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Steuerung des Verkehrsablaufs als Mittel des Verkehrsmanagements

Erstellt am: 25.10.2004 | Stand des Wissens: 17.12.2019
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TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Maßnahmen zur Steuerung des Verkehrsablaufs dienen der direkten Beeinflussung der Verkehrsteilnehmer "on-trip", das heißt während der Fahrt. Dadurch soll eine bessere Auslastung der vorhandenen Systemkapazitäten erzielt werden. Positive Effekte sind ein verbesserter Verkehrsablauf, reduzierte Stauerscheinungen, geringere Unfallzahlen sowie eine Verbesserung der Aufenthalts- und Umweltqualität. (FGSV02)
Für den Bereich Straßenverkehr dienen folgende Maßnahmen der Verkehrssteuerung:
  • Lichtsignalanlagen,
  • Wechselwegweisungen,
  • Linienbeeinflussungen,
  • Zufahrtsdosierungen und
  • Parkleitsysteme (für den Straßenpersonenverkehr).
Der öffentliche Verkehr kann durch beschleunigende oder steuernde Maßnahmen im Betriebsablauf, wozu auch die Anschlusssicherung zählt, positiv beeinflusst werden.
Die zur Verkehrssteuerung notwendigen Informationen werden auf vielfältige Weise auf unterschiedlichen Ebenen (Bund, Länder, Städte) gewonnen. BMVBS07i zeigt Möglichkeiten auf, wie in Zukunft bereits beim Aufbau von Verkehrsmanagementsystemen sichergestellt werden kann, dass die verschiedenen Informationen der unterschiedlichen Ebenen besser miteinander vernetzt und somit effektiver eingesetzt werden können. Ein ähnlicher Ansatz, speziell für Intelligente Verkehrssysteme (IVS) im öffentlichen Verkehr (ÖV), wird in [Kies13] dargestellt.
Ein Beispiel, wie man den Verkehrsablauf innerstädtisch innovativ per Wechselwegweisung steuern kann, gibt die niederländische Stadt Den Haag. In Mole05 wird eine erste Bilanz gezogen, wie sich das im Jahr 2000 in Den Haag installierte Verkehrssteuerungssystem bewährt hat. So gaben beispielsweise 32 Prozent der 285 befragten Personen an, die Informationen der installierten Wechselwegweisungsschilder für ihre Wegewahl zu nutzen. Insgesamt 25 Prozent der Befragten haben bereits aufgrund der Empfehlungen die Alternative zur üblichen Route genommen.
Ein erfolgreiches Beispiel für die Steuerung des Verkehrsablaufs auf Autobahnen ist die Verkehrsrechnerzentrale der Autobahndirektion Nordbayern. Bei dem komplexen Projekt (Ziele der Systemkonzeption siehe Ermer07a) wurden viele historisch gewachsene Systeme mit der Hilfe einer Standard-Software in einem modularen Gesamtsystem (siehe Abbildung 1) integriert. In der betrieblichen Praxis wurde die Leistungsfähigkeit des Systems nachgewiesen; das System hat sich inzwischen nachhaltig bewährt. [Ermer07a]
Systemarchitektur_VRZ.gifAbb. 1: Systemarchitektur der Systemintegration VRZ Nordbayern (eigene Darstellung nach Ermer07a, Bild 2)
Ein Beispiel für die betreiberübergreifende Vernetzung im dynamischen Verkehrsmanagement stellt ein Gemeinschaftsprojekt der Autobahndirektion Nordbayern, der Stadt Nürnberg und der Nürnberg Messe GmbH dar. Das Verkehrsleitsystem der Stadt Nürnberg wurde im Jahr 2004 in Betrieb genommen. [Hilpp07a]
Im Rahmen mehrerer Forschungs- und Fördervorhaben des Bundes und des Freistaates Sachsen wurde das operative Verkehrsmanagementsystem VAMOS entwickelt und als das Verkehrsmanagementsystem für die Landeshauptstadt Dresden schrittweise aufgebaut. Dieses System vernetzt die in der Region verfügbaren Verkehrsdetektoren und die verschiedenen Verkehrssteuerungs- und -leitsysteme des städtischen Straßennetzes sowie der Autobahnen. Auf Grundlage der ermittelten Verkehrslage steuert das System VAMOS verschiedene Verkehrssteuerungssysteme vollautomatisch. VAMOS stellt außerdem als Content-Provider Informationen und Service-Dienste zur Verfügung.
