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Güterstruktur in der deutschen Binnenschifffahrt

Erstellt am: 26.11.2004 | Stand des Wissens: 29.03.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

In der Binnenschifffahrt dominiert der Transport von Massengütern. So wurden im Jahr 2017 rund 76 Prozent der Verkehrsleistung mit Massenguttransporten erzielt [BaG18, S.31]. Hierbei sind insbesondere die folgenden Gütergruppen relevant [BMVI18s, S.253]:
  • Erze, Steine und Erden (circa 57 Millionen Tonnen)
  • Kokerei- und Mineralölerzeugnisse (circa 38 Millionen Tonnen)
  • Kohle, Rohöl und Erdgas (circa 31 Millionen Tonnen)
  • Chemische und Mineralerzeugnisse (circa 27 Millionen Tonnen)
Seit Anfang der 1990er Jahre wächst zudem die Bedeutung des Containerverkehrs. Wurden im Jahr 1995 noch 0,72 Millionen TEU transportiert, ist die Zahl im Jahr 2017 auf 2,6 Millionen TEU gestiegen [destatis12e; Stat14g; Destatis17a].
Der industrielle Wandel von der Massengutproduktion zur Stückgutproduktion in Deutschland lässt sich auch in der Zusammensetzung transportierter Güter in der Binnenschifffahrt (vgl. Abbildung 1 und 2) erkennen.
Verkehrsaufkommen ausgewählter Gütergruppen in der Binnenschifffahrt, Anteile 1995Abb. 1: Verkehrsaufkommen ausgewählter Gütergruppen in der Binnenschifffahrt, Anteile 1995  [VBW11]

Gueterstruktureffekt2019.JPG
Abb. 2: Verkehrsaufkommen ausgewählter Gütergruppen in der Binnenschifffahrt, Anteile 2017 [BMVI16c, S.253]
Dem folgenden zahlenmäßigen Vergleich sei der Hinweis vorangestellt, dass im Jahr 2007 eine neue Gütersystematik (NST-2007) für die Verkehrsstatistik eingeführt wurde. In diesem Zusammenhang hat sich die Zusammensetzung verschiedener Gütergruppen verändert. Für die Argumentation in diesem Artikel, für den Zahlen von 1995 mit Zahlen von 2017 verglichen wurden, bleiben die wesentlichen Erkenntnisse jedoch bestehen. In Klammern werden im Folgenden zum besseren Verständnis zusätzlich die alten Gütergruppen genannt.

Erze, Steine und Erden (vorher Steine und Erden) verlieren zwar im Vergleich zum Jahr 1995 leichte Anteile, konnten im Jahr 2017 allerdings ein Plus von 9,1 Prozent im Vergleich zu Vorjahr erzielen und befinden sich somit momentan wieder in einem Aufwärtstrend [BaG18, S.32]. Darüber hinaus stieg seit 1995 die Bedeutung zum einen der Konsumgüter zum kurzfristigen Verbrauch (vorher: Fahrzeuge, Maschinen, Halb- und Fertigwaren) zum anderen von chemischen und Mineralerzeugnissen.

Der Zuwachs seit Anfang der 1990er Jahre bei Maschinen und Ausrüstungen, langlebigen Konsumgütern und Konsumgütern zum kurzfristigen Verbrauch spiegelt - wenn auch unvollständig wegen Mängeln in der statistischen Zuordnung - die wachsende Bedeutung des Containertransports mit dem Binnenschiff wider, besonders im Hinterlandverkehr der Seehäfen [PLANCO07a, S. 84ff.].

Der Transport von Kohle nahm nach 1995 vorerst zu, was sich unter anderem dadurch erklären lässt, dass heimische Kohle in wachsendem Umfang durch Importkohle substituiert wurde, die von den Rheinmündungshäfen kostengünstig mit Binnenschiffen abtransportiert werden konnte [PLANCO07a, S. 97ff.]. . Im Zuge der Energiewende und des in diesem Zusammenhang mittelfristig geplanten Kohleausstiegs ist nun jedoch ein rückläufiger Trend bei den Kohletransporten auf deutschen Wasserstraßen zu beobachten. Seit dem Jahr 2013 reduzierte sich die Verkehrsleistung der Güterabteilung Kohle, rohes Erdöl und Erdgas um rund 2,2 Milliarden Tonnenkilometer [BaG18, S.32].
 
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Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Binnenschifffahrt (Stand des Wissens: 03.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?90920
Literatur
[BaG18] Bundesamt für Güterverkehr (BaG) (Hrsg.) Marktbeobachtung Güterverkehr - Jahresbericht 2017, 2018/07
[BMVI16c] Radke, Sabine Verkehr in Zahlen 2016/2017, Ausgabe/Auflage 45, 2016/09, ISBN/ISSN 978-3-87154-591-7
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[destatis12e] k.A. Güterverkehrsstatistik der Binnenschifffahrt, 2013/06/26
[Destatis17a] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Güterbeförderung der Binnenschifffahrt stagniert 2016, 2017/03
[PLANCO07a] Bundesanstalt für Gewässerkunde, PLANCO Consulting GmbH Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Schiff, Straße, Schiene, o.O., 2007/11
[Stat14g] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Binnenschifffahrt 2013: 1,7% mehr Güter, 2014/04/01
[VBW11] Verein für europäische Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V. (VBW) (Hrsg.) Eignung der Binnenwasserstraßen für den Containertransport, 2011/01/01
Glossar
Twenty-foot equivalent unit Zwanzig-Fuß-Äquivalente-Einheit (Twenty-foot Equivalent Unit). Eine statistische Hilfsgröße auf der Basis eines 20-Fuß-ISO-Containers (6,10 m Länge) zur Beschreibung von Verkehrsströmen oder -kapazitäten. Ein genormter 40'-ISO-Container der Reihe 1 entspricht 2 TEUs.
tkm tkm = Tonnenkilometer Die Einheit Tonnenkilometer [tkm] beschreibt die im Rahmen einer Güterbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Gütermenge (Summe der beförderten Güter in Tonnen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km. Verkehrsarbeit [tkm] = Gütermenge [t] * Wegstrecke [km]
Konsumgüter Als Konsumgüter bezeichnet man Güter, die primär für den privaten Ge- oder Verbrauch hergestellt und gehandelt werden. Konsumgüter können in zwei Kategorien unterteilt werden; Verbrauchsgüter und Gebrauchsgüter.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?123494

Gedruckt am Mittwoch, 3. Juni 2020 04:36:36