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Mobilitätsmanagement an Schulen

Erstellt am: 08.10.2004 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Mobilitätsmanagement an Schulen ist eine Weiterentwicklung der klassischen Verkehrserziehung. Es beinhaltet neben der Vermittlung von Kenntnissen über das regelgerechte Verhalten im Verkehr auch eine Vermittlung der Zusammenhänge und Folgen von Verkehr. Ziele sind die nachhaltige Beeinflussung des Mobilitätsverhaltens der Schüler, Eltern und Lehrkräfte, aber auch die Verbesserung des Schulumfeldes, wie z. B. durch bauliche Maßnahmen oder die Schwachstellenanalyse von Verkehrsanlagen [FlHa04, S. 23; LWFB03, S. 115 ff.; Curd95; Spit97].
Einer der Auslöser für das Erfordernis von Mobilitätsmanagement ist die in Abbildung 1 schematisch dargestellte Spirale steigender Bringdienste im Schülerverkehr. Durch steigendes Verkehrsaufkommen wächst die Bereitschaft, Kinder zur Schule zu fahren. Dies erhöht das Verkehrsaufkommen weiter und bringt auch andere Eltern dazu, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Ein weiterer Nebeneffekt dieser Bringdienste sind zunehmende Bewegungsarmut und Übergewicht bei Kindern.
../112818/Auto_zur_Schule.jpgAbbildung 1: Eingriff in den Regelkreislauf der Verkehrsmittelwahl an Schulen [vcö01]

Ein Ausstieg aus dieser Spirale des Verkehrswachstums ist möglich, wenn Schulen, Eltern, Polizei, Verkehrsunternehmen und Kommunen zusammenwirken, um eine nachhaltige Änderung der Verkehrsmittelwahl zu erzielen. Dies kommt nicht nur den aktuellen Schulkindern zu Gute, sondern kann auch zukünftiges Verkehrsverhalten prägen.
Mobilitätsmanagement an Schulen beinhaltet [Krei02, S. 23; LWFB03, S. 115 ff.]:
unterrichts-theoretische Aspekte, wie z. B.:
  • Vor- und Nachteile der einzelnen Verkehrsmittel,
  • Regelkenntnisse,
  • Beteiligungsmöglichkeiten in der Verkehrsplanung und
  • Analyse des Verkehrsaufkommens an einer Schule sowie
strategische Aspekte, wie z. B.:
  • Durchführung von Aktionstagen,
  • die Aufstellung von Mobilitätsplänen und Schulwegplänen,
  • Verkehrssicherheitsarbeit und
  • Integration der Eltern und außerschulischer Partner sowie
verkehrs-praktische Maßnahmen, wie z. B.:
  • Neuorganisation des Schülerverkehrs im Öffentlichen Personennahverkehr,
  • Bildung von Fahrgemeinschaften und Gehgemeinschaften ("Walking-Bus"),
  • Infrastrukturmaßnahmen,
  • Radverkehrsschulungen und
  • Schwachstellenanalyse von Verkehrsanlagen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement an Schulen (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?112731
Literatur
[Curd95] Curdt, E. Leitgedanken eines verkehrspädagogischen Konzepts für die Zukunft, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrssicherheit, Ausgabe/Auflage 41, 1995
[FlHa04] Hacke, Ulrike, Flade, A., Dr. Dipl. Psych. Von der "klassischen" Verkehrs- zur zeitgemäßen Mobilitätserziehung, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Heft 7+8, 2004
[Krei02] Kreipl, Alexander Mobikids - Endbericht, München, 2002
[LWFB03] Beckmann, Klaus, Finke, Timo, Krug, Stephan, Langweg, Armin, Meinhard, Dirk, Witte, Andreas Mobilitätsmanagement in Deutschland und im Ausland, Stand von Theorie und Praxis, Aachen, 2003, ISBN/ISSN 3-88354-145-1
[Spit97] Philipp Spitta Kinder im Verkehr - Neue Konzepte der Verkehrserziehung in der Primarstufe, Ausgabe/Auflage 2, VCD / Bonn, 1997
[vcö01] Niedler, Birgit , Nowak, Willi , Riedle, Hubert , Wieninger, Herbert Mobilitätsmanagement für Schulen - Wege zur Schule neu organisieren, 2001
Glossar
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?112818

Gedruckt am Sonntag, 5. April 2020 06:21:09