Aufgrund der engen Zusammenarbeit des Betreibers mit der Technischen Universität Dresden wird das VAMOS-Projekt auch vielseitig für Telematik-Tests genutzt. [Krim14] Neben dem generellen Ausbau sind die nächsten Schritte des Projektes die gezielte Nutzung der Verkehrsbeeinflussung zur Verringerung der Schadstoffbelastung und die Entwicklung von individuellen Anwendungen, wie beispielsweise Ampelassistenten auf Basis der durch VAMOS gewonnen Informationen. Einige der erfolgreich implementierten Funktionen von VAMOS sollen auch wirtschaftlich vermarktet werden und können damit den Aufbau von Verkehrsleitsystemen in anderen Städten unterstützen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Informationsbereitstellung und Steuerung des Verkehrsablaufs als Maßnahme des Verkehrsmanagements (Stand des Wissens: 19.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?33575
Literatur
[BMVBS07i] Dinkel, Alexander, Dipl.-Ing., Schimandl, Florian, Dipl.-Ing., Jentsch, Heiko, Dipl.-Ing., Boltze, Manfred, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Busch, Fritz, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Vernetzung der automatisiert gewonnenen Verkehrsinformationen des Bundes, des Landes und ausgewählter Großstädte als Voraussetzung für ein integriertes, zuständigkeitsübergreifendes Verkehrsmanagement, 2007/04/30
[Ermer07a] Ermer, Peter, Gerlach, Thomas, Zeh, Thomas Systemintegration der Verkehrsrechnerzentrale Nordbayern, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 5.2007, 2007
[FGSV02] FGSV-Arbeitsausschuss 1.1 "Grundsatzfragen der Verkehrsplanung", FGSV-Arbeitsausschuss 1.7 "Sonderfragen des Stadtverkehrs" Verkehrsmanagement - Einsatzbereiche und Einsatzgrenzen [FGSV-Arbeitspapier Nr. 56], veröffentlicht in FGSV-Arbeitspapiere, Ausgabe/Auflage 1. , 2002
[Hilpp07a] Hilpp, Friedrich Veranstaltungsverkehr im Ballungsraum - Interurbanes Management am Beispiel Nürnberg, veröffentlicht in Verkehr und Technik, Ausgabe/Auflage Heft 10, Erich Schmidt Verlag GmbH & Co., 2007/10, ISBN/ISSN 0340 - 4536
[Kies13] Wolfgang Kieslich, Hanfried Albrecht, Alexander Dinkel, Tobias Henninger, Dr.-Ing. Martian Rose, Michael Weber Entwicklung einer ÖV-IVS-Rahmenarchitektur in Deutschland unter Einbindung Europäischer IVS-Richtlinien mit ÖV-Relevanz, 2014/03
[Krim14] Jürgen Kimmling Das Dresdner Verkehrsmanagementsystem
VAMOS, veröffentlicht in Verkehrsmanagementzentralen in Kommunen, Springer Fachmedien Wiesbaden , 2014/10/14
[Mole05] Molenschot, Toine Coastal Tide, veröffentlicht in traffic technology international, Ausgabe/Auflage Dec 05 / Jan 06, 2005, ISBN/ISSN 1356-9252
Weiterführende Literatur
[Hilpp07] Hilpp, Friedrich Die intelligente Straße der Zukunft - Elektronische Verkehrsleitsysteme in Ballungszentren, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 11, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2007/11
[FrKe02] Friedrich, Bernhard , Schütte, Christian, Keßler, Dirk Strategisches Verkehrsmanagement - Eine konsistente Theorie und ihre Umsetzung, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 4, Kirschbaum-Verlag Bonn, 2002, ISBN/ISSN 0039-2219
[GrNi99] Grunow, Volker, Niksch, Thomas, Strop, Oliver Verkehrsmanagement im Zeichen von Großveranstaltungen - Beispiel europäische Kulturhauptstadt Weimar 1999, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 5, Kirschbaum-Verlag Bonn, 1999, ISBN/ISSN 0039-2219
Glossar
ÖV
Der öffentliche Verkehr (ÖV) ist im Personen-, Güter- und Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen sowohl die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch die öffentlichen Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten Multimodalität wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch alternative Bedienformen, Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Telematik Der Begriff Telematik ist aus den Worten Telekommunikation und Informatik zusammengesetzt und bezeichnet Technologien, die Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik miteinander verknüpfen.
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?116890

Gedruckt am Mittwoch, 3. Juni 2020 05:49:17