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Tarifliche Maßnahmen im Verkehrsmanagement

Erstellt am: 14.09.2004 | Stand des Wissens: 12.12.2019
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky

Durch tarifliche Maßnahmen kann die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs (ÖV) beeinflusst und die Nutzbarkeit erleichtert werden. Beispiele sind die Differenzierung der Fahrpreise nach Haupt- und Nebenverkehrszeiten sowie die Vergünstigung für ausgewählte Kundenkreise oder Angebote, wie beispielsweise im Zusammenhang mit Job-, Studenten- oder Kombitickets. [FGSV02] Verkehrsverbünde und damit einheitliche Tarifgestaltungen sollen den Fahrgästen ein unbeschwertes Fahrerlebnis ermöglichen. Viele Fahrgäste sehen sich durch eine Vielzahl an lokalen und unterschiedlichen Tarifen überfordert und vermeiden es, Verkehrsmittel des Umweltverbundes zu wählen. Ein einheitliches System hilft die Akzeptanz der Nutzergruppe zu erhöhen und Hemmnisse abzubauen.
Tarifliche Maßnahmen beschränken sich nicht ausschließlich auf den öffentlichen Verkehr. Auch im Bereich des ruhenden Verkehrs ist durch die Preisgestaltung eine Einflussnahme auf die Auslastung der Parkierungsanlagen möglich. Im Leitprojekt MOBINET im Ballungsraum München wurde für Park and Ride-Anlagen ein gestaffeltes Bewirtschaftungskonzept  entwickelt, das eine kostenpflichtige Nutzung von Park and Ride-Stellplätzen vorsieht und die Tarife vom Außenbereich (aktuell: 0,50 Euro/Tag) zum Stadtzentrum (aktuell: 1,50 Euro/Tag) hin ansteigen lässt. Die Testphase führte zu folgenden positiven Erfahrungen:
  • früheres Umsteigen der Pendler auf den ÖV, wodurch innenstadtnahe Park and Ride-Plätze entlastet und außerhalb befindliche Anlagen besser ausgelastet wurden,
  • weitgehende Reduzierung des Anteils an Fremdparkern, die nicht auf den ÖPNV umsteigen,
  • spürbarer Verzicht auf die Pkw-Nutzung durch Personen, die nur kurze Strecken zum Park and Ride-Platz zurückzulegen haben,
  • Ausbleiben einer befürchteten großen Abwanderung des ruhenden Verkehrs von den Park and Ride-Plätzen in die Straßenräume und
  • Reduzierung der zu tragenden Unterhaltskosten für einen Parkplatz von 300 auf 230 Euro pro Jahr.
Das Konzept wurde für die gesamten Park and Ride-Anlagen dauerhaft eingeführt [Mobinet04]. Mittlerweile werden alle Park and Ride-Anlagen der Stadt München, die durch die Park & Ride GmbH betreut werden, gebührenpflichtig betrieben. Die Tarife der Erprobungsphase wurden inzwischen verändert und durch Wochen-, Monats- und Jahrestickets ergänzt. Voraussetzung für den Erwerb eines Park and Ride-Jahrestickets ist die Vorlage eines Jahresabos der öffentlichen Verkehrsmittel.
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Organisatorische Maßnahmen und Instrumente des Verkehrsmanagements (Stand des Wissens: 19.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?33559
Literatur
[FGSV02] FGSV-Arbeitsausschuss 1.1 "Grundsatzfragen der Verkehrsplanung", FGSV-Arbeitsausschuss 1.7 "Sonderfragen des Stadtverkehrs" Verkehrsmanagement - Einsatzbereiche und Einsatzgrenzen [FGSV-Arbeitspapier Nr. 56], veröffentlicht in FGSV-Arbeitspapiere, Ausgabe/Auflage 1. , 2002
[Mobinet04] MOBINET-Projektkonsortium, Landeshauptstadt München, Kreisverwaltungsreferat Park+Ride uneingeschränkt positiv, 2004
Glossar
ÖV
Der öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen sowohl die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch die öffentlichen Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten Multimodalität wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch alternative Bedienformen, Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Umweltverbund
Unter dem Begriff Umweltverbund wird die Kooperation der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV: Bahnen und Busse), Fahrrad und zu Fuß gehen. Carsharing eignet sich als ÖPNV-ergänzendes Verkehrsmittel und ist ein wichtiger Baustein des Umweltverbundes (4. Säule des Umwelt-/Mobilitätsverbundes).
In neueren Publikationen (ab etwa 2010) wird zunehmend vom Mobilitätsverbund gesprochen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?107130

Gedruckt am Dienstag, 26. Januar 2021 03:19:54