Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Feederverkehr

Erstellt am: 19.09.2002 | Stand des Wissens: 20.05.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Feederverkehre sind Zubringerdienste, die Container von kleineren Häfen zu den Anlaufhäfen der Überseelinien befördern bzw. die aus Übersee kommenden Container zu den entsprechenden Zielhäfen transportieren. Besonders aktuell wird dieses Thema, wenn sogenannte Megacarrier, die auf Grund ihres Tiefgangs nur einige wenige Häfen weltweit ansteuern können, Ladung für umliegende Häfen geladen haben (z.B. Binnenhäfen, kleinere Küstenhäfen oder Kanalhäfen).

Der Hamburger Hafen hat eine besonders hohe Dichte an Zubringerdiensten und nimmt damit einen der vorderen Plätze in Europa ein. Im Jahr 2013 wurden rund 40 verschiedene Feeder-Dienste angeboten. Mit über 150 wöchentliche Abfahrten ist Hamburg für den Ostseeraum der bedeutenste Feeder-Hafen [HaHa19]

Dabei werden zunehmend auch Container im intrakontinentalen und intraregionalen Verkehr befördert. Neben dem Transshipment von Feederschiffen zu den Hauptlinien gibt es auch Transshipment zwischen interregionalen Diensten, vor allem zwischen den interkontinentalen Ost-West-Diensten und den Nord-Süd-Diensten (z.B. nach Australien) als "Staffelverkehr" [OSC06, S. 22].

Da für große und schnelle Containerschiffe einerseits die Verkürzung der Hafenliegezeiten wichtig ist, andererseits aber in den Anlaufhäfen große Ladungsmengen konzentriert werden müssen, ist die Erschließung eines hinreichend großen Hinterlandes erforderlich, was bei entsprechenden geographischen Gegebenheiten vorteilhaft auf dem Seeweg erfolgt. Hieraus können sich Hub-and-spoke-Systeme und hierarchisch gegliederte Netzwerke entwickeln.

Der Transshipmentanteil am Weltcontainerumschlag betrug 1980 11 Prozent und ist seither immer weiter gestiegen. Bedeutsam sind Feederverkehre besonders in Fernost und in Europa. So betrug 2010 der Transshipmentanteil in Singapur 85 Prozent, in Rotterdam 30 Prozent, in Hamburg 29 Prozent und in Marsaxlokk (Malta) 96 Prozent [Gard11]. Bis 2016 stieg der Transhipment Anteil infolge stark steigender Schiffsgrößen auf den Hauptlinien auf über rund 37 Prozent [HaHa17a, S. 34]. Besonders in Hamburg und Bremen sind die Anschlussverkehre in die Ostsee über den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) von großer Bedeutung [VeRu11].

