VCD e.V. Eifelstraße 2, 53119 Bonn, 1996
[BVWe01] Bruns, Hans-Ludwig, Vennefrohne, Klaus, Welk, Lars Mobilitätsmanagement in der betrieblichen Praxis, 2001
[ILSDP07] Müller, Guido, Steinberg, Gernot, Happel, Till, Holz-Rau , Christian , Prof. Dr.-Ing., Kemming, Herbert, Dr., Nickel, Wolfgang, Stiewe, Mechtild, Dipl.-Ing. Weiterentwicklung von Produkten, Prozessen und Rahmenbedingungen des betrieblichen Mobilitätsmanagements durch eine stärkere Systematisierung, Differenzierung und Standardisierung, 2007/08
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?128656

Gedruckt am Sonntag, 20. September 2020 21:34:03