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Akteure und Verhaltensregeln bei Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr

Erstellt am: 27.09.2004 | Stand des Wissens: 06.06.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Zielgruppe für Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr sind die Berufspendler, die regelmäßig mit dem Pkw zur Arbeit fahren.

Damit Fahrgemeinschaften längerfristig funktionieren können, müssen bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden. Die Organisatoren der "Mitfahrzentrale" (Mifaz) empfehlen folgende Regeln der Zusammenarbeit der Teilnehmer von Fahrgemeinschaften [mifa18]:

"
1. Sei pünktlich!
2. Sage ab, wenn Du nicht fahren oder mitfahren kannst! 
3. Sei freundlich. 
4. Sei bitte nicht pikiert, wenn andere Teilnehmer Sicherheitsmaßnahmen ergreifen möchten, bevor sie in ein fremdes Auto steigen oder fremde Personen zu sich einsteigen lassen. Denkbar sind das gegenseitige Vorzeigen von Versicherungsnachweis, Führerschein oder Personalausweis, oder auch ein Anruf bei einer dritten Person mit Angabe von Abfahrtszeit und -ort und zum Beispiel einem Kennzeichen. 
5. Fahre bitte nicht zu schnell und insgesamt sicher, verkehrsgerecht und rücksichtsvoll.
6. Halte Dein Auto in einem verkehrstauglichen Zustand. 
7. Erste-Hilfe-Koffer und Warndreieck und -westen sollten an Bord sein. 
8. Überlade Dein Auto nicht! 
9. Der Fahrer sollte die Entscheidungsbefugnis im Auto haben (zum Beispiel Rauchen). 
10. Bewerte Fahrer oder Mitfahrer nach der Fahrt."

Soll die Zahl der Fahrgemeinschaften gesteigert werden, ist oft ein Anstoß von dritter Seite erforderlich. Dieser Anstoß kann vor allem von Betrieben kommen, die ihrerseits von geringerem Parkraumbedarf auf dem Grundstück profitieren. Kleinere und mittlere Betriebe haben jedoch oft ein zu geringes Potenzial, um Wünsche für Fahrgemeinschaften qualifiziert befriedigen zu können.

Für die Bereitstellung von Vermittlungssystemen und eine betriebsübergreifende Organisation sollten daher die Kommunen, gegebenenfalls in Kooperation mit Handwerkskammern und Gewerkschaften aktiv werden. Auch Kommunen haben Vorteile durch Fahrgemeinschaften in Form von geringerem Verkehrsaufkommen auf den Straßen, weniger Parkdruck in Innenstadtbereichen und besserer Erreichbarkeit der Arbeitsplätze.

Auf der Seite der Gewerkschaften ist vor allem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zusammen mit dem Auto-Club Europa (ACE) mit der Internet-Plattform clever-Pendeln.de aktiv geworden [ACE00]. Auch die Berufsgenossenschaften unterstützen den Ansatz zur Bildung von Fahrgemeinschaften [BVWe01].

Abbildung 1 verdeutlicht, dass die Initiative und das Interesse für Fahrgemeinschaft-Aktivitäten von verschiedenen Trägern ausgehen können.
Rein85-48e.jpgAbb. 1: Mögliche Träger von Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr [Reinke85, S. 48]



Ein weiterer Ansatz ist das kommunenübergreifende Netzwerk ADAC-Mitfahrclub.de und Fahrgemeinschaft.de, mit dem die Technik für ein regionsweites Vermittlungssystem für Fahrgemeinschaften bereitgestellt wird.

Private Akteure in diesem Bereich sind die Anbieter von Vermittlungssystemen für Fahrgemeinschaften wie zum Beispiel Europe Alive und die ptv AG.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr (Stand des Wissens: 21.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56871
Literatur
[ACE00] Monz, Beate Hin & Her, Ausgabe/Auflage 1, Hermann G. Abmeyer, Stuttgart, 2000
[BVWe01] Bruns, Hans-Ludwig, Vennefrohne, Klaus, Welk, Lars Mobilitätsmanagement in der betrieblichen Praxis, 2001
[mifa18] Deine Mitfahrzentrale (Hrsg.) Tipps und Netiquette für den Umgang auf Mifaz und Fahrgemeinschaften, 2018
[Reinke85] Reinke, Volkmar Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr - Möglichkeiten und Grenzen der Förderung, Dortmund, 1985, ISBN/ISSN 3-88211-050-3
Weiterführende Literatur
[RoMe99] Roider, Oliver, Meschnik, Michael, Sammer, Gerd, ICARO - Ein EU-Forschungsprojekt am Beispiel "Fahrgemeinschaften in Salzburg", veröffentlicht in Schnittstellen im Mobilitätsmanagement, Ausgabe/Auflage 1, Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur Gutenbergstraße 59, 44139 Dortmund, 2000, ISBN/ISSN 3-929797-60-7
[ICARO99] ICARO-Konsortium ICARO - Final Report - Deliverable 11, 1999
[VCD96] Büro für Verkehrsökologie, Schäfer-Breede, Klaus Mobilitätsmanagement in Betrieb und Verwaltung, veröffentlicht in VCD Materialien, Ausgabe/Auflage 1. , Verkehrsclub Deutschland VCD e.V. Eifelstraße 2, 53119 Bonn, 1996
[Move10] o.A. Pendlernetz Hilfe - Allgemeine Verhaltensregeln
Glossar
ADAC = Allgemeine Deutsche Automobil Club e. V.. Der ADAC nimmt für sich in Anspruch, die Interessen deutscher Auto-, Motorrad- und Bootfahrer zu vertreten. Er bietet - direkt oder über Tochterfirmen - Dienstleistungen an und produziert Stadtpläne sowie Straßenkarten. Außerdem betreibt er mehrere Fahrsicherheitszentren. Die ursprüngliche und bekannteste Dienstleistung des Clubs ist die Pannenhilfe.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?109963

Gedruckt am Mittwoch, 14. April 2021 20:08:35