In Hamburg wird der Zu- und Ablauf der Feederschiffe über eine eigens dafür eingerichtete Feederzentrale gesteuert. So können die Lösch- und Verladeprozesse eines Überseeschiffes, das für 60 - 80 Feederschiffe Ladung an Bord haben kann, besser koordiniert und effizienter umgesetzt werden. Um die verschiedenen Terminals in Hamburg anzufahren benötigen die Zubringerschiffe in der Regel bis zu 24 Stunden. Die Feeder Logistik Zentrale (FLZ), sowie das Hamburg Vessel Coordination Center (HCC) sorgen für den reibungslosen Ablauf. Angesichts der zunehmenden Transporte von Containern mit dem Binnenschiff in Hamburg ent­wickelt das HVCC nun eine eigene Binnenschiffsplattform. Seit 2012 ist das jährliche Container­volumen, das den Hamburger Hafen per Binnenschiff erreicht oder verlässt, um 40 Prozent auf über 128.000 TEU gestiegen. Hinzu kamen im vergangenen Jahr über 100.000 TEU an nassen Umfuhren, also Transporte zwischen den Terminals per Binnenschiff. Die Plattform vernetzt Bin­nenschiffsreeder, Schiffsführer, Terminals sowie die Behörden miteinander und sorgt für einen reibungslosen Datenaustausch zwischen allen Beteiligten. Die Inbetriebnahme ist für 2020 geplant [HHLA19]. 
Feederverbindungen im Hamburger Hafen.PNGAbb. 1: Feederverbindungen im Hamburger Hafen im Jahr 2017 (eigene Darstellung nach [HaHa17a, S. 27])
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Betriebsfragen des Containerverkehr (Stand des Wissens: 20.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?284774
Literatur
[Gard11] Gardiner, Nigel Global container terminal operators - 2011. Annual review and forecast., London, 2011
[HaHa17a] Handelskammer Hamburg (Hrsg.) Der Hafen Hamburg auf einen Blick, 2017/05/26
[HaHa19] Hafen Hamburg Marketing e.V. (Hrsg.) Linien- und Feederdienste verbinden Hamburg mit der ganzen Welt, 2019
[HHLA19] Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) (Hrsg.) HVCC optimiert Abfertigung von Binnenschiffen im Hamburger Hafen, 2019/05/08
[OSC06] o.A. The European & Mediterranean Containerport Markets to 2015, Chertsey, 2006
[VeRu11] o.A. Studie: Nordhäfen profitieren von günstigem Modal-Split, veröffentlicht in Verkehrsrundschau, 2011/10/26
Weiterführende Literatur
[Brei02] Breitzmann, Karl-Heinz, Prof. Dr. Ostseeverkehr - Entwicklung, Struktur und künftige Herausforderungen, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 07+08/2002, Deutscher Verkehrs-Verlag / Hamburg, 2002/07, ISBN/ISSN 0020-9511
[Bair02] Baird, A. J., The economics of container transhipment in Northern Europe, veröffentlicht in International Journal of Maritime Economics, Ausgabe/Auflage 4(2002)3, 2002, ISBN/ISSN 1388-1973
Glossar
Twenty-foot equivalent unit Zwanzig-Fuß-Äquivalente-Einheit (Twenty-foot Equivalent Unit). Eine statistische Hilfsgröße auf der Basis eines 20-Fuß-ISO-Containers (6,10 m Länge) zur Beschreibung von Verkehrsströmen oder -kapazitäten. Ein genormter 40'-ISO-Container der Reihe 1 entspricht 2 TEUs.
Hub-and-Spoke
Hubs sind zentrale Umschlagpunkte über die Versand- und Empfangspunkte miteinander verbunden werden.
Die Empfangs- und Versanddestinationen werden auch als Speichen (Spokes) bezeichnet. Das heißt, eine Verbindungen wird nicht direkt durchgeführt, sondern über einen zentralen Knoten oder Umschlagspunkt. Es wird daher von einem Hub-and-Spoke-System oder Nabe-Speiche-System gesprochen.
Feederverkehr Unter „Feederverkehr” versteht man den Zubringer- bzw. Verteilverkehr, z.B. den straßenseitigen Vor- und Nachlauf im Kombinierten Verkehr Straße-Schiene. Ausgeprägte Feederverkehre finden sich in der Seeschifffahrt, in der die Hub-Häfen der interkontinentalen Verkehre über Feederlinien mit kleineren Schiffen ein größeres Einzugsgebiet erschließen
Hub Der Begriff Hub kommt vom englischen Begriff "Hub and Spoke", was im Deutschen "Nabe und Speiche" entspricht. Der Hub dient als Sammel- und Knotenpunkt für Hauptverkehrswegen für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen, d.h. zur Warenübergabe an regionale Verteiler. Im Postwesen handelt es sich bei Hubs häufig um Paketzentren. Die Transportmittel zur weiteren Beförderung der Sendungen variieren (Schiffe, Flugzeuge, Lkw).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?11029

Gedruckt am Montag, 18. November 2019 22:28:31