Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Verkehrsfunk als Informationsinstrument im Rahmen des Verkehrsmanagements

Erstellt am: 15.09.2004 | Stand des Wissens: 13.12.2019
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky

Verkehrsinformationen über Verkehrsfunk werden bisher größtenteils kostenlos im Rahmen des Verkehrswarndienstes über Rundfunkanstalten an den Hörer übermittelt und sind ein fester Bestandteil des Hörfunkprogramms [FGSV02]. Bezogen auf den motorisierten Individualverkehr werden sowohl Gefahrensituationen (wie Falschfahrer, Gegenständd auf der Fahrbahn), Ereignisse (wie Baustellen, Fahrstreifensperrung) als auch Verkehrsstörungen (wie Stau, stockender Verkehr) gemeldet, teilweise mit Umleitungsempfehlungen. Dadurch lassen sich räumliche Verkehrsverlagerungen - verbunden mit reduzierten Reisezeiten - sowie Sicherheitsgewinne bei kritischen Situationen erzielen. Spezifische Anfragen sind aufgrund der unidirektionalen Informationaussendung, dem sogenannten Broadcast von Infromationen, über das Medium Verkehrsfunk nicht möglich (siehe SchCl04, S. 43f.). Eine verkehrsmittelübergreifende Information erfolgt derzeit nur in Ausnahmefällen und beschränkt sich auf besondere Verkehrssituationen, wie erschöpfte Parkraumkapazitäten bei Großveranstaltungen, weshalb die Nutzung des ÖPNV empfohlen wird.
Neben den gesprochenen Meldungen können die Inhalte auch über den digitalen Verkehrsfunk RDS/TMC (Radio Data System/Traffic Message Channel) zur Verfügung gestellt werden. Dieser befindet sich in Deutschland seit 1997 im Regeldienst und ist derzeit Hauptstandard in Europa. RDS/TMC-fähige Geräte haben zwischenzeitlich insbesondere über die Navigationsgeräte einen hohen Verbreitungsgrad erlangt. Mit diesem System ist es über Ultrakurzwellen (UKW) möglich rund 20 bis 30 aktuelle Verkehrsmeldungen je Minute nach einem international standardisierten Protokoll (Alert-C-Protokoll) auszusenden und zu empfangen. Da die Meldungen wiederholt ausgesendet werden sollen, ist somit deren Anzahl begrenzt. Die Meldungen sind dabei durch Ereignis- (Event Code List) und Ortslisten (Location Code List) einheitlich kodiert. Die parallel mit dem Rundfunkprogramm empfangenen Verkehrsinformationen können textlich in beliebiger, verfügbarer Sprache dargestellt oder vom entsprechend ausgestatteten Navigationsgerät automatisch verarbeitet werden. [SchCl04
Seit Januar 2005 existiert neben dem kostenfreien TMC ein kommerzieller Dienst namens Navteq Traffic (ehemals TMCpro FM), der über den RDS-Unterträger von UKW-Sender ausgestrahlt wird. Dieses Angebot kann nur über private Rundfunksender als gebührenpflichtiges Angebot bezogen werden. Navigationsgeräte empfangen Navteq Traffic, da die Gebühren bei Lizenzerwerb eines Navigationsgerätes abgedeckt werden. Der Unterschied zum kostenfreien TMC besteht in der höheren Informationsqualität, da detailliert aufbereitete Daten in einer modellgestützten Berechnung zu einer besseren Voraussage führen. [Stro08]
Aufgrund der steigenden Anzahl von Verkehrsmeldungen und den gegebenen Einschränkungen bei der Kodierung und Übertragung der Meldungen durch RDS/TMC und über UKW erfolgen derzeit große Bestrebungen neue, leistungsfähigere Standards einzuführen. Zu nennen wäre hier der TPEG-Standard (Transport Protocol Experts Group-Standard) zur Kodierung detaillierterer Meldungsinhalte. Mit diesem Kodierungsstandard kann ein weites Spektrum an zusätzlichen Funktionalitäten adressiert werden, wie:
  • die Übertragung von Prognosedaten über TPEG-TFP (""Traffic Flow Prediction" zur Übertragung der prognostizierten Verkehrslage auf Streckenabschnitten),
  • LSA-Umlaufzeiten über TPEG-TSI ("Traffic Signal Information" zur Übertragung aktueller und zukünftiger Signalprogramme) oder
  • TPEG-TEC ("Traffic Event Compact" zur Kodierung diverser Verkehrsereignisse sowie die Möglichkeit einer selektiver Beschränkung nach Fahrzeugart, Schadstoffklasse und anderem)
Diese Technologien sind jedoch auf leistungsfähigere Übertragungsmedien wie Digital Audio Broadcasting (DAB), Digital Video Broadcasting (DVB) oder Mobilfunk angewiesen sind [TPEG02], [TISA13]. Sind die Informationen für einen weiträumigen Bereich gültig, dann ist ein Broadcast der Informationen an die Verkehrsteilnehmer sinnvoll.
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Informationsbereitstellung und Steuerung des Verkehrsablaufs als Maßnahme des Verkehrsmanagements (Stand des Wissens: 19.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?33575
Literatur
