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Marktstruktur der deutschen Binnenschifffahrt und ihre Entwicklungstendenzen

Erstellt am: 26.11.2004 | Stand des Wissens: 26.02.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die Nachfrage nach Transportleistungen der Binnenschifffahrt ist in starkem Maße von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängig und somit von Ereignissen wie der globalen Finanzkrise besonders betroffen. Nicht alle binnenschiffaffinen Güter werden jedoch in gleichem Ausmaß von einem solchen wirtschaftlichen Einbruch tangiert. So wird zum Beispiel die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen von konjunkturunabhängigen Faktoren beeinflusst [ZKR11, S. 45-54]. Insgesamt hat sich das Güterverkehrsaufkommen der Binnenschifffahrt in Deutschland in den vergangenen beiden Jahrzehnten kaum verändert (vergleiche Abbildung 1). Im Jahr 1998 wurden insgesamt rund 236 Millionen Tonnen Güter mit Binnenschiffen transportiert, im Jahr 2008 lag das Verkehrsaufkommen der Binnenschifffahrt bei circa 245 Millionen Tonnen. Bedingt durch die Wirtschaftskrise sank das Aufkommen im Jahr 2009 auf etwa 200 Millionen Tonnen. Im Jahr 2017 betrug das Aufkommen 222,7 Millionen Tonnen, was dem Niveau der Vorjahre entspricht. [ Stat15a; BMVI18s].


Verkehrsaufkommen.JPGAbb. 1: Güterverkehrsaufkommen der Binnenschifffahrt in Millionen Tonnen von 1998 bis 2015 [BMVI18s, S.240 f.]
Die Einnahmen der deutschen Binnenschifffahrt sind seit dem Jahr 2011 relativ konstant, haben jedoch in den letzten zwei Jahren leicht abgenommen und beliefen sich im Jahr 2017 auf 1.750 Millionen Euro [BMVI18s, S.47]. Der Güterumschlag betrug im gleichen Jahr rund 263,5 Millionen Tonnen, wobei das Rheingebiet mit 168 Millionen Tonnen, gefolgt von dem westdeutschen Kanal- und dem Elbgebiet, den mit Abstand größten Umschlag verbuchte [BMVI18s, S.65].

Struktur von Angebot und Nachfrage
Der deutsche Binnenschifffahrtsmarkt ist durch ein weitgehend fragmentiertes Angebot mit zahlreichen Kleinbetrieben (Partikuliere) gekennzeichnet. Häufig verfügen diese nur über ein selbst betriebenes Schiff, das zumeist von größeren Unternehmen befrachtet wird [PLAN03c]. Kleinunternehmen neigen besonders in Schwächeperioden des Marktes zu betriebswirtschaftlich wenig rationalen Verhaltensweisen, das heißt sie bleiben auch zu nicht kostendeckenden Frachtraten im Markt. Sie haben oft nur wenig direkten Kontakt zu den Verladern und unzureichende Fähigkeiten zur Modernisierung und Personalentwicklung. Demgegenüber ist die Nachfrage, entsprechend den binnenschiffaffinen Güterarten, vorrangig bei industriellen Großverladern und Großhändlern konzentriert, welche zumeist weiträumig agierende Logistiksysteme für Versorgung und Absatz unterhalten. Ein Beispiel ist das Handelsunternehmen Tchibo, das Container mit Handelsware vom Seehafen Bremerhaven per Binnenschiff zum Neustädter Hafen in Bremen transportieren lässt. Großverlader schließen zumeist Jahreskontrakte für große Mengen ab, weiterhin werden aber auch flexible Reaktionen auf kurzfristige Bedarfsschwankungen gefordert [HdDS05].

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Binnenschifffahrt (Stand des Wissens: 03.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?90920
Literatur
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[HdDS05] Seitz, Manfred, Michlitz, Eva Handbuch der Donauschifffahrt, 2005/05/01
[PLAN03c] o.A. Potenziale und Zukunft der deutschen Binnenschifffahrt - Erläuterungsbericht , 2003/11
[Stat15a] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Güterverkehrsstatistik der Binnenschifffahrt, 2015/02
[ZKR11] k.A. Marktbeobachtung der europäischen Binnenschifffahrt 2011-II, Marktbeobachtung Nr. 14, Situation von Angebot und Nachfrage zur Jahresmitte 2011 und Ausblick auf 2012, 2011/11
Glossar
Partikuliere Auch Klein-, Privat- oder Einzelschiffer. Sie sind meist Schiffsführer ihrer eigenen Schiffe. Sie besitzen bis zu drei Schiffe und haben keine eigene kaufmännische Landorganisation.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?123606

Gedruckt am Samstag, 30. Mai 2020 23:36:07