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Technische Rahmenbedingungen des Verkehrsmanagements

Erstellt am: 28.10.2004 | Stand des Wissens: 09.12.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Der Einsatz technischer Systeme im Rahmen des Verkehrsmanagements findet auf unterschiedlichen Ebenen statt und dient der Bewältigung der vier Aufgabenbereiche:
  • Erfassung und Aufbereitung
  • Übertragung,
  • Verarbeitung sowie
  • Präsentation
von Kenngrößen, Signalen, Daten und Informationen. Die Ebenen werden von BuHo04 unterschieden in die:
  • Feldebene, auf der die Kenngrößen des Verkehrs mittels geeigneter Sensoren ermittelt werden
  • Stationsebene, auf der die Daten mehrerer Sensoren gesammelt und verarbeitet, gegebenenfalls auch Steuerbefehle generiert werden
  • Zentralenebene, auf der die aggregierten Daten aus mehreren Stationen weiter verarbeitet werden, wobei Verkehrszustände rekonstruiert oder prognostiziert, Störungen detektiert, Verkehrslageberichte erzeugt oder Steuerbefehle und Routing-Empfehlungen abgeleitet werden können
  • Endgeräteebene, welche eine Individualisierung von Verkehrsinformationen ermöglich
Bei der Erfassung des Verkehrsablaufs im Straßenverkehr sind insbesondere Verkehrskenngrößen wie Verkehrsstärke, Belegungszustand sowie mittlere Geschwindigkeit relevant. Lokale Erhebungen finden mittels Induktionsschleifen, Infrarotdetektoren oder anderen punktuell installierten Sensoren statt. Bei der streckenbezogenen Erfassung finden Video- oder Infrarotkameras, Radar oder Laserscanner Anwendung. Bei ausreichender Geräteausstattung der Fahrzeugflotte können auch über die Floating-Car-Data- oder Floating-Phone-Data-Methode geeignete Daten über Geschwindigkeit und Verkehrsdichte im Netz erzeugt werden. [SaRie14]

Beim Betrieb im öffentlichen Verkehr (ÖV) sind die aktuelle Fahrzeugposition und die Fahrzeugauslastung die maßgeblichen Kenngrößen für die Beurteilung des Verkehrsablaufs. Zur Erfassung der Fahrzeugposition ist neben dem Einsatz konventioneller Systeme (elektromechanische, induktive und Baken-Systeme zur punktuellen Ortung, durch zusätzliche Wegzähler ist die tatsächliche Position im Linienbetrieb ermittelbar) auch eine Satelliten-Ortung mittels GPS oder eine Mobilfunk-basierte Ortung möglich [VDV01b, RaWe11]. Die automatische Fahrgastzählung in den Fahrzeugen erfolgt mittels unterschiedlicher Methoden, zum Beispiel Trittmatten, Lichtschranken oder Infrarotsysteme. [VDV01b, BMVBW01ad, RaWe11, Kies13]