[FGSV02] FGSV-Arbeitsausschuss 1.1 "Grundsatzfragen der Verkehrsplanung", FGSV-Arbeitsausschuss 1.7 "Sonderfragen des Stadtverkehrs" Verkehrsmanagement - Einsatzbereiche und Einsatzgrenzen [FGSV-Arbeitspapier Nr. 56], veröffentlicht in FGSV-Arbeitspapiere, Ausgabe/Auflage 1. , 2002
[SchCl04] Schmidt-Clausen, Riclef Verkehrstelematik im internationalen Vergleich - Folgerungen für die deutsche Verkehrspolitik, veröffentlicht in Europäische Hochschulschriften - Reihe V, Volks- und Betriebswirtschaft, Ausgabe/Auflage Bd. 3080, Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften Frankfurt/Main, 2004, ISBN/ISSN 3-631-52838-8
[Stro08] Strobel, Alexander TMC-Pro liefert die Daten , 2008/07/03
[TISA13] Matthias Unbehaun (Hrsg.) TISA - Traveller Information Services Association, 2013
[TPEG02] Transport Protocol Experts Group EUROPEAN BROADCASTING UNION, TPEG specifications Supplement: TPEG Tables: RTM, PTI, Loc; Version 3.0, 2002, 2002
Glossar
TPEG Der Transport Protocol Experts Group (TPEG)-Standard ist ein offener internationaler Standard zur Kodierung sprachunabhängiger und multimodaler Verkehrs- und Reiseinformationen. Er baut auf den Erfahrungen von RDS-TMC (Radio Data System-Traffic Message Channel) auf, erweitert diesen aber erheblich (zum Beispiel detailliertere Beschreibung von Störungsereignissen, Ortsangaben, Übermittlung von Strategien, Prognosedaten et cetera). TPEG-Informationen können von Geräten (z.B. Navigationsgeräte) verarbeitet, aber auch so aufbereitet werden, dass sie von Personen einfach verstanden werden.
DAB+
Digital Audio Broadcasting (DAB) bezeichnet die digitale Verbreitung von Audiosignalen über eine Antenne. Das "+" steht für die Übertragung in bester Tonqualität, die zudem Platz lässt für programmbegleitende Zusatzinformationen, wie Verkehrsdaten, Wetterkarten, Titel, Interpret, Albumcover bei Musikstücken oder die aktuellen Nachrichtenschlagzeilen.
LSA Lichtsignalanlagen LSA (umgangssprachlich: Ampeln) dienen der Steuerung des Straßenverkehrs, indem mittels Lichtsignalen ein bestimmtes Verhalten der Verkehrsteilnehmer angeordnet wird.
Extensible Markup Language Die Extensible Markup Language (engl. für 'erweiterbare Auszeichnungssprache'), abgekürzt XML, ist eine Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Datensätze in Form von Textdaten. XML wird u. a. für den plattform- und implementationsunabhängigen Austausch von Datensätzen zwischen Computersystemen eingesetzt, insbesondere über das Internet.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
UKW
Als Ultrakurzwellen (UKW) bezeichnet man elektromagnetische Wellen, die von einem Sender in einem Frequenzbereich zwischen 30 Megahertz bis 300 Megahertz abgegeben und mit einem Radiogerät empfangen werden können. In der Regel liegt die Reichweite eines UKW-Senders – je nach Sendeleistung und Empfängerstandort – bei bis zu 200 km. 
Radio Data System Radio Data System (RDS) ist ein Verkehrsinformationsdienst, welcher mehrere Kanäle für Zusatzinformationen zu den jeweiligen Radioprogrammen zur Verfügung stellt. Der sog. Traffic Message Channel (TMC) überträgt bspw. mit Hilfe von RDS nach einem spezifischen Protokoll digital codierte Verkehrsinformationen, die im Radiodisplay angezeigt werden. Durch Nutzung einer entsprechenden Chipkarte wird eine Sprachunabhängigkeit erreicht, d. h. die Informationen werden unabhängig vom augenblicklichen Aufenthaltsort in der Sprache des jeweiligen Benutzers dargestellt.
Technical Specification for Interoperability Die Technical Specification for Interoperability (TSI) machen für Teilsysteme bzw. Teile von Teilsystemen der transeuropäischen (Hochgeschwindikgkeits-)Eisenbahnsysteme Vorgaben, um deren grundsätzliche (technische) Eignung sowie die Kompabilität untereinander zu gewährleisten. Dabei handelt es sich um eine unionsrechtliche, technische Vorschrift der Europäischen Kommission.
Traffic Message Channel Traffic Message Channel (TMC) ist ein Verkehrsinformationsdienst, welcher auf Radio Data System (RDS) beruht, das mehrere Kanäle für Zusatzinformationen zu den jeweiligen Radioprogrammen zur Verfügung stellt. TMC überträgt nach einem spezifischen Protokoll digital codierte Verkehrsinformationen, die im Radiodisplay angezeigt werden. Die Nutzung von TMC ist sprachunabhängig, das heißt die Informationen werden unabhängig vom augenblicklichen Aufenthaltsort in der Sprache des jeweiligen Benutzers dargestellt.
LSA Lichtsignalanlagen (LSA) dienen der Steuerung des Straßenverkehrs. Sie ordnen für Verkehrsteilnehmer ein bestimmtes Verhalten an, indem sie gesteuerte Signale abgeben. Umgangssprachlich werden sie auch häufig Ampeln genannt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?107631

Gedruckt am Dienstag, 26. Januar 2021 03:27:39