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Binnenschifffahrt im Wettbewerb

Erstellt am: 26.11.2004 | Stand des Wissens: 26.02.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Deutsche Binnenschiffer stehen in einem intensiven Wettbewerb sowohl mit nationalen als auch mit internationalen Konkurrenten. Der nationale Wettbewerb ist von einer atomisierten Anbieterstruktur geprägt. Viele deutsche Binnenschiffer sind Kleinbetriebe, die nur über ein selbst betriebenes Schiff verfügen. Gleichzeitig sind Nachfrager zumeist industrielle Großverlader und Großhändler (siehe Synthesebericht "Marktstruktur der deutschen Binnenschifffahrt und ihre Entwicklungstendenzen"). Es existiert dementsprechend ein Machtungleichgewicht zu Lasten der Binnenschifffahrtsunternehmen. Im internationalen Wettbewerb steht den deutschen Binnenschiffern insbesondere Konkurrenz aus den Niederlanden gegenüber. Insgesamt wurden im Jahr 2016 etwa 70 Prozent des Binnenschifffahrtsaufkommens in Deutschland von ausländischen Binnenschiffern transportiert [BMVI17q, S.241].

Die Binnenschifffahrt befindet sich auch im intermodalen Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern. Dieser wird insbesondere von der verkehrs- und umweltpolitisch gewünschten Entwicklung des Modal Splits zugunsten massenleistungsfähiger Verkehrsmittel beeinflusst. Die Binnenschifffahrt zeichnet sich durch eine im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern günstige Umweltbilanz aus. Im Vergleich der relativen Energiekosten pro TEU oder geleisteten Tonnenkilometer hat das Binnenschiff "auf Grund der größeren Transportmenge auf langen Relationen Vorteile gegenüber dem Verkehrsträger Lkw und in geringerem Maße auch gegenüber der Bahn" [UNIC09a, S. 55]. Deshalb ist es ein verkehrspolitisches Ziel, den Anteil der Binnenschifffahrt am Seehafenhinterlandverkehr der Nordseehäfen zu erhöhen [KeKa12]. In Deutschland steht Hinterlandtransporten per Binnenschiff eine nicht optimal ausgebaute Infrastruktur gegenüber, was zu deutlichen Nachteilen gegenüber anderen Verkehrsträgern und im internationalen Vergleich führt [PLANCO07a; Hild08]. Im Hinterlandverkehr der niederländischen und belgischen Seehäfen ist das Binnenschiff dementsprechend deutlich wettbewerbsfähiger als auf deutschen Wasserwegen [PLANCO07a].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Binnenschifffahrt (Stand des Wissens: 03.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?90920
Literatur
[BMVI17q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2017/2018, Ausgabe/Auflage 46. Jahrgang, 2017, ISBN/ISSN ISBN 978-3-87154-617-4
[Hild08] Hildebrand, Wolf-Christian Management von Transportnetzwerken im containerisierten Seehafenhinterlandverkehr - Ein Gestaltungsmodell zur Effizienzsteigerung von Transportprozessen in der Verkehrslogistik, veröffentlicht in Schriftenreihe Logistik der Technischen Universität Berlin, Ausgabe/Auflage Band 6, 2008
[KeKa12] Kerstgens, Heinrich, Kahl, Kristin Perspektiven des Kombinierten Verkehrs mit Binnenschiff, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, 2012/02
[PLANCO07a] Bundesanstalt für Gewässerkunde, PLANCO Consulting GmbH Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Schiff, Straße, Schiene, o.O., 2007/11
[UNIC09a] UNICONSULT Universal Transport Consulting Konzeptstudie zur Verkehrsverlagerung vom Lkw auf Binnenschiffe und zur Stärkung der Hinterlandverkehre, Hamburg, 2009/01
Glossar
Twenty-foot equivalent unit Zwanzig-Fuß-Äquivalente-Einheit (Twenty-foot Equivalent Unit). Eine statistische Hilfsgröße auf der Basis eines 20-Fuß-ISO-Containers (6,10 m Länge) zur Beschreibung von Verkehrsströmen oder -kapazitäten. Ein genormter 40'-ISO-Container der Reihe 1 entspricht 2 TEUs.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
tkm tkm = Tonnenkilometer Die Einheit Tonnenkilometer [tkm] beschreibt die im Rahmen einer Güterbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Gütermenge (Summe der beförderten Güter in Tonnen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km. Verkehrsarbeit [tkm] = Gütermenge [t] * Wegstrecke [km]
Modal Split Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Seehafenhinterlandverkehr Als Seehafenhinterlandverkehr werden im Allgemeinen der Zu- und Ablaufverkehr der Seehäfen mit den Verkehrsträgern Straße, Schiene und Binnen- bzw. Küstenschiff zu den Wirtschaftszentren im Binnenland bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?123603

Gedruckt am Mittwoch, 3. Juni 2020 05:06:34