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Nachhaltigkeit im Kontext des Mobilitätsverhaltens an Schulen

Erstellt am: 08.10.2004 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Nutzung des Automobils wird von Kindheit an als natürliches Fortbewegungsmittel erlebt: Kinder werden sicher und schnell im Pkw transportiert. Dabei wird der Pkw vor allem eingesetzt, da er die Mobilitätsansprüche von Eltern mit überdurchschnittlich vielen Wegen am besten bedienen kann. Bringdienste erzeugen daher v. a. an Einrichtungen, die von Kindern aufgesucht werden, verstärkt Pkw-Verkehr, obwohl Kinder die eigenen Füße und das Fahrrad bevorzugen [FlHa04; Krei02].
85 % der 14- bis 17-Jährigen verfügen über ein Fahrrad. Genutzt wird es aber von nur 39 % täglich und von 23 % wöchentlich. Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen 52 % täglich und 15 % wöchentlich. Der Pkw wird dagegen von 36 % täglich und von 46 % wöchentlich genutzt [DIW03c, S. W10 ff.].
Laut der bundesweiten Befragung MOBILITÄT IN DEUTSCHLAND (MiD) - eine Befragung von rund 50.000 Haushalten zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) - sieht die Verkehrsmittelwahl / der Modal-Split beim Wegezweck Ausbildung/Schule wie folgt aus:
Verkehrsmittelwahl zum Zweck Abb. 1: Verkehrsmittelwahl zum Zweck "Ausbildung" [infas10] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Anhand der Abbildung 1 wird deutlich, dass ein großer Teil der Auszubildenden unter 10 Jahre mit dem Pkw zur Schule gebracht wird, obwohl sich diese in der Primärstufe zumeist in der näheren Umgebung des Wohnorts befinden. Erst mit höherem Alter verringert sich der Anteil der Bringdienste mit dem Pkw [infas10].
Die "Gewährleistung von Mobilität aller Bevölkerungsgruppen ohne [die Gefährdung der] Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen" [UBA05b, S. 17] wird mit dem Ausdruck "nachhaltige Mobilität" beschrieben. Ziel einer nachhaltigen Mobilitätsplanung ist es, negative Verkehrsauswirkungen zu reduzieren. Mobilitätsmanagement ist als nachfrageorientierter Verkehrsplanungsansatz darauf angelegt, dass Mobilitätsverhalten langfristig zu beeinflussen. Mit dem Ansatz "Mobilitätsmanagement an Schulen" soll u. a. versucht werden, Kinder und Jugendliche früh und altersgerecht für die Nutzung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes zu gewinnen und die Fixierung auf das Automobil im Erwachsenenalter aufzuweichen.
Kinder und Jugendliche sollen dabei nicht nur lernen, wie man sich im Verkehr "zu verhalten hat", sondern auch, welche Folgen nicht nachhaltiges Mobilitätsverhalten hat [KHKK01; vcö01; FlHa04]. Zugleich soll durch eine altersgerechte Modifikation der Verkehrsangebote bzw. -strukturen unter konkreter Beteiligung von jungen Menschen die Nutzung des Umweltverbundes für Schüler attraktiver werden [ILS02b; BaWS03].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement an Schulen (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?112731
Literatur
[BaWS03] Bauer, Ulla , Wank, Karin, Schäfer, Karl Heinz Systematische Kinderbeteiligung in der Verkehrsplanung, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, 2003/09
[DIW03c] Follmer, R., Kunert, U., Kloas, J., Kuhfeld, H. Mobilität in Deutschland 2002 (MiD 2002) - Tabellenband, Berlin, 2003/07
[FlHa04] Hacke, Ulrike, Flade, A., Dr. Dipl. Psych. Von der "klassischen" Verkehrs- zur zeitgemäßen Mobilitätserziehung, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Heft 7+8, 2004
[ILS02b] Bäumer, Doris, Gruß, Esther, Jansen, Ute, Schafarik, Gabriele Mobile Jugend - Ausgewählte Mobilitätsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene, Dortmund, 2002
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[KHKK01] Koher, Sandra, Hensel, Anja, Kustermann, Waltraud, Karg, Georg Maßnahmen der Mobilitätserziehung, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrswissenschaft, Ausgabe/Auflage 03, Köln, 2001
[Krei02] Kreipl, Alexander Mobikids - Endbericht, München, 2002
[UBA05b] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V., Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd Nachhaltige Mobilitätserziehung in Schulen, Heidelberg, 2005/08
[vcö01] Niedler, Birgit , Nowak, Willi , Riedle, Hubert , Wieninger, Herbert Mobilitätsmanagement für Schulen - Wege zur Schule neu organisieren, 2001
Glossar
Umweltverbund Unter dem Begriff Umweltverbund wird die Kooperation der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV - Bahn+Bus), Fahrrad und zu Fuß gehen. Carsharing eignet sich als ÖPNV-ergänzendes Verkehrsmittel und ist ein wichtiger Baustein des Umweltverbundes (4. Säule des Umwelt-/Mobilitätsverbundes). In neueren Publikationen (ab etwa 2010) wird zunehmend vom Mobilitätsverbund gesprochen.
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?113005

Gedruckt am Mittwoch, 8. April 2020 17:35:41