Um technisch sicherzustellen, dass die auf verschiedenen Ebenen (Bund, Land, Stadt) erfassten Daten optimal genutzt werden können, wurde im Projekt "Vernetzung der automatisiert gewonnenen Verkehrsinformationen des Bundes, des Landes und ausgewählter Großstädte als Voraussetzung für ein integriertes, zuständigkeitsübergreifendes Verkehrsmanagement" ein Leitfaden erarbeitet, der für die Zukunft eine Vernetzung der Systeme zuständigkeitsübergreifend erleichtern soll [BMVBS07j]. Auch auf Europäischer Ebene erfolgen seit Jahren Anstrengungen, technische Rahmenbedingungen (Inhalte, Schnittstellen und anderes) gemeinsam zu standardisieren.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Sicherung der Mobilität durch Verkehrsmanagement (Stand des Wissens: 19.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?33546
Literatur
[BMVBS07j] Dinkel, Alexander, Dipl.-Ing. , Schimandl, Florian, Dipl.-Ing. , Jentsch, Heiko, Dipl.-Ing., Boltze, Manfred, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Busch, Fritz, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Leitfaden für die Vernetzung dynamischer Verkehrsbeeinflussungssysteme im zuständigkeitsübergreifenden Verkehrsmanagement, 2007/04/30
[BMVBW01ad] Beratungsgesellschaft für Leit-, Informations- + Computertechnik mbH, Institut für Bahntechnik GmbH, Janecke, Jörn, Weber, Stefan, Nuszkiewicz, Andrzej, Busse, Jürgen Strategie für eine verkehrsmittelübergreifende Fahrgastlenkung im ÖPNV mit Hilfe vernetzter dynamischer Fahrgastinformation in Ballungsräumen, 2001/05
[BuHo04] Reupke, Hartmut, Dipl.-Ing., Busch, Fritz, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Hoyer, Robert, Dr.-Ing., Keller, Hartmut, Prof. Dr./UCB, Zackor, Heinz, Prof. Dr.-Ing. Telematikanwendungen im Straßenverkehr - Stand und Perspektiven, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 06/2004 (Teil 1), 07/2004 (Teil 2), Kirschbaum Verlag Bonn-Bad Godesberg, 2004, ISBN/ISSN 0039-2219
[Kies13] Wolfgang Kieslich, Hanfried Albrecht, Alexander Dinkel, Tobias Henninger, Dr.-Ing. Martian Rose, Michael Weber Entwicklung einer ÖV-IVS-Rahmenarchitektur in Deutschland unter Einbindung Europäischer IVS-Richtlinien mit ÖV-Relevanz, 2014/03
[RaWe11] Berthold Radermacher, Andreas Wehrmann VDV-Mittteilung 3001: "Kommunikation im ÖV (IP-KOM-ÖV)
- Technische Anforderungen für Anwendungen
im Integrierten Bordinformationssystem (IBIS)", 2011/11
[SaRie14] Sandrock, M., Riegelhuth, G. Verkehrsmanagementzentralen in Kommunen - Eine vergleichende Darstellung, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2014, ISBN/ISSN 978-3-658-04390-2
[VDV01b] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Telematik im ÖPNV in Deutschland / Telematics in Public Transport in Germany, Alba Fachverlag, Postfach 110150, Düsseldorf, 2001, ISBN/ISSN 3-87094-648-2
Weiterführende Literatur
[BMVBW01w] Bormann, Henning, Henninger, Tobias, Dr.-Ing., Zimmermann, Peter, Dr. Intermodale und multimodale Telematikdienste, Märkte, Produkte, Lösungen und Organisationsmodelle für den Personenverkehr, 2001
Glossar
ÖV
Der öffentliche Verkehr (ÖV) ist im Personen-, Güter- und Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen sowohl die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch die öffentlichen Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten Multimodalität wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch alternative Bedienformen, Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Verkehrsstärke
Die Verkehrsstärke ist eine Kennzahl für die Stärke eines Verkehrsstroms an einem Querschnitt, gemessen in der Anzahl der Verkehrseinheiten, die diese Stelle pro Zeiteinheit passieren. Man spricht in diesem Zusammenhang von Streckenbelastung, wenn sich die Quantifizierung des Verkehrsstroms alternativ auf einen betrachteten Streckenabschnitt und nicht auf einen Querschnitt bezieht.
Verkehrsstärke = Verkehrseinheiten am Querschnitt / Bezugsperiode
Gebräuchliche Einheiten für die Verkehrsstärke sind z. B. Fahrzeuge [Fzg] pro Tag [24h] oder Stunde [h] (z. B. durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke, kurz DTV [Fzg/24h])
Radar Radio Detecting and Ranging Dieses elektromagnetische Ortungsverfahren beruht auf dem Prinzip des Echos. Man unterscheidet zwischen Primär- und Sekundärradar.
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?117561

Gedruckt am Montag, 6. Juli 2020 19:27:01