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Ertragslage deutscher Binnenschifffahrtsunternehmen

Erstellt am: 26.11.2004 | Stand des Wissens: 26.07.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Einnahmen in der deutschen Binnenschifffahrt in den Jahren 1995 bis 2019. Von 2001 bis 2004 waren diese zunächst leicht rückläufig und stiegen dann bis zum Jahr 2008 deutlich an. Die steigenden Einnahmen resultierten vor allem aus der Erhöhung der Transportmengen und -preise bei relativ günstigen Wasserverhältnissen, da bei geringer Wasserführung die Beförderungskosten steigen [ZKR08, S.12f.]. Bedingt durch die Wirtschaftskrise fiel der Umsatz der deutschen Binnenschifffahrt im Jahr 2009 stark, wobei anschließend eine Phase der Erholung einsetzte. Im Jahr 2013 konnten erstmalig wieder Einnahmen auf Vorkrisenniveau generiert werden. Seitdem stagnierten die Einnahmen und sanken im Jahr 2017 auf 1.750 Millionen Euro leicht ab. In den beiden Folgejahren erholten sich die Einnahmen wieder und lagen im Jahr 2019 bei 1.890 Millionen Euro [BMVI22b, S.57]. Allerdings ist anzumerken, dass der Umsatz des Wirtschaftszweigs der Güterbeförderung in der Binnenschifffahrt nach Jahren der positiven Entwicklung im Jahr 2019 um circa 12 Prozent gesunken ist (BGB20, S. 5).

Ertragslage Binnenschifffahrt.pngAbb. 1: Einnahmen deutscher Binnenschifffahrtsunternehmen (in Millionen Euro) von 1995 bis 2019 [BMVI22b, S.57]
Die deutsche Binnenschifffahrt wird von kleinen und mittleren Unternehmen dominiert. Rund zwei Drittel der Unternehmen (549 Unternehmen) erzielten im Jahr 2015 einen Umsatz von weniger als 500.000 Euro, 320 Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz von mehr als 500.000 Euro [Destatis17e, S.59].

Der insgesamt positiven Umsatzentwicklung der Binnenschifffahrt steht ein ebenfalls deutlicher Anstieg der Kosten gegenüber [ZKR11]. Bei dem Betrieb von Binnenschiffen fallen primär fixe Kosten an: Personalkosten, Finanzierungskosten, Abschreibungen und Versicherungskosten. Im Wesentlichen sind nur die Treibstoffkosten als variable Kosten anzusehen. Die Kostenstruktur hängt außerdem vom Schiffstyp und der befahrenen Route ab [ZKR11, S. 65]. Berechnungen der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) zufolge haben die Treibstoffkosten einen Anteil von 20 Prozent an den Betriebskosten eines Gütermotorschiffs im Einzelbetrieb, 40 Prozent entfallen auf Lohn- und Personalkosten sowie 40 Prozent auf übrige Kosten, insbesondere Zinsen, Versicherung und Wartung [ZKR08, S. 19].


Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Binnenschifffahrt (Stand des Wissens: 26.07.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?90920
Literatur
[BGB20] Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V (Hrsg.) Daten & Fakten 2019/2020, 2020
[BMVI22b] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2021/2022, 2021/9
[Destatis17e] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Güterverkehrsstatistik der Binnenschifffahrt 2016, 2017/04
[ZKR08] k.A. Marktbeobachtung der europäischen Binnenschifffahrt 2007-2, Marktbeobachtung Nr. 6, Konjunkturbericht Ende 2007, Anfang 2008, 2008/06
[ZKR11] k.A. Marktbeobachtung der europäischen Binnenschifffahrt 2011-II, Marktbeobachtung Nr. 14, Situation von Angebot und Nachfrage zur Jahresmitte 2011 und Ausblick auf 2012, 2011/11
Glossar
Betriebskosten
Betriebskosten sind laufende Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Erbringung von Verkehrsleistungen entstehen. Hierzu zählen zum Beispiel Aufwendungen für Energie, Personal, oder Infrastrukturnutzung.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?123521

Gedruckt am Samstag, 28. Januar 2023 01:36:42